12.09.2013| Von: Christina Oehler |

Der TradersTalk geht in eine nächste Runde, diesmal haben wir mit Leif Buscher gesprochen. Leif Buscher ist als InfilTrader auf wikifolio.com aktiv und setzt seine Handelsstrategien in dem wikifolio RiskTaker um.

Allgemein:

Wie heißen Sie?

Leif Buscher

Wie geht es Ihnen?

Sehr gut, danke!

Wie spät ist es?

11:57 Uhr – Fast High Noon.

Wie ist das Wetter?

Sonnig und windig, ein schöner Spätsommertag in der schönsten Stadt Deutschlands (Hamburg, für alle Unwissenden).

Wo sind Sie gerade?

An meinem Desk in der…(siehe oben)

Was sind Sie von Beruf?

Analyst

Der Trader:

Leif Buscher

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Ziemlich Klischeehaft sah ich Anfang der 90er den Film „Wall Street“ im Fernsehen. Ich war damals 12 oder 13 Jahre alt. Danach fing ich an Börsenkurse im Teletext zu verfolgen und war von dem gesamten Börsengeschehen einfach fasziniert, auch wenn mein Verständnis für die Zusammenhänge wohl noch eher begrenzt war. Meine Faszination ist seither von Tag zu Tag gewachsen. Gleichzeitig hat zweifelsohne allerdings auch die Komplexität der Finanzmärkte deutlich zugenommen in den letzten Dekaden. In Relation ist mein Verständnis deshalb vermutlich noch immer ähnlich begrenzt, aber gerade diese Komplexität macht sicherlich einen beträchtlichen Teil der Faszination aus.

Meine ersten Aktien habe ich dann beim Infineon-IPO gezeichnet. Ein lukratives Geschäft...zumindest vorübergehend. Nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes habe ich einige Zeit sehr wenig gehandelt. Mein Interesse galt in dieser Phase mehr der Ökonomie selbst, der Wirtschaftsgeschichte, dem Geldsystem und ähnlichem – eher einem übergeordneten Kontext also. Etwa 2004 / 2005 habe ich dann wieder intensiv mit dem Trading begonnen und begonnen mich viel mit quantitativen Zusammenhängen und Derivaten auseinanderzusetzen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Mein typischer Handelstag beginnt i.d.R. am Vorabend. Ich checke die Termine des Folgetages, screene verschiedenen Assetklassen und schaue mir an, was am nächsten Tag attraktiv sein könnte, wo sich Gelegenheiten ergeben könnten oder wo die Risiken besonders groß sind. Das ist häufig ein fast standardisierter Ablauf. Wenn ich dann morgens aufwache schaue ich zunächst, wie die Märkte in Asien gelaufen sind, ob es besondere News gab, irgendwelche Überraschungen. Da ich aktuell nicht in sehr kurzen Zeitintervallen arbeite/trade und auch nicht die Eröffnung handele, lasse ich es danach ruhig angehen. Ich habe den Markt aber i.d.R. im gesamten Tagesverlauf im Blick und warte auf Gelegenheiten, die sich für Assets ergeben, die ich zu dem jeweiligen Zeitpunkt beobachte.

Warum haben Sie sich für wikifolio.com entschieden?

Weil es einfach eine großartige Idee ist.

Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Bislang nicht. Ich bin zwar investiert, jedoch bislang noch in geringerem Umfang, da ich persönlich viel Optionen handele. Ich werde mein Investment aber sicher künftig aufstocken.

360 Tage Fazit:

Sind Sie mit der bisher in Ihrem wikifolio erzielten Performance zufrieden?

Ich bin im Grunde nie völlig zufrieden. Die Performance liegt aber absolut im Rahmen dessen, was ich mir vorgenommen habe. Trotzdem versuche ich es immer noch besser zu machen, immer noch besser zu werden.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2013?

Nun, es ist ja noch nicht vorbei. Was bisher geschah, kann ja jeder sehen. Wir haben neue All Time Highs im DAX und anderen deutschen Indizes sowie in den Staaten gesehen. Gleichzeitig befinden sich viele Emerging Marktes eher im Abwärtstrend. Wie es weitergeht ist schwer vorherzusagen. Ich denke, dass das Umfeld wieder schwieriger wird. Die ökonomische Erholung in den USA und Europa macht bisher eher den Eindruck eines Strohfeuers auf mich, aber wenn genug Stroh da ist, kann auch so ein Feuer lange brennen.

