China-Aktien – Ein Muss für jedes Depot?

wikifolio-Top-Trader erklären, warum chinesische Aktien in einem diversifizierten Portfolio nicht fehlen sollten, wie sie den Markt bewerten und welche Unternehmen besonders spannend sind.

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Quelle: Wolfram K. , Pexels

China auf der Überholspur

China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Rund 18 Prozent der Weltbevölkerung sind Chinesen. Die rasant wachsende Mittelschicht des Landes konsumiert, was das Zeug hält. Die Wirtschaft tut es ihnen gleich. In den letzten Jahren gingen chinesische Unternehmen auf staatlich geförderte Shopping-Tour. Sie kauften international Unternehmen - und damit vor allem Know-How - im großen Stil.

Philip Bußmann (LONGLIFE), der das wikifolio China Hightech verwaltet, erklärt: „China ist nicht mehr nur Werkbank der Welt, sondern hat stetig von den westlichen Unternehmen dazu gelernt und baut nun eigene Schlüsselindustrien auf. In China gibt es einen gut durchdachten Wirtschaftsplan, bei dem der Fokus auf Forschung sowie Qualitäts- und Markenbewusstsein gelegt wird.“

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Kennzahlen

  • +67,9 %
    seit 24.05.2019
  • +63,4 %
    1 Jahr
  • 0,79×
    Risiko-Faktor
  • EUR 1.155.030,38
    investiertes Kapital
Sehr gutes Chance-Risiko-Verhältnis

Dieser Plan wurde von der Regierung rund um Xi Jinping 2015 ins Leben gerufen. Er trägt den klangvollen Namen „Made in China 2025“. Das Ziel ist klar: Bis 2025 will man in zukunftsträchtigen Bereichen wie Robotik, Telekommunikation und E-Mobilität Weltmarktführer sein. Top-Trader Stefan Uhl (Smyl) ist von dieser Strategie überzeugt: „Die Offenheit von Chinesen zu neuen Technologien bietet enormes Wachstumspotenzial.“

Laut wikifolio-Trader und Tech-Spezialist Dirk Althaus (techguru) ist man schon heute in vielen Branchen konkurrenzfähig: „Viele chinesische Firmen, vor allem im Consumer-Tech-Bereich können technologisch durchaus mit amerikanischen Firmen mithalten. Auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis, haben sie die Nase weit vorn.“

Wenn es um Innovationen geht, ist bereits ein Paradigmenwechsel zu erkennen. Längst lugen Facebook und Co. nach China, um sich Features bei ihren chinesischen Pendants abzuschauen. Die Möglichkeit, Zahlungen über den Instantmessanger WhatsApp abzuwickeln etwa, an der Facebook gerade arbeitet, gibt es beim chinesischen Gegenstück We-Chat von Tencent längst.

Die Kehrseite der chinesischen Medaille

Also pfeif auf Apple, Amazon und Co. - her mit Tencent, Alibaba und JD.com? Vergiss das Silicon Valley – Shenzhen is where the magic happens? Ein Blick auf die Kehrseite der fernöstlichen Medaille zeigt, warum es nicht ganz so einfach ist. Denn China hat sich dem Westen zwar geöffnet, als Vorbild sieht man ihn darum aber noch lange nicht. Die kommunistische Partei lenkt die Geschicke des Landes im Alleingang. Unternehmen stehen unter staatlicher Kontrolle. Menschenrechtsverletzungen stehen an der Tagesordnung. Als jüngstes Beispiel sind etwa die Internierungs- und Umerziehungslager für die muslimische Minderheit der Uiguren zu nennen.

„Das politische Kontrollsystem und der Umgang mit Menschenrechten sowie Minderheiten ist nicht gut zu heißen. Ethik und Moral hinken dem schnellen technologischen Fortschritt noch hinterher,“ kritisiert Bußmann. Die Begründung für diesen Missstand liefert er gleich mit: „Jahrzehntelang herrschte in China große Armut. Der wirtschaftliche Erfolg nimmt eine dementsprechend hohe Priorität ein.“ Dieser Erfolg bringt laut Bußmann noch einen weiteren negativen Beigeschmack mit sich: „Das chinesische ‚Wirtschaftswunder‘ mit den extrem hohen und stabilen Wachstumsraten basiert neben der eigenen Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems (weg von der reinen Planwirtschaft) und den Bildungsfortschritten auch auf der Produktpiraterie westlicher Technologien.“

Keine leichte Entscheidung

Warum sich Bußmann trotz seiner Bedenken für Investments in China-Aktien entschieden hat, erklärt er wie folgt: „Bei aller berechtigten Kritik muss man auch sehen, dass China von 1978 an 750 Millionen Menschen aus der absoluten Armut herausholte. Selbst US-Politiker Bernie Sanders erkannte, ‚dass China mehr Fortschritte zur Lösung des Problems der extremen Armut machte, als jedes andere Land in der Geschichte der Zivilisation.‘“

