07.07.2014| Von: Andreas Kern |

Der DAX kämpft erneut mit der Marke von 10.000 Punkten und befindet sich damit nur knapp unter seinem bisherigen Rekordstand. In den ersten sechs Monaten des laufenden Börsenjahres gelang dem deutschen Leitindex ein Plus von knapp drei Prozent. Auch bei wikifolio.com hat sich der positive Trend weiter fortgesetzt. Zahlreiche wikifolios notieren zurzeit auf Allzeithochs. Der Optimismus der Trader in Bezug auf die zukünftige Entwicklung der Aktienmärkte hat ebenfalls einen neuen Rekordwert erreicht. Klarer Favorit bleiben dabei Aktien aus Deutschland, die mittlerweile mehr als die Hälfte des angelegten Kapitals ausmachen.

Mit einem Anteil von über 54 Prozent waren deutsche Aktien per Ende Juni die mit Abstand beliebteste Assetklasse bei wikifolio.com. Der bisherige Höchststand von knapp 47 Prozent wurde damit deutlich übertroffen. Weil die meisten Trader das für diese Käufe benötigte Kapital ihren Cash-Reserven entnommen haben, ist der Aktienanteil insgesamt auch auf einen neuen Rekordwert von fast 75 Prozent geklettert. Vor genau einem Jahr lag die Aktienquote in den investierbaren wikifolios lediglich bei 60 Prozent, im Herbst des vergangenen Jahres war sie zeitweise sogar bis auf 47 Prozent gesunken. Man darf gespannt sein, ob die Angst vor dem „obligatorischen“ Kurseinbruch im September/Oktober auch diesmal wieder zu so drastischen Anpassungen führt.

Grafik der Assetklassen-Verteilung

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Basis: alle investierbaren wikifolios, Stichtag 01.07.2014

Trotz der zunehmenden Begeisterung für Einzelaktien dominieren bei den Trades unverändert die Hebelprodukte auf den DAX. Unter den Top-15 der meistgehandelten Wertpapiere im Juni finden sich alleine zehn solcher Papiere, wobei neben einzelnen Exchange Traded Funds (ETF) vor allem Knock-out-Scheine stark frequentiert werden. Bei diesen Produkten werden die Kursbewegungen des DAX zumeist recht stark gehebelt, so dass schon mit geringem Kapitaleinsatz hohe Gewinne (und natürlich auch Verluste) möglich sind. Sobald der DAX die jeweilige Knock-out-Marke erreicht, werden die theoretisch „unendlich“ laufenden Scheine allerdings vorzeitig fällig, was nicht selten den kompletten Verlust des eingesetzten Kapitals zur Folge hat. Ein gut durchdachtes und diszipliniert umgesetztes Risikomanagement ist deshalb beim Einsatz solcher Produkte unabdingbar.

Zwar beherrscht längst nicht jeder Trader diese Materie bis ins Detail, aber es gibt bei wikifolio.com zahlreiche Beispiele, wie man die Produkte erfolgreich für sich und seine Anleger nutzen kann. Der Sparkassenkaufmann Marco Schlüter („Daxprofi“) agiert bei seinem wikifolio „Risiko Anlage in Zertifikate“ ausschließlich mit Knock-out-Scheinen und hat sein Ziel, „schnell große Gewinne zu erzielen“ bisher erreicht. Nachdem ihm im Juni mehrere erfolgreiche Trades mit Dax-Calls gelungen sind (leider ohne wirklich aussagekräftige Kommentare), ist die Performance des im vergangenen Oktober aufgelegten wikifolios auf über 60 Prozent gestiegen. Der Anfang Juli neu erworbene und mit sechs Prozent gewichtete Schein mit einer Knock-out-Marke bei gut 9.765 DAX-Punkten liegt auch schon wieder deutlich im Plus. Allerdings müssen Anleger bei diesem wikifolio mit relativ starken Kursschwankungen rechnen. Der bislang größte Rückschlag betrug gut 31 Prozent. Auffällig ist zudem, dass der Trader in der volatilen Seitwärtsphase der ersten fünf Monate des laufenden Jahres so einige Probleme hatte. Ein Phänomen, dass sich gerade bei Trend-Tradern immer wieder beobachten lässt (ISIN des Zertifikats: DE000LS9CBB7).

