12.06.2015| Von: Andreas Kern |

Die Trader bei wikifolio.com scheinen ausgemachte Schnäppchenjäger zu sein. Sobald eine relativ bekannte Aktie nach unerwarteten Nachrichten starke Kursverluste erleidet, greifen die Trader beherzt zu. Ein Phänomen, das wir schon häufiger beobachten konnten. Beim jüngsten Crash des Modekonzerns Gerry Weber hat sich die Geschichte erneut wiederholt. Mit einem Wert von beachtlichen 79 Prozent überwog die Kaufquote bei der Aktie zuletzt mehr als deutlich. Wenige Tage vor dem medienträchtigen Tennisturnier „Gerry-Weber-Open“ in Halle/Westfalen hatte das Unternehmen seine Anteilseigner am Dienstagabend mit der nunmehr dritten Gewinnwarnung innerhalb eines Jahres geschockt.

Aktie im Fokus Gerry Weber

Weil man sich der negativen Marktentwicklung in der Modebranche nicht entziehen könne, wurden die Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr gekappt. Die Analysten von Warburg sehen in dem Zahlenwerk, das am Freitag im Detail vorgelegt wurde, eine „Verschlechterung in jeder Beziehung“. Die Strafe des Marktes ließ nicht lange auf sich warten. Zur Wochenmitte verlor die Aktie in der Spitze über 30 Prozent an Wert. Die Erholung im Anschluss fiel im Vergleich dazu deutlich gemäßigter aus, reichte erfahrenen Tradern aber, um dank günstigem Einstieg schnelle Gewinne zu erzielen. Andere Trader setzen eher auf eine nachhaltige Erholung.

Dazu zählt zum Beispiel Martin Zipfel („madn“), der die im MDAX gelistete Aktie am Mittwochmittag zu Kursen von rund 21,35 Euro in sein wikifolio „Unterbewertete Marken-Aktien & Wachstum“ aufgenommen und dies wie folgt begründet hat: „Die Gerry Weber Aktie ist heute nach einer Gewinnwarnung im Xetra Handel um die 30 Prozent eingebrochen. Ich denke, ein Abschlag ist nach der Meldung nun zwar gerechtfertigt, gehe aber weiterhin, langfristig betrachtet von positiven Perspektiven für das Unternehmen und die Expansionsstrategie aus und habe die Papiere deshalb mit einem kleinen Anteil in dieses Wikifolio aufgenommen. Auch der Vorstandschef Ralf Weber, der Sohn des Firmengründers Gerhard Weber, ist von seiner eigenen Strategie sehr überzeugt, zumal er regelmäßig Aktien des eigenen Unternehmens erwirbt“. Mit einem Depotanteil von einem Prozent ist der Anteilsschein nun einer von insgesamt 35 Werten in dem breit gestreuten Portfolio. Dank einer Performance von 95 Prozent seit der Emission Ende 2012 ist das wikifolio-Zertifikat bei Anlegern heiß begehrt. Zumal der bislang größte Verlust lediglich 11,6 Prozent betrug.

10 Aktien mit den meisten Trades auf wikifolio.com (04.06.2015-11.06.2015)

10 Aktien mit den meisten Trades

Basis: alle investierbaren wikifolios

Deutlich konzentrierter ist die Besetzung des bei Anlegern ebenfalls sehr beliebten wikifolios [„Value+“][4] von Dirk Uhle („DUFF“). Aktuell setzt der Trader gerade mal auf vier Titel, von denen die Fußball-Aktie von Borussia Dortmund mit einem Anteil über 30 Prozent das absolute Schwergewicht darstellt. Gerry Weber ist nicht mehr Bestandteil des wikifolios, weil die ebenfalls am Mittwoch aufgebaute Position am Freitag mit einem schnellen Gewinn von 4,9 Prozent schon wieder aufgelöst wurde. Genau darauf hatte der Trader in seinem Kommentar zuvor auch hingewiesen: „Bei Gerry Weber wurden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt, selbst der Chef hat im April noch 300.000 Aktien zu Kursen von über 30 Euro gekauft. Kleine Tradingposition, 30% Abschlag bei einem an sich gut geführten Familien-Unternehmen gibt es nicht alle Tage“. Mit einem Plus von 65 Prozent seit dem Start im Juni 2013 und einer Zertifikate-Performance von 26 Prozent seit Februar 2014 liegt der Trader bislang gut im Rennen. Der stärkste Drawdown brachte dabei Verluste von weniger als 14 Prozent.

Alle wikifolios mit Gerry Weber (ISIN: DE0003304101) im Depot.