Aktien sind nur ein Werkzeug zu etwas Größerem

Philipp Haas ist wikifolio-Trader, Blogger und YouTuber. Er bringt neben viel Aktienmarkt-Erfahrung und einer Reihe an unterschiedlichen Strategien auch noch das vielleicht Wichtigste für die Aufgabe mit: Begeisterung. Das Beste, wenn es um die Geldanlage in Aktien geht: Soviel kann man laut Haas gar nicht falsch machen.

Herr Haas, wenn man Ihr Traderprofil auf wikifolio.com studiert, kommt man zu dem Schluss, dass Sie mit Leib und Seele Aktionär sind. Könnte man das so formulieren?

Philipp Haas ( investresearch ): Definitiv! Wobei ich das noch weiter fassen und mich als Investor sehen würde. Auch ist es mir ein Anliegen, dass mehr Menschen ihr Geld besser und eigenständiger anlegen, um langfristig die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.

Seit Juni 2012 sind Sie auf wikifolio.com vertreten – mittlerweile auch mit mehreren wikifolios. Daneben betreiben Sie einen eigenen Blog und erstellen Aktienanalysen auf YouTube. Alles in allem ein Vollzeitjob?

Ja und nein. Ich investiere außerdem in Immobilien, verwalte sie und bin als freiberuflicher Analyst tätig. Die Analyse von Aktien nimmt aber einen guten Anteil meiner Zeit ein. Ein weiterer Vollzeitjob sind aber auch unsere gerade neugeborenen Zwillinge, was auch einer der Gründe war, einen unflexiblen Angestelltenjob zu kündigen.

Sie waren zwischenzeitlich als Fondsmanager tätig. Welche Vor- oder auch Nachteile genießen Sie als Trader nach Ihrer persönlichen Erfahrung gegenüber einer Tätigkeit in der Fondsindustrie? 

Zu den Vorteilen gehören sicherlich die größeren Freiheiten. Man kann deutlich konzentriertere Portfolios bauen und ist nur den Investoren, zu denen man selbst gehört, Rechenschaft schuldig und nicht den Kollegen oder Vorgesetzten. Außerdem kann man als wikifolio-Trader die Strategien bauen und verwalten, die zu einem passen. Der Investmenthorizont kann dadurch länger sein und man kann sich auch bei kleineren Werten besser engagieren. Zu guter Letzt kann man offener kommunizieren, warum man etwas macht. Und ein Anleger kann sich durch offene Kommunikation auch besser selbst eine Meinung bilden.

Nebenwerte Europa vs CDAX

Philipp Haas konnte mit seinem breit gestreuten wikifolio Nebenwerte Europa eine bisherige Performance von über 140 Prozent erzielen - deutliche mehr als so manche Benchmark.

In ihrem wikifolio Nebenwerte Europa sind sie schwerpunktmäßig in Small Caps aus Deutschland, Österreich und der Schweiz engagiert, die nach der investresearch Aktienbewertungsmethode ausgewählt werden. Was kann man sich darunter vorstellen?

Anhand von 16 Kriterien wie Produktqualität, Marktgröße, Gewinnwachstum und Unternehmenskultur bilde ich eine Durchschnittsnote von 1 bis 10 und leite daraus ein faires KGV ab. Wenn ein Unternehmen demnach überdurchschnittlich attraktiv ist, kann es in das wikifolio aufgenommen werden. Wenn es unterbewertet ist, kann es höher als ein Prozent gewichtet werden. Noch höhere Gewichtungen gibt es bei langfristig positivem Momentum und einem speziellen Investment Case. Frei nach Soros Reflexivitätstheorie spekuliere ich auf ein Ereignis, das meiner Meinung nach noch nicht im Kurs enthalten ist.

Sind Sie mit der Entwicklung des wikifolios zufrieden?

