21.07.2015| Von: Andreas Kern |

Der Crash kam über Nacht. Am Dienstagmorgen zwischen 3 und 4 Uhr brach der Goldpreis innerhalb weniger Minuten plötzlich um vier Prozent ein. Verantwortlich dafür waren angeblich Meldungen aus China.

Ebenfalls als potenzieller Grund für die anhaltende Schwäche des Edelmetalls wird immer wieder die Sorge vor der zunehmend wahrscheinlicher werdenden Leitzinserhöhung in den USA genannt. Warum der oder die Anleger gestern Morgen im asiatischen Handel in einer vergleichsweise ruhigen Handelsphase größere Goldbestände verkauft und damit den Kursrutsch ausgelöst haben, wissen aber wahrscheinlich nur die Beteiligten selbst. Sicher hingegen ist, dass der Goldpreis zeitweise unter die Marke von 1100 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2010 gefallen ist. Mit in den Keller gerissen wurden zeitgleich diverse Goldminenaktien, die teilweise zweistellige Verluste hinnehmen mussten. Auch der bekannte XAU-Goldminenindex fiel um rund 10 Prozent und befindet sich nur noch unwesentlich über seinem Allzeittief aus dem Herbst des Jahres 2000.

Bei wikifolio.com gibt es vor allem bei denjenigen Tradern lange Gesichter, die sich ein Gold-Exposure zur Absicherung gegen etwaige Turbulenzen an den Finanzmärkten aufgebaut hatten und nun erschreckt zusehen müssen, wie die erheblichen Verluste die Performance vermiesen. Seinem Ruf als „sicherer Hafen“ ist das Edelmetall während der langwierigen Griechenland-Debatte zu keiner Zeit gerecht geworden. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass es an der Börse einfach keine Erfolgsformeln gibt, die immer und überall gültig sind. Jedes Wertpapier ist mit Blick auf die Kursentwicklung davon abhängig, wie Angebot und Nachfrage aussehen. Und so kann eben auch Gold auf ein Mehrjahrestief fallen, obwohl Griechenland kurz vor dem Grexit steht (oder stand).

In solchen Phasen bewährt es sich, wenn Trader ein striktes Risikomanagement in ihre Handelsstrategie implementiert haben. So wie das bei Richard Dobetsberger („Ritschy“) der Fall zu sein scheint. Passend zur aktuellen Situation bei Gold hat der bislang überaus erfolgreiche Trader das Motto ausgegeben „Um etwas gut zu machen, muss man die Regeln kennen; aber um ein Meister zu werden, muss man wissen wann sich die Situation so weit geändert hat, dass die Regeln nicht mehr gelten“. Für sein wikifolio „UMBRELLA“ hatte der Trader vor rund zwei Wochen die Aktie von Barrick Gold geordert, nicht ohne sie direkt mit einem Stoppkurs („SL“) zu versehen: „Der Branchenprimus der Goldschürferaktien. Chart scheint nach Verteidigung bzw. Rückeroberungen der $10 Marke für mich chancenreich. Restrukturierungen im Unternehmen machen es für mich zukunftsversprechend. Der Goldpreis ist meiner Meinung nach auf einem Tiefpreis angelangt. Damit für mich nach derzeitiger Einschätzung ein Kauf im Wikifolio. SL wurde auf 8,50 Euro angesetzt“. Noch vor dem Absturz am Dienstag hatte die Aktie das genannte Absicherungsniveau erreicht, so dass die Position am Freitagabend mit einem Verlust von rund 16 Prozent verkauft wurde („Barrick durchbricht im Wikifolio die SL Limits. Totalverkauf. Derzeit scheinen sich der Goldpreis und die Goldminenaktien im freien Fall zu befinden. Nach Konsolidierung wird die Situation nochmals neu evaluiert“). Noch wesentlich größere Verluste (die Aktie steht aktuell bei rund 7 Euro) blieben dem Trader und natürlich auch den investierten Anlegern somit erspart. Das wikifolio steht davon nahezu unberührt fast auf Allzeithoch und weist seit dem Herbst 2012 – ohne den Einsatz von Hebelprodukten - eine beeindruckende Performance von fast 300 Prozent aus. Dagegen hält sich der maximale Verlust mit rund 23 Prozent in Grenzen. Das im April 2013 emittierte wikifolio-Zertifikat liegt aktuell mit 227 Prozent im Plus.

Ausschließlich mit gehebelten Derivaten arbeitet hingegen Thomas Sauer („TomS01“), dessen wikifolio „TS Trading MT“ aktuell rund 50 solcher Produkte beinhaltet. Darunter befinden sich auch drei Scheine, die von fallenden Goldpreisen profitieren und sich dementsprechend gut entwickelt haben. Die erste Short-Position, die Anfang Juli eröffnet wurde („Gold hat im Monatschart Juni nun zum ersten Mal unterhalb der 100-Tage-Linie geschlossen. Das ist jetzt noch alles in der Seitwärtsrange, deshalb nur eine kleine Position. Allerdings kommt die Unterkante der Range nun immer näher. Sollte diese gebrochen werden, rechne ich mit einer sehr schnellen Bewegung, deshalb auch die erste Position, die im Bedarfsfall auch weiter ausgebaut werden kann“), liegt aktuell bereits mit knapp 130 Prozent im Plus. Die beiden anderen Scheine wurden am Freitag gekauft („Gold Short aufgenommen“) und kommen bislang auf eine Performance von 9 bzw. 21 Prozent. Nachdem sich das erst im November gestartete wikifolio innerhalb von nur fünf Monaten mehr als verdreifacht hatte, ist der Kursverlauf seitdem tendenziell abwärts gerichtet. Im Tief ging es um rund 45 Prozent bergab. Zwar ist die Gesamtperformance mit knapp 140 Prozent beim wikifolio und fast 80 Prozent bei dem wikifolio-Zertifikat immer noch beachtlich. Dennoch hat der ehemaliger Banker und Risikocontroller seine Strategie in diesen Tagen etwas modifiziert, weil er „für die Zukunft eine stabilere Entwicklung und eine niedrigere Volatilität des wikifolios“ erreichen will.

Zehn Aktien mit den meisten Trades (14.07.-21.07.2015)

# Name ISIN TradingVolume All
1 BarrickGold CA0679011084 884.094,44 145
2 GOLD-T Dez5 C 1130 DE000LS0HS47 118,4 65
3 GOLD-T Dez5 C 1100 DE000LS0HS13 1.292,03 61
4 ETF Gold DE000A0S9GB0 11.936,35 46
5 Open End-Turbo-Optionsschein auf Gold DE000TD1YEL0 37.525,78 44
6 Goldcorp CA3809564097 19.464,41 41
7 GOLD-T Dez5 P 1170 DE000LS0QG99 55.122,96 41
8 COMSTAGE NYSE ARCA GOLD BUGS LU0488317701 739,24 39
9 Open End-Turbo-Optionsschein auf Gold DE000TD1YEM8 4.921,39 36
10 GOLD-T Dez5 C 1140 DE000LS0HS54 150,55 35

*Basis: alle investierbaren wikifolios*

Alle wikifolios mit Barrick Gold (ISIN: CA0679011084) im Depot.