28.04.2014| Von: Andreas Kern |

An der Börse grassiert das Übernahmefieber. Der US-Pharmakonzern Pfizer will den britischen Rivalen AstraZeneca übernehmen und für Teilbereiche des französischen Konzerns Alstom gibt es gleich zwei ernsthafte Kandidaten. Nachdem der Mischkonzern General Electric offiziell sein Interesse bekundet hat, ist nun auch Siemens in die Offensive gegangen. Während sich der Vorstand zu Wochenbeginn mit Vertretern der französischen Regierung trifft, haben Börsianer ihre ganz eigene Meinung zu einem möglichen Deal. Die Kursverluste bei Siemens treffen auch zahlreiche wikifolio-Trader. Viele sehen die aktuellen Schwankungen aber mit großer Gelassenheit.

Um 18 Uhr am heutigen Montag kommt es in Paris zu einem Gespräch zwischen Siemens-Boss Joe Kaeser und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme auf der einen sowie dem französischen Staatspräsidenten François Hollande und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg auf der anderen Seite. Dort dürften die Regierungsvertreter unseres Nachbarlandes ihr Interesse bekräftigen, dass Alstom den Deal möglichst mit Siemens und nicht mit den Amerikanern abschließt. Die Münchener ihrerseits würden ganz gerne die Energiesparte der Franzosen übernehmen und dafür Alstom im Tausch ihre Transportgeschäfte überlassen.

10 Aktien mit der höchsten Buy-Quote (23.04.-28.04.2014)

Siemens

Basis: alle wikifolios

Nachdem sich viele Analysten in ersten Reaktionen skeptisch zu einem solchen Geschäft geäußert hatten, kommen heute Morgen von der Citigroup auch mal positive Kommentare. Ein solcher Ringtausch hätte nach Ansicht der Strategen „großes Synergiepotenzial“ und könnte das Siemens-Ergebnis im kommenden Jahr um mindestens acht bis zehn Prozent verbessern. Zudem würde Siemens dadurch zur weltweiten Nummer eins im Energiesektor aufsteigen und General Electric überholen. Sowohl beim Gasgeschäft als auch bei Kraftwerken und erneuerbaren Energien könnte der Konzern seine Marktanteile zum Teil deutlich ausweiten.

Die Aktie reagierte auf das Vorpreschen des Vorstands nach der GE-Offerte dennoch erst einmal negativ und verlor an Boden. Auch am Montag setzte sich dieser Trend trotz eines recht freundlichen Gesamtmarktes fort. Doch die Stimmung kann sich an der Börse bekanntlich schnell drehen. Deshalb legt der nach eigenen Angaben auf 25 Jahre aktive Börsenerfahrung zurückblickende wikifolio-Trader Wolfgang Vahldiek („Dachs88“) auf solche Meldungen auch keinen besonderen Wert. Stattdessen wählt er die Aktien für sein wikifolio [„3 Trümpfe (KGV, Dividende, Volatilität)“][2] auch nach klaren Regeln aus. Konkret setzt auf Titel, die sich durch eine niedrige Bewertung am Maßstab des KGVs der fünf vergangenen Jahre, eine hohe Dividendenrendite sowie eine geringe Volatilität (anhand der einjährigen Optionspreise) im Vergleich zu anderen Aktien auszeichnen. Bei Siemens sind diese Kriterien zurzeit wohl allesamt erfüllt. Die im Laufe der Zeit sukzessiv aufgebauten und immer mal wieder reduzierten Bestände in der Aktie wurden Mitte April deutlich aufgestockt, was er mit einem trockenen „Siemens - bei 92 will sie keiner haben, bei 99 sagen alle: Das sieht gut aus! Wieder mal zeigt sich: es helfen nur klare Kriterien für Einstieg und Ausstieg“ kommentierte.

Die stark regelbasierte und damit relativ emotionslose Vorgehensweise hat sich bislang ausgezahlt. Seit Start des wikifolios im März 2013 gelang dem Trader ein Plus von knapp 30 Prozent. Ebenso wie das kurz danach aufgelegte Zertifikat (ISIN: DE000LS9AUJ4) notiert das wikifolio aktuell nur knapp unter dem bisherigen Allzeithoch.

Alle investierbaren wikifolios mit Siemens im Depot.