25.11.2015| Von: Anja Branz |

Der wikifolio-Trader Matthias Huber - auf unserer Plattform besser bekannt als mattmagic - hat mit uns über die Unmöglichkeit gesprochen, den perfekten Ausstiegszeitpunkt vor einem bevorstehenden Crash zu finden. Mehr über ihn und seine Handelsstrategie erfahren Sie im aktuellen TradersTalk.

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Matthias Huber

Matthias Huber

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
mattmagic

Was sind Sie von Beruf?
Ich habe zunächst ein Bachelor- und Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre absolviert. Seit über zwei Jahren bin ich in der Automobilindustrie beschäftigt. Ich bin im Bereich Supply-Chain/Logistikplanung/Lieferantenmanagement tätig.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Als 16-Jähriger habe ich beim Börsenspiel der Sparkasse mitgemacht und konnte sogar unter den besten 10 abschließen. Dies war meine erster Kontakt mit der Börse. Mit 18 hatte ich mein eigenes Depot und das Interesse bzw. die Börse hat mich seitdem nahezu täglich begleitet und nie mehr losgelassen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Vor der Arbeit informiere ich mich über die Märkte in Asien, im laufe des Tages über den DAX und entsprechende Konjunktur- und Unternehmensergebnisse und die Börse in New York verfolge ich am Abend. Bloomberg und die Telebörse verfolge ich häufig am Feierabend und am Wochenende lese ich auch gerne Wirtschaftsmagazine wie das Handelsblatt oder die Wirtschafts- und Finanzseiten der FAZ/SZ.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich führe derzeit vier wikifolios. Zwei sind im Status „investierbar“, zwei weitere haben den Status bereits erreicht und werden in Kürze ebenfalls „investierbar“ sein. Über ein fünftes wikifolio, welches ausschließlich Hebelprodukte handelt denke ich derzeit nach. Da ich an meine wikifolios glaube und da ich selbst davon profitieren möchte, bin ich ein sog. „Real-Money“ Trader und bin somit auch persönlich investiert.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Ich kann neue Handelsstrategien ausprobieren und profitiere von neuen Einblicken und Erkenntnissen anderer Nutzer. Ein eigenes wikifolio zu betreuen finde ich zudem unglaublich spannend.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Ich investiere überwiegend in Blue Chips. Die Unternehmen analysiere ich im Vorfeld ausführlich. Ich setze auf mittel bis langfristige Investments und lasse mich auch durch kurzfristige Schwankungen nicht verunsichern. Durch eine breite Streuung (derzeit beträgt der maximale wikifolio-Anteil 2%) versuche ich das Risiko möglichst breit zu streuen. Wenn ich eine Korrektur an den Märkten erwarte, dann setzte ich kurzfristig auch auf sinkende Kurse. Da ich einen langfristigen Wertzuwachs anstrebe und ich Aktien oftmals über Monate im wikifolio halte, sind tägliche Depotumschichtungen eher selten.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Mit meinem „Huber Long Term Value Growth“ wikifolio bin ich bisher sehr zufrieden. In den letzten Jahren konnte ich einen kontinuierlichen Wertzuwachs generieren und konnte somit den Wert meines wikifolios fast verdoppeln. Über ein Sharp Ratio von ca. 3,5 bei einer Laufzeit von fast drei Jahren und einen max. bisherigen Verlust von ca. 15 % kann ich auch sehr zufrieden sein. Ich möchte die positive Entwicklung natürlich weiter fortsetzen. Bei meinem zweiten „Matthias G. Huber Up/Down Return“ bin ich allerdings nicht zufrieden. In den ersten 1,5 Jahren diente dieses wikifolio als Absicherung gegen sinkende Kurse. Seit 1,5 Jahren betreue ich dieses wikiflio wieder aktiv und bin seitdem mit der Kursentwicklung auch zufrieden. Bei einer Gesamtperformance bei - ca. 45 Prozent kann ich natürlich nicht zufrieden sein, aber der Fokus lag immer auf meinem anderen wikifolio.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Mein Trading-Highlight war es, dass ich die letzten 360 Tage sowohl an steigenden, als auch an sinken Kursen partizipiert und die Korrektur rechtzeitig erkannt und mein wikifolio entsprechend frühzeitig umstrukturieren konnte. Somit konnte ich eine sehr hohe Rendite erzielen und konnte eine entsprechende Outperformance erreichen.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2015?
Von Januar bis Mai 2015 stieg der DAX auf fast 12.500 Punkte und ignorierte damit nahezu alle negativen Nachrichten wie die Griechenlandkrise. Dann folgt bis August eine Seitwärtsbewegung und Probleme wie eine erste Zinserhöhung der FED, Chinakrise, schlechtere Unternehmensergebnisse und Ausblicke, rückten verstärkt in den Fokus. Im August und September folgt dann eine überfällige Korrektur. Da sich die Börsen in China wieder stabilisieren konnten und die Zinsen weiterhin sehr niedrig, sowie Anlagealternativen noch nicht vorhanden waren, stieg die Börse bis Anfang November auf fast 11.000 Punkte. Bis Jahresende sehe ich noch steigende Kurse, obwohl ich keine sehr großen Bewegungen mehr erwarte. Mit der richtigen Strategie sehe ich ein spannendes und chancenreiches Börsenjahr 2016 vor uns.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Aktuell gefallen mir die Märkte in Deutschland und der Schweiz. Momentan bevorzuge ich „Blue Chips“ und halte mich bei Nebenwerten, auch aufgrund der bereits hohen Bewertung, eher zurück. In den USA sind einige Einzelwerte noch interessant. Generell sind die Märkte in den USA aber nicht mehr günstig und nächstes Jahr ist in den USA sogar eine Rezession möglich. Daher würde ich die USA im Vergleich zu Deutschland untergewichten. Emerging Markets wie China oder Brasilien sind mir derzeit noch zu unsicher und ich würde hier erstmal abwarten.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Auf mittelfristige Sicht würde ich Aktien/Wertpapiere aus den Bereichen Konsum, Ernährung, Pharma, Gesundheit und Luftfahrt bevorzugen.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Das sich ein Börsencrash zwar sehr oft bereits im Vorfeld ankündigt, sich der genaue Zeitpunkt aber nicht auf Monat und Tag vorhersehen lässt und es unmöglich ist, denn perfekten Ausstieg zu finden. Eine weitere Lektion ist es, bei Knock-Out Produkten, die Hebel nicht zu hoch zu wählen.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Ich würde einen Einsteiger folgendes mitgeben:

  • Am Anfang auf ein breites Depot mit Blue Chips setzen
  • Nach den ersten Rückschlägen und Verlusten nicht aufgeben
  • Ruhig bleiben und Gewinne nicht täglich überprüfen
  • Hebelprodukte erst nach vielen Jahren Börsenerfahrung einsetzen
  • Aus Fehlern lernen und Verluste frühzeitig realisieren

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Für ein besseres Börsenverständnis empfehle ich André Kostolany / Die Kunst über Geld nachzudenken und das Buch von Friedhelm Busch / Greife nie in ein fallendes Messer. Des weiteren empfehle ich zur Unterhaltung die Bücher von Florian Homm / Kopf Geld Jagd und James Cramer / Bekenntnisse eines Wall Street-Süchtigen.