Raus aus dem DAX? Die „Sell in May“-Regel macht keinen Sinn

Die laufende Korrektur an den Aktienmärkten kommt mit Blick auf die Saisonalität genau zum richtigen Zeitpunkt. Das zumindest sollte man meinen, wenn man die viel zitierte Börsenregel „Sell in May“ heranzieht. Demnach sollen sich Anleger ja Ende April von den Märkten verabschieden und erst Ende September wieder einsteigen. Wer das in diesem Jahr befolgt hat, ist zumindest von den jüngsten Verlusten tatsächlich verschont geblieben. Der DAX verlor in den ersten Tagen des laufenden Monats über 400 Punkte oder mehr als drei Prozent an Wert. Bei vielen Einzelwerten fielen die Rückschläge noch wesentlich heftiger aus.

Durchschnittliche DAX-Performance in den einzelnen Monaten seit 1988

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Quelle: eigene Berechnungen auf Basis von Daten der vwd group

Dennoch halten wir bei PLATOW Derivate von solchen Regeln nicht viel. Obwohl wir bei unseren wikifolio-Strategien auch mit statistischen Daten arbeiten, sind die saisonalen Auffälligkeiten für den Börsenhandel aus unserer Sicht nur bedingt geeignet. Warum das ist so, zeigt der Blick ins Detail. Zwar ist es tatsächlich so, dass der DAX und auch andere Aktienindizes in den „Sommermonaten“ historisch betrachtet wesentlich schlechter abgeschnitten haben als in der saisonal starken Phase zwischen Oktober und April. Allerdings lag das zumindest auf den DAX bezogen fast ausschließlich an den Kursverlusten im August und im September.

Der Mai hat eine der höchsten Erfolgsquoten überhaupt

In diesen beiden Monaten ist der deutsche Leitindex in den vergangenen 31 Jahren im Schnitt jeweils um rund 2,3% gefallen. So eine miserable Bilanz weist sonst kein anderer Monat aus. Ebenfalls ein Minus gab es lediglich noch im Juni, wobei es dort mit durchschnittlich 0,1% wesentlich geringer ausfiel. Der Mai zählte in der Vergangenheit zwar nicht zu den Top-Monaten. Die Performance ist mit 0,9% im Schnitt aber klar positiv. In immerhin 19 von 31 Fällen ist der DAX im Mai gestiegen. Das ist sogar eine überdurchschnittliche hohe Erfolgsquote.

DAX-Performance im Mai seit 1988

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Quelle: eigene Berechnungen auf Basis von Daten der vwd group

Einzelne Ausreißer verhageln die Bilanz im Sommer

Mit Blick auf diese Daten müssten sich Anleger also besser nur zwischen Ende Juli und Ende September eine Auszeit von den Aktienmärkten gönnen. Aber selbst dann hätte man in vielen Jahren schlechter abgeschnitten als bei einem (kostengünstigeren) Dauerinvestment. Denn selbst im insgesamt so schwachen August lag der DAX in fast der Hälfte aller Jahre am Ende im Plus. Die enormen Unterschiede in der Gesamtperformance resultieren größtenteils aus einzelnen heftigen negativen Ausreißern in den Crash-Phasen 1990, 1997, 1998 und 2011, als der DAX im August jeweils zweistellig einbrach. Eine Gesetzmäßigkeit können zumindest wir daraus nicht ablesen.

DAX-Performance im August seit 1988

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Quelle: eigene Berechnungen auf Basis von Daten der vwd group

Das Verhalten der Anleger liefert die besseren Signale

Wir verlassen uns bei unseren wikifolios daher lieber auf eine eigene Strategie, die auf Trends und dem Sentiment an den Börsen basiert. Beide Faktoren beruhen auf dem Verhalten der Marktteilnehmer, das sich so schnell wahrscheinlich nicht verändern wird. Die typischen Emotionen wie Angst, Gier und Hoffnung werden die meisten Menschen an der Börse nie komplett ablegen können. Alle mit der Zeit aufkommenden Änderungen wie zum Beispiel der zunehmende Einfluss von automatisierten Handelsstrategien werden in vielen Fällen über die Trend-Indikatoren aufgefangen. Von daher sind wir sehr zuversichtlich, dass wir mit unserer regelbasierten und mittel- bis langfristig ausgerichteten Strategie auf Dauer sehr attraktive Renditen erzielen können, auch ohne saisonale Aspekte zu berücksichtigen. Daran ändert auch die bislang enttäuschende Performance nichts, da es solche Phasen auch in den insgesamt sehr viel versprechenden Backtests immer mal wieder gegeben hat.

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