Welcher war Ihr bester Trade innerhalb der letzten 360 Tage?

Dazu kann ich mich in diesem begrenzten Rahmen nicht äußern. Ich betrachte das sehr differenziert und nicht nur auf der Basis der Performance. Deshalb gibt es DEN besten Trade für mich nicht. Ich freue mich aber z.B. besonders über komplexere Trades, die aus verschiedenen Komponenten bestehen, wenn sie mir gelingen und mein Setup stimmt. Sollte mich einer dieser Trades im Laufe der nächsten Jahre unermesslich reich machen (ist bisher leider nicht geschehen), werde ich ihn vielleicht im Nachhinein als besten Trade bezeichnen können. Ich freue mich aber genauso über Trades, die ich zum richtigen Zeitpunkt (auch mit Verlust) geschlossen habe, denn sie zeigen mir, dass ich mich und das Risiko meines Portfolios unter Kontrolle habe.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Sinn? Im Sinne von Performance oder eines höheren Zweckes? Im Sinne von Performance gibt es sicher in (fast) jedem Markt etwas zu holen, wenn man richtig positioniert ist. Spaß hat zuletzt sicherlich besonders der amerikanische Technologiesektor wegen seiner hohen Dynamik gemacht.

Welche Aktien favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Der amerikanische Technologiesektor bleibt spannend, aber auch amerikanische Finanzwerte bieten derzeit (im Gegensatz zu den deutschen) sicherlich attraktive Gelegenheiten. Leider sind die Risiken in den Büchern nur schwer oder unmöglich einzuschätzen. Deshalb bin ich hierbei sehr vorsichtig. Außerdem beobachte ich die Entwicklung an den Rohstoffmärkten derzeit genau.

Erfahrungen:

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Jede Lektion, die mit hohen Verlusten einhergeht, ist hart. Und nur dann ist sie auch wirklich lehrreich, denke ich. Vielleicht klingt es nach einer Phrase, aber man muss immer das undenkbare als Variable berücksichtigen, deshalb benötigt man immer mindestens einen Plan B.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Selber denken und alles (und ich meine wirklich ALLES) hinterfragen. Außerdem braucht es viel Eigeninitiative und Lernbereitschaft. Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich überzeugt, dass man Trading nicht mit einem Demokonto (also mit Spielgeld) lernen kann. Man kann damit höchstens eine gewisse Grundlage schaffen an Kenntnissen und Beobachtungen. Ich verstehe, dass viele das aus Vorsichtsgründen empfehlen, aber Verluste gehören zum Lernprozess. Durch Schattenboxen wird man nicht zu einem siegreichen Boxer. Wenn man nicht weiß, wie schmerzhaft Treffer sind, weiß man auch nicht wovor man sich schützen muss.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Wo soll ich da anfangen? Als Retail-Investor oder Retail-Trader muss man ein breites Spektrum von Funktionen abdecken, vom Research über die Analyse (sowohl mikro- als auch makroökonomisch) bis zum Portfolio- und Risikomanagement (es sei denn, man ist reiner Chartist). Man kann deshalb eigentlich nie genug wissen. Bücher sind dabei ein wunderbares Mittel um von den Erfahrungen und Ideen anderer zu profitieren, solange man nicht vergisst, dass in keinem dieser Bücher DIE Wahrheit steht. Es sind nur andere Perspektiven.

Wenn ich konkrete Empfehlungen geben soll, dann gehört für mich die „Market Wizards“ Reihe von Schwager zu den besten Büchern, wenn es ums Trading geht. Eine großartige Motivation. Auch „Fooled by Randomness“ und „The Black Swan“ von Taleb sind sehr interessant. Gut gefallen hat mir als Grundlagenwerk auch „The Dow Theory“ von Rhea. Wer es spezieller mag, für den dürfte auch „Fractals an Scaling in Finance“ von Mandelbrot hochinteressant sein. Insgesamt gibt es aber hunderte Bücher, die einen voran bringen können. Ich versuche jeden Monat, mindestens jedoch alle zwei Monate ein neues, themenverwandtes Buch zu lesen.

Zum Abschluss:

Wie spät ist es jetzt?
13:15 Uhr.

Wo sind Sie gerade?

Selber Ort, andere Zeit.