Basiswissen Charttechnik – Lernen Sie die Charts richtig zu lesen

Die technische Analyse ist für viele Anleger ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei gibt es zu kaum einem anderen Börsenthema so viel Informationsmaterial.

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Allein wenn man bei Amazon nach Büchern zur „Charttechnik“ sucht, erhält man 130 verschiedene Vorschläge. Persönlich habe ich zwar nicht alle, aber doch einige davon gelesen. Dazu noch zahlreiche Börsenseminare besucht. Am Ende des Tages war ich fast immer davon überzeugt, den Stein der Weisen gefunden zu haben´- was sich im praktischen Alltag dann jedoch regelmäßig als Trugschluss erwies.

Die Charts wirklich richtig zu lesen, habe ich erst relativ spät gelernt. Vermittelt hat mir das entscheidende Wissen Erdal Cene, ein über viele Jahre hinweg sehr erfolgreicher Händler an der Börse Frankfurt. Er hat mir gezeigt, wie der Berufshandel an der Börse agiert. Erst dadurch ist mir wirklich klar geworden, warum es an welchen Stellen des Charts zu bestimmten Bewegungen kommt. Eine nicht ganz unwichtige Erkenntnis, die weit über das Einzeichnen von Trendlinien, Trendkanälen, Unterstützungen, Widerständen oder diversen Chartmustern hinausgeht. Wer wirklich versteht, wie die Marktteilnehmer an der Börse ticken, hat auf Dauer größere Chancen, erfolgreich zu sein.

Von Progressionen und Regressionen

Als Grundlage für den Börsenhandel dienen die verschiedenen Trends, die aufwärts, abwärts oder seitwärts gerichtet sein können. Bei Auf- und Abwärtstrends kommt es immer zu einem Wechsel zwischen Progressionen (Kursbewegung in Trendrichtung) und Regressionen (Kursbewegung entgegen der Trendrichtung). Kennzeichnend für einen Aufwärtstrend ist, dass die im Zuge dieser Bewegungen entstehenden Hochs und Tiefs immer höher ausfallen als die vorausgegangenen. Beim Abwärtstrend hingegen liegen die Hoch- und Tiefpunkte der einzelnen Bewegungen immer unterhalb der davorliegenden Extrempunkte. Bildlich kann man sich das wie eine Treppe vorstellen. In den beiden folgenden Charts erkennt man, wie so etwas in der Praxis aussieht:

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Langfrist-Chart von SAP

SAP im Aufwärtstrend - der sich durch höhere Hochs und höhere Tiefs definiert.

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Langfrist-Chart der Deutschen Bank

Deutsche Bank im Abwärtstrend - der sich durch tiefere Hochs und tiefere Tiefs definiert.

Im Langfrist-Chart (eine Kerze zeigt die Kurse einer ganzen Woche an) von SAP sieht man einen schönen Aufwärtstrend (blau), der sich durch höhere Hochs und höhere Tiefs definiert. Als gebrochen gelten solche Trends erst dann, wenn das jüngste Tief eindeutig unterschritten wird. Bei SAP ist auf dieser Ebene also die Marke von 82 Euro ausschlaggebend.

Bei der Deutschen Bank hingegen ist der große Trend (blau) eindeutig abwärts gerichtet. Für eine echte Trendwende müsste der Aktienkurs hier über 18 Euro ausbrechen. Was man hier ebenfalls sehr schön sieht: Ein Chart beinhaltet fast immer mehrere Trendebenen. So entstehen die großen Bewegungen nach unten auch wieder durch ein Wechselspiel zwischen kleineren Progressionen und Regressionen, die hier in rot eingezeichnet sind. Dieser kleinere Abwärtstrend besteht wie gehabt aus tieferen Hochs und tieferen Tiefs. In dieser Form lässt sich nahezu jeder Chart in viele verschiedene Trendebenen aufteilen. Das geht bis runter zum Tick-Chart, wo jeder einzelne Börsenumsatz im Chart ersichtlich ist.

Viele Trends = viele Signale

Das Zusammenspiel der einzelnen Trendebenen zu verstehen und in Einklang mit seinem Handel zu bringen ist eine der schwierigsten Aufgaben, wenn man nach dieser Analyse-Methodik vorgehen möchte. Je mehr Trendebenen man sich ansieht, desto mehr Signale erhält man. Und recht häufig senden die verschiedenen Trends auch noch komplett widersprüchliche Signale, so dass man sich die Frage stellt, welchen Signalen man denn nun folgen soll. Tendenziell ist es dabei so, dass die Aussagekraft mit der Größe der Trendebene zunimmt. Warum? Einfach weil sich die finanzstarken Marktteilnehmer eher am Tages- oder Wochenchart orientieren als am 5-Minuten- oder Tick-Chart.

Tipps zur richtigen Vorgehensweise beim Börsenhandel:

  • Handeln Sie grundsätzlich nur in die Richtung, die von den größeren Trends vorgegeben wird

  • Handeln Sie nur dann, wenn die von Ihnen ausgewählten Trends einheitliche Signale aussenden

  • Suchen Sie dann auf den kleineren Trendebenen nach Setups für den Ein- und Ausstieg

Der Umgang mit den eigenen Emotionen

Natürlich können die Eckpfeiler dieser Trading-Strategie hier nur angerissen werden. Für die Anwendung im Handel muss man in die Materie noch sehr viel tiefer eintauchen und zudem jede Menge praktische Erfahrung sammeln. Neben dem theoretischen Wissen zum Trendaufbau und dem Zusammenspiel der verschiedenen Trendebenen müssen Anleger zum Beispiel auch den Umgang mit ihren eigenen Emotionen erlernen. Das ist oftmals der schwierigere Part an der Börse, weshalb auch die besten Bücher und Seminare nicht ausreichen, um am Markt dauerhaft erfolgreich zu sein.

In den kommenden Monaten werde ich anhand von praktischen Beispielen immer mal wieder aufzeigen, wie sich diese Analyse-Methodik im Handel sinnvoll einsetzen lässt und wie man so relativ einfach Trade-Möglichkeiten mit einem attraktiven Chance-Risiko-Profil aufspüren kann.


Disclaimer: Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte. Zuvor war er über fünf Jahre beim PLATOW Brief als Börsenredakteur tätig. Dort rief er Mitte 2004 den Newsletter „PLATOW Derivate“ ins Leben, für den er auch heute noch hauptverantwortlich tätig ist. Für PLATOW betreut er zudem die wikifolios PLATOW Trend & Sentiment und PLATOW Trend & Sentiment 2.0 sowie das Dachwikifolio PLATOW Best Trader Selection. Daneben schreibt auch für das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen der wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. 

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