21.03.2018| Von: Astrid Schuch |

Nutzerdaten sind Gold wert. Mit den Daten von besonders vielen Nutzern lässt sich aber nicht nur Geld machen, sondern womöglich auch Politik. Was ist passiert? Die Facebook-Aktie kam zu Wochenbeginn ordentlich unter die Räder – rund zehn Prozent verlor das Papier, weil sich die britische Analysefirma Cambridge Analytica Zugriff auf Daten von sage und schreibe 50 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks verschaffte.

Letztere haben davon freilich nichts gewusst. Genutzt wurden die Daten unter anderem mit dem Ziel, den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen 2016 zu beeinflussen – zu Donald Trumps Gunsten. Facebook sieht sich als Opfer. Denn die Briten haben die Daten nicht gestohlen im eigentlichen Sinne, sondern offenbar das App-System von Facebook ausgenutzt. Einfach erklärt: Jemand entwickelt eine App, Facebook-Nutzer verwenden die App und erlauben ihr den Zugriff auf die eigenen Daten – sowie die Daten ihrer Facebook-Freunde. Nun dürften diese Daten eigentlich nicht an Dritte weitergegeben (verkauft) werden. Die Realität sieht aber – wenig überraschend – anders aus.

Hat jemand Facebook gelöscht?

Der Gegenwind für Facebook nimmt trotzdem zu. In San Francisco verklagen Aktionäre nun den Konzern. Auch die US-Verbraucherschutzbehörde ermittelt. Brian Acton, der 2014 den Kurznachrichtendienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar an Facebook verkaufte, richtete eine eindeutige Aufforderung an seine Follower auf Twitter: „It is time. #deleteFacebook“ Auch der eine oder andere wikifolio-Trader lässt lieber Vorsicht walten. Anton Mühlemann („2Stein“) zum Beispiel hat die Facebook-Aktie in seinem wikifolio „TrendUSA“ vorerst einmal verkauft: „Die Facebook-Krise kann noch hohe Wellen schlagen. Ich halte mich lieber raus und nehme den Gewinn mit.“

"Für mich ist das in erster Linie ein Polit-Skandal, denn immerhin war es das Trump-Wahlkampfteam, das sich der unsauberen Methoden von Cambridge Analytical bedient hat."
Stefan Waldhauser aka „stwBoerse

Stefan Waldhauser („stwBoerse“) indes schätzt die Lage sehr differenziert ein und wird den Titel nach aktuellem Stand auch weiterhin in seinem wikifolio „High-Tech Stock Picking“ halten. Zumal er die Hauptverantwortung für den Daten-Skandal nicht beim sozialen Netzwerk sieht: „In der Öffentlichkeit wird meist vergessen, dass zuerst das Unternehmen Facebook von dem Kunden Cambridge Analytical betrogen wurde, der die Daten offenbar entgegen der Facebook-Richtlinien aufbereitet und weiterverkauft hat. Für mich ist das in erster Linie ein Polit-Skandal, denn immerhin war es das Trump-Wahlkampfteam, das sich der unsauberen Methoden von Cambridge Analytical bedient hat. Ich denke, dass die öffentliche Diskussion mehr in diese Richtung laufen wird und kann mir auch nicht vorstellen, dass die Klagen von Aktionären gegen Facebook erfolgversprechend sein werden. Es sei denn, es kommen noch weitere echte Verfehlungen von Facebook ans Tageslicht. Davon kann ich aber derzeit (noch) nichts erkennen.“ Für Waldhauser ist Facebook aus der Gruppe der sogenannten FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google) aktuell sogar am interessantesten bewertet: „Die Aktie bleibt für mich eine langfristige Halte-Position“, so der Trader.

Auch wikifolio-Trader Wilfried Schöpges („diamant“) wird sein Facebook-Engagement voraussichtlich nicht abbauen. Mit einem Anteil von etwa 13 Prozent ist die Aktie das Schwergewicht im wikifolio „Succestecbrands“. Seine Einschätzung zur Lage gibt's im folgenden Video:

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