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30.11.2017| Von: Robert Wanner |

Erfahren Sie, wie Stop-Limit-Orders genau funktionieren

Bereits seit November 2014 haben unsere Trader die Möglichkeit, sogenannte Stop-Limit-Orders zu platzieren. Ohne Zweifel sind mit dieser Ordervariante erhebliche Vorteile verbunden. Dennoch sollte der Einsatz in der Praxis wohlüberlegt sein. Um Missverständnissen und Frustration vorzubeugen, wollen wir anhand einiger Beispiele aus der Praxis aufzeigen, welche Folgen der Einsatz von Stop-Limit-Orders im Einzelfall – und nicht nur auf wikifolio.com – haben kann. Denn nicht immer wird das Ergebnis nach Ausführung der Order so sein, wie sich der Trader das im Vorfeld vielleicht ausgemalt hat.

Wichtig ist im ersten Schritt aber natürlich, die Funktionsweise der verschiedenen Ordertypen bis ins Detail zu kennen und auch zu verstehen. Nicht wenige Anleger gehen davon aus, dass eine Stop-Limit-Order immer genau dann und sofort ausgeführt wird, sobald das Stop-Limit erreicht ist. Das ist aber nicht richtig!

 

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Stop-Limit-Order im Detail

Eine Stop-Limit-Order weist zwei Preis-Limits auf: Das Stop-Limit und das eigentliche Limit. Erst wenn ein Kurs erreicht wird, der über (bei einer Kauforder) bzw. unter (bei einer Verkaufsorder) dem Stop-Limit liegt, wird die eigentliche Order aktiviert und somit zu einer "normalen" Limit-Order. Die Ausführung erfolgt zum nächsten gehandelten Kurs, sofern dieser nicht über (Kauforder) bzw. unter dem Limit (Verkaufsorder) liegt. Ein kleiner, aber feiner Unterschied im Ablauf, der in der Praxis von erheblicher Bedeutung für den Trader sein kann.

 

Stop-Limit-Orders einfach erklärt

 

Der Stop-Limit-Kauf

Wer eine Aktie etwa erst dann kaufen will, wenn diese eine bestimmte Kursmarke überschritten hat, greift zur Stop-Limit-Kauf-Order. In der Praxis hat das auf wikifolio.com zur Folge, dass der Kaufauftrag aktiv wird, wenn die Stop-Limit-Marke erreicht oder überschritten ist. Zusätzlich zu der Stop-Limit-Marke muss dann festgelegt werden, welchen Preis der Trader für die Aktie maximal bezahlen will (das Limit).

Nach Erreichen der Stop-Limit-Marke wird der Auftrag zu einer Limit-Order. Das hat den großen Vorteil, dass der Trader gerade im Falle der bei Aktien (etwa nach Quartalszahlen) öfters vorkommenden Aufwärts-Gaps (der Eröffnungskurs liegt über dem Schlusskurs des Vortages) nicht viel teurer einsteigt als dies geplant war. Auf der anderen Seite läuft man bei dieser Variante aber Gefahr, durch einen zu geringen Abstand zwischen dem Stop-Limit und dem zusätzlichen Limit den Einstieg zu verpassen.

Ein Beispiel (siehe auch Grafik oben): Der Trader möchte eine Aktie erst dann kaufen, wenn die Marke von 100 Euro erreicht oder überwunden wird. Mehr als 101 Euro will er aber nicht bezahlen. Dementsprechend platziert er eine Stop-Limit-Kauf-Order mit den angegebenen Werten. Wenn die Aktie danach auf oder über 100 Euro steigt, wird seine Order aktiviert und er hat ab diesem Zeitpunkt eine ganz normale Kauforder mit einem Limit von 101 Euro platziert. Nun kann es aber passieren, dass ein Kauf zu diesem Kursniveau nicht mehr möglich ist, weil der Ask-Kurs bereits über 101 Euro liegt. Wenn die Aktie in der Folge dann weiter steigt, hat der Trader den eigentlich gut geplanten Einstieg verpasst.

Der Stop-Limit-Verkauf

Der umgekehrte Fall kann noch ungünstigere Folgen haben. Im Sinne eines professionellen Risikomanagements sollten Trader ihre Positionen mit einem Stoppkurs absichern, um (zu) hohe Verluste zu vermeiden oder auch um Gewinne mitzunehmen. 

Gerade bei sehr illiquiden Werten birgt eine Stop-Limit-Order gewisse Risiken, die man als Trader kennen sollte. Nicht selten werden solche Orders nämlich an Kursmarken platziert, die von mehreren Marktteilnehmern als charttechnische Unterstützung wahrgenommen werden. Die Überlegung "Wenn die Aktie darunter fällt, drohen weitere Kursabschläge. Deshalb gehe ich da vorsichtshalber raus" ist nachvollziehbar. Wenn aber sehr viele Trader so denken und handeln, dann liegen beim Erreichen oder Unterschreiten dieses Stop-Limits (in der Beispielgrafik bei einem Kurs von 93) plötzlich zahlreiche Verkaufsorders im Markt, denen auf diesem Niveau vor allem bei wenig liquiden Werten keine oder nur wenige Kauforders gegenüberstehen. Das kann dann zur Folge haben, dass die nächste Kursfeststellung zum einen mit einer zeitlichen Verzögerung und zum anderen zu einem ggf. deutlich unter dem Limit (bei 92) liegenden Niveau erfolgt, weil sich erst da wieder ausreichend Käufer gefunden haben.

Wenn bei einer Stop-Limit-Verkauf-Order das Limit dann also über dem Bid-Kurs der Aktie liegt und die Order deshalb nicht ausgeführt werden kann, hat der Trader die Position weiterhin in seinem wikifolio, obwohl er ja eigentlich auf oder unter dem Stop-Limit verkaufen wollte. Eine Ausführung ist in diesem Fall also nicht garantiert!

Fazit: "Plan B"

Eine Pauschalaussage, wann Stop-Limit-Orders in der Praxis sinnvoll sind, kann allgemein nicht getroffen werden. Trader sollten sich im Vorfeld immer genau überlegen, was sie konkret wollen und mit welchem Ordertyp sich das am ehesten umsetzen lässt. Für den Fall, dass das Ergebnis dann nicht wie erhofft ausfällt – zum Beispiel wenn die nach Erreichen des Stop-Limits aktivierte Limit-Order wegen eines zu hohen (Kauf) oder zu niedrigen (bei Verkauf) Kurses nicht ausgeführt werden kann – bietet es sich an, schon im Vorfeld eine Art "Notfallplan" in der Schublade zu haben, der dann sofort herausgeholt und umgesetzt werden kann. Gerade bei nicht so liquiden Werten oder in Zeiten, wo eher weniger Marktteilnehmer unterwegs sind (zum Beispiel am Wochenende), sollten Trader mit Stop-Limits sehr vorsichtig sein. Das gilt vor allem dann, wenn von Seiten des Traders mit vergleichsweise hohem Volumen gearbeitet wird.