25.03.2013| Von: Florian Hiller |

Im zweiten Traders-Talk in 2013 haben wir mit Andrea Goletz gesprochen. Andrea Goletz ist als oeconomix auf wikifolio aktiv und setzt seit Mai 2012 Ihre Handelsstrategie im wikifolio Deutschlands größte Familienunternehmen um. Andrea Goletz besitzt allerdings noch weitere investierbare wikifolios!

Allgemein:

Wie heißen Sie?

Andrea Goletz

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut. Es ist Wochenende. Ich genieße die arbeitsfreie Zeit.

Wie spät ist es?

9:00 Uhr

Wie ist das Wetter?

Kalt und trocken. Ein Blick aus dem Fenster meines häuslichen Arbeitszimmers lässt vermuten, dass die Sonne später noch scheinen könnte. Einem Spaziergang zum Wochenmarkt zur Mittagszeit steht nichts im Wege.

Wo sind Sie gerade?

Ich sitze an meinem Schreibtisch, um die Trader-Fragen zu beantworten.

Was sind Sie von Beruf?

Ökonomin

Der Trader:

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Durch mein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der FernUniversität Hagen. Das Thema meiner Diplomarbeit lautete: „Zulässigkeit und Grenzen der sogenannten Aktionärsklage“.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Ich lese zuerst meine Tageszeitung. Sie hat einen ausreichenden Wirtschaftsteil, um mir einen Überblick verschaffen zu können. Später beschäftige ich mich mit dem Handelsblatt. Diese beiden Zeitungen sind die Grundlagen für meine Überlegungen, ob und gegebenenfalls welche Transaktionen ich vornehmen werde. Zu berücksichtigen habe ich allerdings, dass meine Handelsaktivitäten aus beruflichen Gründen wochentags in der Regel frühestens am späten Nachmittag stattfinden können.

Zu diesem Zeitpunkt liegt bereits der von mir kostenlos abonnierte Newsletter der boerse.ARD.de in meiner Mailbox vor. Er enthält unter anderem die wichtigsten Marktdaten und die von mir ausgewählten Top-Flop-Listen. Zusätzlich werde ich über auffällige Kursbewegungen meiner in einem virtuellen Depot gehaltenen Werte informiert. Ein letzter Check. Danach wird entweder nichts veranlasst oder die angedachten Transaktionen werden vollständig oder teilweise ausgeführt. Das war’s.

Warum haben Sie sich für wikifolio.com entschieden?

Wikifolio ist ein transparentes Produkt. Jeder Trade ist nachvollziehbar. Es ermöglicht noch nicht so erfahrenen AnlegerInnen, von erfahrenen TraderInnen zu lernen. Auch ich mit einer Börsenerfahrung von mehr als 25 Jahren lerne immer wieder noch etwas dazu. Schön, dass es wikifolio.com gibt.

Nicht nur aus den Diskussionen in meiner eigenen Familie über die zukünftige private Altersvorsorge weiß ich, dass junge Erwachsene weder der Höhe nach noch hinsichtlich der Anlagedauer über ausreichendes Mindestkapital für die Anlage in Einzelwerte verfügen. Wikifolios ermöglichen ihnen bei Interesse einen preisgünstigen Einstieg in den Aktienmarkt.

Darüber hinaus überzeugen mich die „Kooperationspartner von höchster Qualität“ und die Professionalität der MitarbeiterInnen der wikifolio Financial Technologies GmbH.

Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Ich bin keine „Real-Money“-Traderin. Dies macht mich unabhängig von meinen persönlich getroffe-nen Transaktionsentscheidungen. Allerdings sind alle Einzelwerte meines eigenen Depots verstreut in meinen sieben investierbaren oder publizierten wikifolios enthalten. Damit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich habe meine eigenen Werte immer im Blick, wenn ich mich mit meinen wikifolios beschäftige.

360 Tage Fazit:

Sind Sie mit der bisher in Ihrem wikifolio erzielten Performance zufrieden?

Mit der Performance von 23,86 Prozent seit dem Erstellungsdatum am 03.05.2012 bin ich sehr zu-frieden. Meine jährliche Zielgröße von durchschnittlich zehn Prozent wird nicht unerheblich über-schritten. Ein gutes Polster. Die Börse ist keine Einbahnstraße. Mit Rückschlägen ist jederzeit zu rechnen.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2013?

