Was der Jahreswechsel, der Januar und der Super Bowl über 2020 aussagen

Nicht einmal einen Monat hat es gedauert und schon fühlen sich nahezu alle Experten in ihren Ansichten zum Börsenjahr 2020 bestätigt.

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Die Pessimisten verweisen auf die Anfälligkeit der Märkte, die nur auf schlechte Nachrichten warten, um endlich eine stärkere Korrektur zu starten. So sorgte der Coronavirus beim DAX mal eben für einen schnellen Kursrückgang von fünf Prozent. Die Optimisten wiederum fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass es mangels attraktiver Anlagealternativen auch in diesem Jahr wieder neue Rekorde an den Aktienmärkten geben wird. Als Beleg dafür soll die deutliche Erholung der vergangenen Tage dienen, nachdem erste Berichte über einen möglichen Durchbruch bei der Suche nach einem Impfstoff gegen den Coronavirus aufgetaucht waren.

„Börsenregeln“ ohne Ende

Als Anleger ist man nun genauso schlau wie vorher. Vollkommen logisch klingende Argumente gibt es grundsätzlich immer für beide Seiten. Deshalb ist der Job eines Börsenberichterstatters auch nicht allzu schwer. Im Nachhinein lässt sich jede Kursbewegung ganz einfach erklären. Investoren nutzt das alles wenig. Sie wollen schließlich vorher wissen, ob es aufwärts oder abwärts geht oder die Märkte seitwärts laufen. 

Dass sich die Anleger deshalb an jeden Strohhalm klammern und nach halbwegs verlässlichen Indikatoren suchen, liegt auf der Hand. Das ist wohl auch der Grund, warum es so viele „Börsenregeln“ gibt. „Sell in may“ dürfte jedem börseninteressierten Leser ebenso ein Begriff sein wie die „Jahresendrallye“. Und da gibt es noch einige mehr. Was können wir vom Börsenjahr 2020 nun mit Blick auf solche statistische Daten erwarten?

Schwacher Jahreswechsel als Warnsignal

Beginnen möchte ich mit der Jahresendrallye, die im vergangenen Jahr zumindest nach meiner persönlichen Definition ausgefallen ist. Im Zeitraum zwischen dem 20. Dezember und dem 5. Januar, also rund um Weihnachten und Silvester, ist der DAX in den vergangenen Jahrzehnten in 80 Prozent der Fälle gestiegen. Das ist eine außergewöhnlich hohe Erfolgsquote. Beim vergangenen Jahreswechsel kam es aber zu einer der berühmten Ausnahmen, welche eine Regel sprichwörtlich bestätigen soll. Der DAX verlor im besagten Zeitraum nämlich 0,6 Prozent an Wert. 

Und das kann rein statistisch betrachtet durchaus Folgen haben. Unter Berücksichtigung der bis 1959 zurückreichenden Daten des Börsen-Zeitungs-Index als Vorgänger des DAX gab es insgesamt nur zwölf Fälle, wo die Phase der Jahresendrallye mit negativen Vorzeichen endete. Immerhin sechsmal verzeichnete der Index danach auch im Gesamtjahr Verluste. Eine Quote von 50 Prozent wirkt auf den ersten Blick womöglich nichtssagend. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass insgesamt nur ein Drittel aller Kalenderjahre Minuszeichen ausweist. Vor diesem Hintergrund ist eine 50:50 Chance auf fallende Kurse eher negativ zu sehen. Natürlich ist das noch kein Grund zur Panik. Es kann ein erstes Warnzeichen sein, dass die Anleger selbst in der traditionell sehr erfolgreichen Börsenphase keine ausreichende Kaufkraft an den Tag legen konnten, um den DAX ins Plus zu hieven.