Ebenfalls sehr erfolgreich beim Handel mit Hebelprodukten war im abgelaufenen Monat Martin Strack („CetanCapital“), dessen wikifolio „CETAN Hedged Fortune“ in den vergangenen Wochen eine mehr als beeindruckende Performance abgeliefert hat. Seit Mitte Mai ist der Kurs um rund 150 Prozent gestiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass ihm dieser Anstieg im Unterschied zu vielen anderen Tradern nicht vor sondern nach Emission des wikifolio-Zertifikats (ISIN: DE000LS9BXB3) gelang. Damit konnten die bislang noch nicht so zahlreich investierten Anleger tatsächlich direkt davon profitieren. Gelungen ist dieser Kurssprung vor allem durch eine überdurchschnittlich hohe Trefferquote bei Trades auf den DAX. Im Gegensatz dazu lässt die Qualität seiner Kommentare noch zu wünschen übrig. Und frei von Risiken ist der Ansatz natürlich auch nicht, wie der maximale Verlust von bislang 36 Prozent belegt. Bei aller Euphorie ist für Anleger daher auch hier wie immer eine gewisse Vorsicht angesagt!

Tabelle der 15 am häufigsten gehandelten Werte (nach Anzahl der Trades)

Top15

Basis: alle wikifolios, 01.06.-30-06-2014

Bei den so heiß begehrten deutschen Einzelwerten standen mit der Deutschen Bank und der Lufthansa zwei zuletzt eher enttäuschende Werte besonders im Fokus der wikifolio-Trader. Bei beiden Titeln setzen die Trader vorrangig auf eine Erholung der zeitweise stark gefallenen Kurse. Stephan Helmich hat in den vergangenen Wochen gleich beide Aktien in sein wikifolio „AbsoluteReturn“ aufgenommen und die Positionen sukzessiv ausgebaut. Bei der Lufthansa kommentierte er den Einstieg nach der Gewinnwarnung der Airline mit dem Hinweis „Kursverfall zum Einstieg genutzt. Markt reagiert über...“, um kurze Zeit später ein „Leider kein perfektes Timing beim Einstieg genutzt. Dennoch wird an der Position fest gehalten“ hinterherzuschicken. Die langfristig ausgerichtete Strategie des Traders war bislang durchaus von Erfolg gekrönt. Sein wikifolio liegt mit einem Plus von knapp 20 Prozent seit dem Start im Januar 2013 bei einem überschaubaren Maximalverlust von weniger als neun Prozent auf Allzeithoch (ISIN des Zertifikats: DE000LS9ANH3).

Ebenfalls auf beide abgestürzte Titel setzt die SIGAVEST Vermögensverwaltung GmbH („sigavest“) in ihrem wikifolio „VV Zertifikate Selektor“. Statt der Aktien selbst wurden hier im Juni allerdings Discount-Zertifikate erworben. Bei der Kranich-Aktie sind die Details folgendem Mitte Juni geschriebenen Kommentar zu entnehmen: „Wir nutzen die erhöhte Volatilität der Lufthansa-Aktie zum Kauf eines Discounters mit folgenden Parametern: Laufzeit 02/2015, Cap 15 Euro, Renditechance 8% p.a., Discount knapp 12%“. Wenn die Aktie am Laufzeitende mindestens bei 15 Euro notiert, wird die angegebene Rendite also auf jeden Fall erreicht. Bis zu dieser Marke darf die Lufthansa noch weitere fünf Prozent an Wert verlieren. Bei dem Ende Januar fälligen Discounter auf die Deutsche Bank („Seitwärtsrenditechance von ca. 6,25% p.a.“) beträgt der Risikopuffer sogar noch gut neun Prozent. Dem angestrebten Gesamtziel („möglichst gleichmäßiger Renditefluss bei deutlich reduziertem Aktienrisiko“) sind die Portfoliomanager in den ersten Monaten nach Auflegung des wikifolios im vergangenen November schon recht nahe gekommen. Bei einem maximalen Verlust von 3,4 Prozent wurde bislang eine Performance von 5,2 Prozent generiert (ISIN des Zertifikats: DE000LS9BTE5).