Der Dax kletterte in der letzten Woche erstmals seit 2007 über 8.000 Punkte. Ich bin optimistisch, dass der deutsche Leitindex seine bisherige Bestmarke von 8.151 Punkten überschreiten wird. Einerseits sprechen das billige Geld der Notenbanken und die daraus resultierende Alternativlosigkeit von Aktien für ein gutes Börsenjahr. Lohnabschlüsse einschließlich eines moderaten Zuschlages zum Inflationsausgleich werden die Binnennachfrage erhöhen und somit die Konjunktur stützen. Andererseits ist die Staatsschuldenkrise noch nicht vorüber. Auch könnte sich das Ergebnis der Wahl zum 18. Deutschen Bundestag am 22.09.2013 kurzfristig auf die Börsenentwicklung auswirken. Ich erwarte den Dax zum Jahresende innerhalb einer Schwankungsbreite von 7.600 bis 8.200 Punkten.

Welcher war Ihr bester Trade innerhalb der letzten 360 Tage?

An der Börse getroffene Entscheidungen können nicht rückgängig gemacht werden. Ich beschäftige mich daher nicht mit der Vergangenheit, sondern konzentriere mich auf die Zukunft. Erreiche ich meine jährliche Zielgröße von durchschnittlich zehn Prozent, war jeder Trade der beste Trade, unabhängig davon, ob ein Gewinn mitgenommen oder ein Verlust begrenzt wurde.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes verläuft nicht gradlinig, sondern in Wellen. Dabei ist zu beobachten, dass nicht jedes Unternehmen in gleichem Maße und zum gleichen Zeitpunkt von gesamtwirtschaftlichen Auf- und Abschwungphasen betroffen ist. Entscheidend ist hierbei, in welchem Wirtschaftszweig ein Unternehmen tätig ist.

Gesellschaften, deren Geschäftsentwicklung sehr stark von den regelmäßig auftretenden Wellenbewegungen der Konjunktur beeinflusst wird, werden als Zykliker bezeichnet. Dazu zählen zum Beispiel Automobilwerte. Die ökonomischen Gründe dafür liegen auf der Hand. In guten Zeiten werden Autos gekauft, in schlechten Zeiten wird der Autokauf um ein oder zwei Jahre verschoben. Konsequenz: Der Automobilabsatz bricht ein. Dieses einfache Beispiel zeigt auch, dass die Branchen nicht nur in unterschiedlichem Maße, sondern auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten von Konjunkturschwankungen betroffen sind. Das Gegenteil der Zykliker sind Gesellschaften, deren Geschäftsentwicklung kaum von Konjunkturschwankungen beeinflusst wird. Ein klassischer Vertreter dafür ist die Pharmabranche. Medikamente werden permanent benötigt. Andere Bereiche, die ebenfalls als defensiv gelten, sind Nahrungs- und Genussmittelunternehmen und Energieversorger.

AnlegerInnen sollten sich bei der Auswahl ihrer Werte an den Branchen und deren Konjunkturverhalten orientieren. Langfristig und mit einem zeitlichen Vorlauf von sechs bis zwölf Monaten reflektiert nämlich auch die Aktienkursentwicklung eines Unternehmens konjunkturelle Schwankungen. Eine Verteilung des Depots auf viele verschiedene Branchen verhindert, dass sich alle Einzelwerte im Gleichschritt entwickeln, das heißt, dass deren Kurse je nach Konjunkturphase in etwa zum gleichen Zeitpunkt steigen, um dann wieder zu fallen. Fazit: Dem richtigen Branchenmix kommt also bei der Aktienanlage enorme Bedeutung zu. Er ist auf Dauer ausschlaggebend für den Anlageerfolg.

Konjunkturphase

(Quelle: Lutter, Thomas: Handbuch Wertpapiere: Vermögensbildung mit Aktien, Anleihen, Fonds & Co., Berlin 2002, S. 183 – 185)

Welche Aktien favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Ich bevorzuge konjunkturunabhängige Werte des Dow Jones Global Titans 50. Auch solche Werte können sich einer allgemeinen Schwäche an der Börse nicht immer entziehen. Sie erholen sich meist schneller von einem Rückschlag als konjunkturabhängige Werte. In schlechten Zeiten trösten kontinuierliche Dividendenausschüttungen über vorübergehende Kursverluste hinweg. Je länger die Haltedauer ist, desto eher besteht die Chance, mehr Dividenden erhalten als für den Aktienerwerb finanziell investiert zu haben.