Der Januar-Indikator hilft nur bedingt weiter

Zumal sich die negative Entwicklung trotz zwischenzeitlich neuer Hochs über den gesamten Januar weiter fortgesetzt hat. Der erste Monat des neuen Jahres endete mit einem DAX-Minus von zwei Prozent. Nach den Analysen des Börsendienstes „Wellenreiter Invest“ überwiegt – bezogen auf den Dow Jones Index – bei negativen Januar-Vorzeichen die Wahrscheinlichkeit eines negativen Gesamtjahres. Gilt das auch für den DAX? Nach meinen Recherchen eher nicht. Zwar ist die Entwicklung eines Kalenderjahres von den Vorzeichen her häufig genauso wie die im Januar. Bei einem negativen Jahresstart gilt das aber nur bedingt. In 69 Prozent dieser Fälle gab es trotzdem noch ein Plus im Gesamtjahr. Diese Quote ist nur geringfügig kleiner als bei einem erfolgreichen Jahresstart. Hieraus lässt sich nicht wirklich etwas ableiten. Auf der anderen Seite würde eine schwache Entwicklung an den US-Börsen wohl auch am DAX nicht spurlos vorübergehen.

Und dann war da noch der Super Bowl…

Bleibt zum Schluss aus aktuellem Anlass der sogenannte Super Bowl-Indikator. Demnach droht den amerikanischen Aktienmärkten eine Baisse, wenn ein Team aus der American Football Conference (AFC) den Titel holt, während bei einem Sieger aus der National Football Conference (NFC) mit steigenden Kursen zu rechnen sei. 

Die auf den ersten Blick erstaunlich hohe Trefferquote (über 70 Prozent) dieses einfachen und im Grunde völlig sinnfreien Indikators hängt vor allem damit zusammen, dass bislang deutlich öfter die NFC-Teams gewonnen haben. Gleichzeitig sind die Aktienkurse häufiger gestiegen als gefallen, womit sich die hohe Trefferquote zum Teil schon erklärt. Hinzu kommt die recht geringe Datenbasis, wodurch vieles einfach nur Zufall ist. Auf der anderen Seite wird der Indikator in den Medien stark thematisiert, was den einen oder anderen Anleger nach der jahrelangen Rallye vielleicht in seiner Skepsis bestätigen und zu einem vorsichtigeren Handeln an der Börse motivieren könnte. Man spricht dann gerne von der „self-fulfilling prophecy“, also einer Vorhersage, die ihre Erfüllung letztendlich selbst bewirkt. Dann wäre es zumindest nicht positiv, dass mit den Kansas City Chiefs gerade ein AFC-Team erfolgreich war.

Eine Frage von Angebot und Nachfrage

In der Summe all dieser in ihrer Aussagekraft natürlich diskutabler Indikatoren ist der Börsenhimmel im laufenden Jahr also zumindest etwas wolkiger als 2019. Eine im Vergleich dazu etwas schwächere Performance wäre nach diesem bombastischen Börsenjahr allerdings auch keine große Überraschung. Letztendlich wird es wie immer einzig und alleine darauf ankommen, wie sich die einzelnen Marktteilnehmer und hier vor allem die finanzstarken institutionellen Player im Laufe des Jahres positionieren. Dass ihnen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld keine wirklich renditestarken Anlagealternativen zur Verfügung stehen, ist und bleibt der größte Pluspunkt für die Aktienmärkte. Wenn gleichzeitig die Unternehmen weiterhin massiv in eigene Aktien investieren, ist zumindest ein Crash sehr unwahrscheinlich.

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Aktienrückkäufe der S&P 500-Unternehmen

Die US-Unternehmen kaufen weiterhin Milliarden eigener Aktien zurück - jedes Jahr. Daran wird sich voraussichtlich auch 2020 nicht viel ändern.


Disclaimer: Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte. Zuvor war er über fünf Jahre beim PLATOW Brief als Börsenredakteur tätig. Dort rief er Mitte 2004 den Newsletter „PLATOW Derivate“ ins Leben, für den er auch heute noch hauptverantwortlich tätig ist. Für PLATOW betreut er zudem die wikifolios PLATOW Trend & Sentiment und PLATOW Trend & Sentiment 2.0 sowie das Dachwikifolio PLATOW Best Trader Selection. Daneben schreibt auch für das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen der wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. 

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