Auch Althaus, aus dessen wikifolio Augmented Reality Innovators China-Aktien ebenfalls nicht wegzudenken sind, spart nicht mit Kritik an China: „Die Arbeitsbedingungen in China sollten auf jeden Fall verbessert werden. Auch die Politik stellt ein gewisses Risiko dar, welches man bereit sein muss einzugehen.“ Ob er allerdings indirekt - über die Lieferketten westlicher Konzerne – in China investiert oder gleich Aktien der vor Ort ansässigen Unternehmen kauft, ist ihm gleich: „Ethisch habe ich weniger Bedenken. Ich sehe keinen Unterschied, ob ich ein Smartphone von Xiaomi kaufe oder ein Apple iPhone. Es ist beides – zumindest zum größten Teil - Made in China.“

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Kennzahlen

  • +185,2 %
    seit 12.09.2018
  • +87,8 %
    1 Jahr
  • 1,07×
    Risiko-Faktor
  • EUR 2.790.297,64
    investiertes Kapital
Trend-Thema

Vergleichsweise attraktiv, aber nichts für Risikoscheue

Aufgrund der politischen Unsicherheiten und der höheren Volatilität der chinesischen Aktien, empfiehlt es sich, sie in einem ausgewogenen Depot nicht über zu gewichten. Für sein wikifolio GroDiVal Trendinvest, geht Uhl wie folgt vor: „Meine persönliche Grenze liegt aktuell bei 15 bis 20 Prozent.“ Fixer Richtwert sei das aber keiner, entscheidend ist laut Uhl vor allem die individuelle Risikoneigung.

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Kennzahlen

  • +500,7 %
    seit 07.10.2013
  • +22,4 %
    1 Jahr
  • -
    Risiko-Faktor
  • EUR 7.355.850,32
    investiertes Kapital
Ø – Performance pro Jahr: 29,1 Prozent

Wer aber glaubt, es braucht nur etwas Mut, um in Fernost echte Schnäppchen zu ergattern, den holt Bußmann auf den Boden der Tatsachen zurück: „Im historischen Vergleich erscheinen mir gerade alle Märkte sehr teuer bewertet. Im Vergleich zur Bewertung von US-Aktien sind chinesische Aktien aber immerhin deutlich günstiger zu haben. Diesen Bewertungsunterschied gab es wegen der höheren politischen Risiken und der schlechteren Transparenz aber auch in der Vergangenheit. Vor ein bis zwei Jahren war der Bewertungsabschlag wegen des Handelsstreits besonders hoch.“

Dass es diesen „China-Abschlag“ noch lange geben wird, bezweifelt Bußmann stark. Für die Zukunft sieht er hier eine deutliche Trendwende: „Langfristig gehe ich von einem Umdenken bei den Anlegern aus, da China zukünftig die wichtigste Wirtschaftsnation sein wird und der Weg eines nachhaltigeren Wirtschaftens zu einem großen Teil von der Entwicklung in den bevölkerungsreichsten Ländern China und Indien abhängt.“

Tech-Werte sind klarer Favorit

Bleibt die Frage, welche Branchen und Einzeltitel besonders aussichtsreich sind. Althaus erklärt: „In meinen wikifolios halte ich aktuell Alibaba, Xiaomi, Tencent, Baidu, JD.com und BYD. Das sind auch die Firmen, bei denen ich Potenzial sehe.“ Althaus rät allerdings davon ab, sich die Aktien blind ins Depot zu legen: „Die Volatilität bei chinesischen Firmen ist sehr hoch, da empfiehlt es sich aktiv zu handeln.“

Besonders Xiaomi hat es Althaus angetan: „Ich finde die Produkte sehr gut, interessant auch zu sehen, wie schnell Produktverbesserungen vorgenommen und veröffentlicht werden. Die legen ein Tempo vor, bei denen viele andere Firmen nicht mithalten können.“

Bußmanns klarer Favorit sind ebenfalls die Tech- und Internet-Konzerne: „Alibaba, Tencent und JD.com sind meine größten Einzelpositionen.“ Viel Potenzial sieht er darüber hinaus in der Gesundheitsbranche: „Seit Corona ist logischerweise die Gesundheitsindustrie stark in den Fokus der Anleger gerückt. Die Unternehmen Beigene, Wuxi Biologics, Zai Lab, Ping an Healthcare und Alibaba Health Information Technology erscheinen für mich sehr zukunftsorientiert aufgestellt zu sein.“ Ebenfalls spannend für Bußmann ist das Thema Bildung: „Die Chinesen investieren einen viel höheren Anteil ihres Geldes in die Ausbildung. Sie wünschen sich viel stärker, dass es ihrem Kind besser als ihnen ergeht. New Oriental Education nimmt in dem Bereich eine bedeutende Stellung ein.“ Abschließend nennt der erfahrene Trader noch die Bereiche Elektromobilität und Solar: „Die Elektromobilitätsbranche gewann mit der Aussicht auf stärkere Förderungen auch wieder an Bedeutung. Gleiches gilt für die Solarindustrie. Jinkosolar meldete vor einigen Tagen überraschend starke Zahlen und Zukunftsaussichten.“


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