Erfahrungen:

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Der Zusammenbruch des Neuen Marktes. Ich musste lernen, dass Handelsaktivitäten in diesem Segment mit meiner beruflichen Tätigkeit nicht vereinbar sind. Ich habe zwar einerseits gut verdient, konnte jedoch nicht schnell genug reagieren als es rapide bergab ging. Insgesamt von einem Verlust verschont geblieben, war dieses Lehrgeld Anlass genug für mich, meine Anlagestrategie grundlegend in Frage zu stellen.

Dies bedeutete nicht nur, meinen Anlagezeitraum zu überdenken, sondern auch meine Lebensum-stände zu berücksichtigen. Die Konsequenz war, grundsätzlich nur noch Werte zu kaufen, die ich mir zehn Jahre lang in meinem Depot vorstellen kann. Damit habe ich seitdem gute Erfahrungen gemacht. Das was bisher jährlich netto übrig blieb hat mir schon einige Annehmlichkeiten ermöglicht. So soll es möglichst auch in der Zukunft weitergehen.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Jeder muss die für sich passende Anlagestrategie selber finden. Ratschläge dazu kann und möchte ich nicht erteilen. Lehrgeld gehört dazu. Ich habe aus meinen Fehlern immer mehr gelernt als von meinen Erfolgen. Erfolge habe ich nämlich nie hinterfragt.

Für einen Start als Aktionär(in) halte ich Interesse an Unternehmen und deren Produkte, eine Tageszeitung mit einem ausführlichen Wirtschaftsteil und vor allem einen gesunden Menschenverstand für völlig ausreichend. Nicht ohne Grund habe ich eines meiner wikifolios den an meinem Wohnort ansässigen börsennotierten Unternehmen gewidmet. Über sie wird regelmäßig in der Tageszeitung berichtet.

Konnte man im Zeitalter des Internets seine Anlageideen in der Vergangenheit in einem Musterdepot testen, gibt es aus meiner Sicht seit 01.05.2012 etwas viel innovativeres: die wikifolios. Lernen durch Handeln und in das eigene wikifolio investieren. Bei einer Einstiegsschwelle von 100 Euro ist das Lehrgeld gegenüber dem möglichen Verlust beim Kauf von Einzelwerten moderat. Aus meiner Sicht sind nämlich Einzelwertekäufe ohne einen Mindestkapitaleinsatz von 10.000 Euro nicht sinnvoll.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Zwei kostenlose Grundlagenbroschüren des Deutschen Aktieninstituts (DAI) bieten eine verständliche Einführung, was eine Aktie ist, was man bei der Aktienanlage beachten muss und welche Grundsätze bei der Aktienauswahl eingehalten werden sollten. Lesenswert sind auch die von der Stiftung Warentest herausgegebenen Ratgeber über die Geldanlage.

Zum Abschluss:

Wie spät ist es jetzt?

18:30 Uhr

Wo sind Sie gerade?

Wieder in meinem Arbeitszimmer, um meine Ausführungen Korrektur zu lesen.

Welche Frage möchten Sie an wikifolio.com stellen?

Zunächst einmal möchte ich zum neuen Design ganz herzlich gratulieren. Die überarbeitete Startseite bietet mehr Informationen als bisher ohne überladen zu wirken. Ich empfinde sie als sehr ansprechend.

Schnell einen umfassenden Überblick zu erhalten ist auch für mich als Traderin ein wichtiger Aspekt. In der Darstellung des aktuellen Depots wird die Wertabweichung der enthaltenen Aktien in Euro und in Prozent seit dem Kauf ausgewiesen. Hilfreich wäre für mich darüber hinaus eine Abweichungsdarstellung zum Vortag. Ist die Ergänzung um eine entsprechende, weitere Spalte geplant?

*Vielen Dank für den Input! Eine zusätzliche Spalte klingt interessant. Wir werden uns eine mögliche Umsetzung überlegen.*