Erneuerbare oder fossile Energie – wo bleibt die Rendite und wo die Moral?

Energie ist teuer. Das lässt sich auch an der Börse ablesen. Die Erholung der Ölpreise von den Folgen der Corona-Pandemie setzte eine Rally bei Öl-Aktien in Gang, die bis heute anhält. Beflügelt vom Ukraine-Krieg, der Öl und Gas nochmal verteuerte, bleiben erneuerbare Energien auf der Strecke. So scheint es. Was wurde aus Solar-, Windenergie und Co? Was wurde aus dem Kampf gegen den Klimawandel und dem Siegeszug der Erneuerbaren? Wir sprechen mit Tradern, die unterschiedliche Meinungen zur Frage „fossil oder erneuerbar“ vertreten.

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Quelle: unsplash.com

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fossile Energieträger wie Öl, Gas, Kohle oder auch Uran und die zugehörigen Aktien haben in den letzten Monaten höhere Renditen generiert als erneuerbare Energie-Aktien.
  • Die EU erhöht seit Kriegsbeginn ihre Anstrengungen in Richtung Energiewende und baut die erneuerbare Energie-Kapazitäten massiv aus.
  • wikifolio Trader reiten großteils die grüne Welle - wegen der Renditeaussichten UND aus moralischen Gründen. 
  • Die Aktien aus dem Bereich erneuerbarer Energien weisen viele unterschiedliche Risiken auf, die Investoren berücksichtigen und im Einzelfall bewerten müssen.

Das reine Gewissen ist gesichert, die Rendite nicht so sehr. Wer auf Sicht von 12 Monaten in erneuerbare Energie-Aktien investiert war, schaut heute weitgehend durch die Finger. Der S&P Global Clean Energy Index hat gut fünf Prozent verloren – und steht damit ähnlich schlecht da wie der globale Aktienmarkt. Die totgesagte Öl- und Gas-Branche indes erlebt eine Renaissance. Der S&P Global Oil Index hat sich im selben Zeitraum um über 31 Prozent verteuert.

Nun hätte doch spätestens der Ukraine-Krieg die Erneuerbaren beflügeln müssen – schließlich hat der Angriff Russlands die Dringlichkeit erhöht, in alternative Energie zu investieren, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Unmittelbar nach dem 24. Februar, als Russland in die Ukraine einmarschierte, verteuerten sich die entsprechenden Aktien auch rasant um bis zu 20 Prozent. Doch diese Rally war, anders als bei der fossilen Konkurrenz, nicht von Dauer.

Ein vorübergehender Rückschlag für „grüne“ Aktien

wikifolio Trader Arnd-Rüdiger Schwarz (ARMEGAS) liefert eine mögliche Erklärung: „Gingen viele Anleger direkt nach Beginn des Krieges noch davon aus, dass es eine viel stärkere Förderung der erneuerbaren Energien geben wird, so ist aktuell der Ausblick eher der, dass die bisherigen Energielieferungen aus dem Osten durch Lieferungen aus anderen Regionen ausgeglichen werden sollen.“ Tatsächlich hat die EU ihr Augenmerk verstärkt auf alternative Gaslieferungen über den Markt für Flüssigerdgas (LNG) gerichtet, um kurzfristig – im Jahr 2022 – die Importe von russischem Gas zu reduzieren.

Das ist aber für Schwarz kein Grund auf die Aktien des Öl- und Gas-Sektors zu setzen. In seinem wikifolio Investment in Wasserstoff Aktien konzentriert er sich auf erneuerbare Energie: „Bis zum 24. Februar ist die Welt übereinstimmend der Meinung gewesen, dass die größte Gefahr für die Menschheit vom Klimawandel ausgeht.“ Mit dem Krieg, so Schwarz, seien andere Bedrohungsszenarien in den Vordergrund getreten – vorübergehend: „Ich denke, dass der Fokus mittelfristig wieder auf die Verlangsamung des Klimawandels gerichtet sein wird. Dass in einem solchen Umfeld "grüne" Aktien den Aktien von Anbietern, die auf fossile Brennstoffe setzen, überlegen sein werden, ist eigentlich offensichtlich. Dass solche Trends dennoch nicht in einer geraden Linie verlaufen, hat die jüngste Krise wieder einmal anschaulich gezeigt.“

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Kennzahlen

  • +304,0 %
    seit 11.09.2018
  • +14,3 %
    1 Jahr
  • 0,89×
    Risiko-Faktor
  • EUR 16.048.525,05
    investiertes Kapital
Ø-Perf. pro Jahr: 42,1 Prozent

Verwunderlich ist dies nicht, schließlich lassen sich Kapazitäten für Solar- und Windenergie nicht über Nacht ausbauen. Der Ukraine-Krieg hat die diesbezüglichen, ohnehin schon ehrgeizigen Ambitionen der EU aber noch verstärkt. Laut Schätzungen des Vermögensverwalters Janus Henderson wollen die politischen Entscheidungsträger die zusätzliche Kapazität an erneuerbaren Energien bis 2030 auf 900 Gigawatt (GW) verdoppeln. Zum Vergleich: Die 10 führenden Unternehmen in diesem Bereich kamen laut Janus Henderson und Goldman Sachs 2020 auf eine installierte Kapazität von insgesamt 123 GW – Nummer 1 ist die spanische Iberdrola mit 22.

Erneuerbare Energie-Aktien: Langfristig gut, aber…

Auch wikifolio Trader Elmar Peine (Potter) schlägt sich eher auf die „grüne“ Seite. In sein wikifolio Das Polit-Büro kommen Aktien, die aus politischen Kalkülen einen Wertzuwachs versprechen. Für „Fossile“ spreche nur ein einziges Argument: „Totgesagte leben länger!“ Indes sind die mittel- und langfristigen Aussichten für die Aktien von grünen Energieanbietern laut Peine zwar generell sicher sehr gut, aber: „Oft bleiben es spekulative Investments, bei denen diverse Risikofaktoren eine entscheidende Rolle spielen können.“ So seien etwa in der Wasserstoff-Branche die mittelfristigen Umsatzchancen noch unsicher, in anderen Fällen wie zum Beispiel der chinesischen JinkoSolar sorge das politische Umfeld für Fragezeichen. Risikofaktoren können dem Trader zufolge auch ethische Bedenken sein – gesehen zuletzt etwa bei Verbio. