02.03.2015| Von: Robert Wanner |

In unserer aktuellen Ausgabe begrüßen wir Sönke Burkert bei uns im Traders Talk.

Als "Weltgeldtag" setzt er seine Handelsstrategie auf wikifolio.com

Nachfolgend erzählt uns Burkert, unter anderem, wie er zum Traden gekommen ist und welche "Börsenlektüre" er empfehlen kann.

Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Sönke Burkert

alt text

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Weltgeldtag

Was sind Sie von Beruf?

Ich habe vor sechs Jahren eine Werbeagentur gegründet, die ich vor vier Monaten an einen Nachfolger übergeben habe. Aktuell bin ich Geschäftsführer der Hilfswerft GmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die Gründer im sozialen Sektor ausbildet und unterstützt. Daneben betreibe ich zwei Blogs, einer davon heißt auch wie das wikifolio www.weltgeltag.de

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Ich bin klassisch zur Zeit des neuen Marktes groß geworden – eine wirklich aufregende und wilde Zeit (die ich, um ehrlich zu sein, bis heute noch ein wenig vermisse). So habe ich im Alter von 16 Jahren bereits zu handeln begonnen. Zumal diese Jahre simpler waren: Alles zeichnen, was nicht bei drei auf dem Baum ist und wenn man Glück hatte und bei einer Emission Aktien zugeteilt bekam, konnte man seinen neuen Wert am ersten Tag verdoppeln sehen. Das war Gründerzeit. Seitdem gibt es kaum einen Tag, an dem ich nicht zumindest einen kurzen Blick auf Börsennachrichten werfe – seitdem bin ich angefixt.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Morgens schaue ich zuerst einmal DAX, DOW, Nasdaq und BUND Future im Tageschart an, um einen Überblick zu bekommen, wohin das Geld gerade fließt. in welchen Bahnen die Indizes laufen und welche Marken ich ggf. im Blick behalten sollte – dabei beachte ich zudem besonders das Handelsvolumen, um sich verstärkende Trends oder eine Trendumkehr frühzeitig erkennen zu können.

Anschließend klicke ich mich durch mein Chartbuch bei Tradesignal. Dort habe ich derzeit ca. 60 Werte aufgenommen, die für mich für ein Investment infrage kommen können - hier wird dann ebenfalls analysiert: Können sich heute bei einzelnen Werten Ein- oder Ausstiegskurse ergeben.

Am Vormittag entscheide ich grundsätzlich anhand der morgens analysierten Daten, ob dieser Tag relevant sein kann und setze meine Analysen ggf. in Handel um.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Nur ein Aktives und es wird auch immer nur eines bleiben. Ich glaube, dass ein Investor nur einen einzigen Stil nachhaltig erfolgreich handeln kann, nämlich den, der zu ihm perfekt passt. Zu seinem Investmenthorizont, seiner Risikoneigung und seinem emotionalen Setup. Ich selber würde mich zu Tode langweilen, wenn ich ein Bond Portfolio zusammenstellen müsste, welches quasi risikolos am Jahresende drei Prozent Rendite abwirft, gleichzeitig passt ein High-Risk Portfolio, bei dem ich 20% in wenigen Stunden verlieren kann absolut nicht zu meinem Werteverständnis. Daher habe ich nur ein ausgewogenes Portfolio, welches primär auf weltweit allokierte Aktien setzt, die nachhaltig gutes Geld verdienen oder sich technische Marktdominanz erarbeitet haben.

Ich bin bereits „Real-Money“ Trader. Das wurde ich direkt nach Emission, weil ich selber auch in kein Wikifolio investieren würde, dem der Händler selbst nicht auch in einem Mindestmaß vertraut.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es viele, die von meiner Leidenschaft für Geldanlage in Aktien wissen – ich wurde also häufig nach „heißen Tipps“ gefragt. Damit war ich immer sehr vorsichtig, weil eine Aktie, die zu meinem Anlagestil passt eben nicht automatisch auch bei einem anderen Anleger mit ganz anderen Zielen und einem ganz anderem Anlagehorizont passt. Mit meinem wikifolio wollte ich diesen Leuten eigentlich nur einen virtuellen Zugang zu meinem Depot verschaffen, sodass sie Inspiration zu ihrer eigenen Geldanlage bekommen. Dass das in so kurzer zum wikifolio der Woche führt und über eine viertel Million Euro Anlagegelder nach sich zieht war so nicht geplant, freut mich aber umso mehr und spornt mich noch mehr an.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Ich habe das in der wikifolio Beschreibung recht detailliert beschrieben.

Kurz: das wikifolio hat drei Bestandteile für die Performance.

1. Investments: Langfristige Anlagen, die nur selten aus dem Depot genommen und meist kurz danach auch wieder aufgenommen werden.

2. Trading Investments – Anlagen, die in der Regel aufgrund charttechnischer Signale gekauft werden. Zum Beispiel Kauf am unteren Ende eines Aufwärtskanals und Verkauf am oberen Ende des Kanals.

3. Trades: Sehr kurzfristige Anlagen, bei denen ich versuche temporäre Marktungleichgewichte für Gewinne zu nutzen.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

40% Gewinn in vier Monaten bei nie mehr als achteinhalb Prozent Risiko – klar bin ich damit sehr zufrieden. Aber es kann natürlich auch immer noch performanter sind, gerade im letzten Monat war ich zu vorsichtig – aber dieser Hunger nach weiteren Steigerungen ist per se ja gut, weil er einen zu weiteren Bestleistungen antreibt.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

Ich habe die EUR/USD Schwäche recht frühzeitig geahnt und auch konsequent im letzten Jahr danach gehandelt. Auch in meinem Wikifolio - insbesondere dadurch, dass USD Werte fast immer dominant waren.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2015?

Hier kann man eigentlich nur seine Finger verbrennen – aber ausweichen zählt hier wohl nicht. Grundsätzlich gilt abseits der Möglichkeit eines schwarzen Schwans (Pleite eines Staates, einer Großbank oder ein offener Währungskrieg): Die Aktienmärkte können weiter steigen. Erst in den letzten Wochen vernimmt man wieder die ersten Stammtischgespräche bei Menschen, die normalerweise keine typischen Aktienanleger sind – sie erzählen von ihren Gewinnen. Jetzt kommt noch einmal Bewegung in Anlagen, denn keiner möchte am Jahresende 2015 wieder der Festgelddepp mit unter einem Prozent Rendite sein, auch Immobilien bringen auf dem derzeitigen Preisniveau quasi keine Rendite mehr – der Mark hat also noch Platz für mindestens einen ordentlichen Schub.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

In meinem Blog habe zur Philosophie etwas mehr geschrieben aber grundsätzlich gilt für mich gestern wie heute wir morgen: Aktien Aktien Aktien (Regional kann Lateinamerika in den nächsten Jahren besonders spannend werden)

Immobilien: Absurd hohe Preise und die meisten Renditerechner, die man dazu findet taugen überhaupt nichts, weil sie gerne mehrere Kostenfaktoren unter den Tisch fallen lassen.

Edelmetalle: Entweder a) wir bekommen einen Superkrise, dann werden die Edelmetalle staatlich wieder eingesammelt (wie in nahezu jeder Superkrise) und man macht wahrscheinlich keinen Gewinn oder b) wir bekommen keine Superkrise, dann ist die Rendite negativ, erst Recht weil laufende Erträge fehlen.

Währungen: Ist für mich Roulette, der Franken liefert hier ein sehr aktuelles Beispiel.

Tagesgeld, Festgeld, Anleihen: Machen alles – nur keinen Spaß.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Ich mag gerade sehr den Gedanken in die Schaufelhersteller zum Goldrausch bei der Elektromobilität zu investieren. Damit meine ich ausdrücklich nicht Tesla, sondern beispielsweise SQM (Sociedad Quimica y Minera) aus Chile, die sich auch in meinem Wikifolio befinden und Albemarle aus den USA, die beide ganz vorne in der Wertschöpfungskette der Branche ihre Produkte verkaufen.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Für mich ist es schwer die Lektionen in Härtegrade zu unterteilen. Am meisten vorangebracht hat mich sicherlich zu lernen, wie bilanziert wird und wie man Bilanzen liest. Vorher war ich zu sehr auf das Schönsprech der Ad-hoc Mitteilungen angewiesen und konnte nicht wirklich qualifiziert deren Gehalt bewerten.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Einige Aktien von Unternehmen zu kaufen, dessen Produkte man selber gerne kauft und liebt kann ein sehr guter Einstieg sein. Und natürlich aufbauend auf die vorige Frage: Sehr früh zu lernen, wie man Kennzahlen und Bilanzen liest, um sich einen mehr oder weniger neutralen Überblick über ein Unternehmen schaffen zu könne. Ist für viele zwar kein besonders aufregendes Thema – aber auch hier gibt es mit zum Beispiel mit einem Buch wie „So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen“ kurzweilige Lektüre.

Grundsätzlich würde ich nicht zu viel Zeit mit Musterdepots und Papertrading verwenden, lieber schnell mit echtem Geld und kleinen Einsätzen starten. Denn erst wenn es um echtes Geld geht, kann man sein eigenes Handeln mit Gewinnen und Verlusten reflektieren und wirklich anfangen aus (noch günstigen) Fehlern zu lernen und besser zu werden.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Ich glaube Tradern (im Sinne von sehr kurzfristiger Anlage) kann ich gar keine Bücher empfehlen. Sie müssen wohl oder übel unter hohen Schmerzen mit Bausteinen aus vielen Werken und Austausch unter Gleichgesinnten ihren eigenen profitablen Handelsstil entwickeln. Und um es vorweg zu nehmen: Das gelingt auch nach Jahren harter Arbeit nur sehr wenigen.

Bei Einsteigern ist das anders. In den 16 Jahren, die ich mich jetzt mit der Börse beschäftige, haben sich über 70 Büchern zu dem Thema in meinem Regal angesammelt. Empfehlen kann ich Neulingen grundsätzlich zwei Werke:

Cashkurs von Dirk Müller – Bringt einen guten Überblick über den Umgang mit Geld und nahezu alle Möglichkeiten der Geldanlage. Cashkurs wäre auch als Schulbuch zu dem Thema geeignet, nur die Seiten über Gold und Silber würde ich vorher lieber herausreißen (Sorry lieber Dirk).

Guerilla Investing von Peter Siris (ich weiß, der Titel klingt sehr reißerisch und lässt nichts Gutes ahnen aber der Inhalt ist umso besser) – Beschreibt konkret für die Zielgruppe Privatanleger, welche Vorteile man gegenüber professionellen Anlegern dauerhaft hat und wie man diese nutzt.