Insgesamt natürlich ja, aber das muss ich ja auch sagen. (Lacht.) In letzter Zeit war das zusätzliche politische Risiko, wie etwa durch die Handelsstreitigkeiten, allerdings schon nervig. Ich schaue ja vor allem auf Aktien und habe dies bisher möglichst ausgeblendet. Aus dieser „Lesson Learned“, habe ich aber auch ein neues kleines Modell entwickelt, die investresearch MakroMatrix, die ich in meinem wöchentlichen Newsletter update und die vor Crashs und zu hohen Ländergewichtungen besser warnen soll.

Für ein gutes Ergebnis bei der Geldanlage muss man nicht mehr Zeit investieren als für den Kauf eines Autos.

Philipp Haas
investresearch

Finanzielle Unabhängigkeit nicht nur für sich selbst sondern auch für andere ist Ihnen ein großes Anliegen. Es besteht aber weiterhin eine große Hemmschwelle gegenüber Aktien. Woran liegt das?

Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Es beginnt mit dem Elternhaus und der Schule. Wenn Aktien dort immer negativ belegt sind oder keiner Ahnung hat, bedarf es aktiver Anstrengung, das zu durchbrechen. Die Finanzbildung in Deutschland ist generell relativ niedrig. Viele Leute kommen mit Aktien gar nicht in Kontakt. Das liegt auch an unserem schlechten Rentensystem, wo keine Assets aufgebaut werden und wir stattdessen abhängig von neuen Beitragszahlern sind. Wünschenswert wäre hier ein steuerbefreites Konto, auf dem Aktiengewinne und Dividenden nicht sofort sondern erst mit Renteneintritt besteuert werden. Was helfen würde, wäre wie angedeutet mehr Finanz- bzw. Aktienbildung. Ich versuche hier auf YouTube mit meinem Kanal einen Beitrag zu leisten. 

Mehr Infos zu Philipp Haas aka investresearch auf seinem Blog investresearch.net oder seinem YouTube-Kanal investresearch AktienBildung.

Sie haben außerdem ein EBook geschrieben mit dem Titel „Warum Investieren so wichtig ist“. Wie würden Sie jemandem die Aktie in zwei Sätzen schmackhaft machen?

Angelehnt an Antoine de Saint-Exupery soll man beim Schiffbau nicht exakte Vorgaben machen, sondern sie die Sehnsucht nach dem Meer lehren. Aktien sollen für diejenigen, die nicht die Leidenschaft dazu gepackt hat, nur ein Werkzeug zu etwas Größerem sein und das sollte die finanzielle Unabhängigkeit für ein selbstbestimmteres und glücklicheres Leben sein.

Mangelndes Wissen und als Folge die Angst vor Verlusten sind sicherlich Gründe dafür, dass viele Menschen sich nicht an den Aktienmarkt heranwagen. Wie versuchen Sie in Ihren wikifolios zwischenzeitliche Verluste so gering wie möglich zu halten?

Das versuche ich einerseits durch eine relativ breite Diversifikation, wobei Aktien auch immer mehr miteinander korrelieren. In den wikifolios It´s the brand stupid! und Nebenwerte Europa hat das denke ich sehr gut geklappt, bei den offensiveren wikifolios gehören größere Schwankungen leider dazu. In Zukunft soll die investresearch MakroMatrix auch dabei helfen, Risiken zu erkennen und dann auch eine größere Cashquote zu haben.

Welche Ratschläge würden sie einem Börsen-Einsteiger mit auf den Weg geben?

Früh anfangen, am besten mit einer monatlichen Überweisung auf ein Investmentkonto. Soviel kann man nicht falsch machen, denn gerade bei großen Werten ist der Markt schon recht effizient. Außerdem sollte man sich die Grundlagen aneignen und sich über die Aktie bzw. Geldanlage allgemein informieren. Für ein gutes Ergebnis muss man nicht mehr Zeit investieren als für den Kauf eines Autos, es kann aber einen Effekt haben, der zu größerem Einkommen führt als das Arbeitseinkommen.

Herr Haas, danke für das Gespräch!

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Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf www.wikifolio.com, www.ls-tc.de und www.ls-d.ch hingewiesen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden.