05.01.2017| Von: Christina Oehler |

In den letzten Tagen des Jahres wird an den Börsen traditionell die berühmte Glaskugel herausgeholt, um die Aussichten für das kommende Börsenjahr abzuchecken. Es hagelt Prognosen und Kursziele für sämtliche Assetklassen und am Ende des Tages sind in der Regel alle genauso schlau wie vorher. Wir haben deshalb auch Ende 2016 wieder unsere Trader bei wikifolio.com nach ihren Meinungen zum Börsenjahr 2017 befragt. Wir bedanken uns für das zahlreiche Feedback und stellen die Ergebnisse der Umfrage hier in den kommenden Tagen vor.

Bei Banken ist es zu Jahresbeginn meist so, dass sich kaum jemand traut, wirklich signifikant von der Konsensmeinung abzuweichen. Zu groß ist das Risiko, wegen etwaiger Fehlprognosen in der breiten Öffentlichkeit an den Pranger gestellt zu werden. Wenn alle falsch liegen, ist das eigene „Versagen“ nicht so schlimm, aber wenn man als Einziger die richtigen Trends verpasst hat... Solche Probleme haben die klassischen Privatanleger nicht, so dass deren Einschätzungen im Zweifel deutlich „ehrlicher“ ausfallen.

Diese Faktoren bestimmen das Börsengeschehen 2017

Erste deutliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahr lassen sich bereits bei den Faktoren erkennen, die nach Meinung der wikifolio-Trader in diesem Jahr entscheidenden Einfluss auf das Börsengeschehen haben werden. Wie schon Anfang 2016 stehen zwar die Geldpolitik der Notenbanken und die dadurch beeinflusste Entwicklung der Kapitalmarktzinsen ganz oben auf der Liste. Die Konjunktur in China spielt anders als im vergangenen Jahr hingegen keine große Rolle mehr. Stattdessen blicken überdurchschnittlich viele Trader auf das, was nach der Wahl von Donald Trump in den USA so alles passiert. Etwas überraschend wird zudem die Terrorgefahr zumindest mit Blick auf die Kapitalmärkte als deutlich weniger bedrohlich wahrgenommen. Damit bestätigt sich die schon in der Vergangenheit oftmals bewährte These, dass Börsianer echte Gewohnheitstiere sind.

Grafik Einflussfaktoren auf Finanzwelt 2017

Zinsmaßnahmen sind ein Dauerbrenner

Beim am häufigsten genannten Einflussfaktor Geldpolitik rechnen fast zwei Drittel der wikifolio-Trader damit, dass die Europäische Zentralbank ihr offiziell bis Dezember begrenztes Wertpapierkaufprogramm im Laufe des Jahres noch einmal bis 2018 verlängern und damit die Märkte mit frischer Liquidität unterstützen wird. In den USA geht die überwältigende Mehrheit indes von einer zunehmenden Abkehr der expansiven Maßnahmen aus. Hier wird von fast der Hälfte der Trader eine Erhöhung der Leitzinsen um 50 Basispunkte favorisiert, gut 20 Prozent gehen sogar von noch restriktiveren Schritten der Fed aus. Dementsprechend rechnen auch rund 70 Prozent mit weiter steigenden Renditen der amerikanischen Staatsanleihen.

Grafik 5 Schritte des EZB Wertpapierkaufprogramm

Trump und Zinspolitik der Fed gehen Hand in Hand

Ganz anders sieht das der Finanzjournalist Christian Scheid, der sich bewusst gegen den Konsens stellt: „Die ‚Zinswende‘ in den USA hat ihren Namen nicht verdient. Ich gehe davon aus, dass die Fed spätestens 2018 wieder zurückrudern wird. Zinssenkungen und QE4 sind für mich wahrscheinlicher als weitere Zinsanhebungen“. Als Begründung verweist der bei wikifolio.com erfolgreich aktive Trader auf den neuen US-Präsidenten: „Sollte Trump mit seinen milliardenschweren Infrastrukturprogrammen und Steuersenkungen ernstmachen, wird der Schuldenberg in den USA neue Dimensionen erreichen. Höhere Zinsen sind dabei das Letzte, was er brauchen kann. Eine höhere Inflation wird dafür in Kauf genommen“.

Grafik Maßnahmen US-Leitzins

Grafik Entwiklcung Staatsanleihen USA

 

Wir danken allen Tradern für die Teilnahme an der Umfrage!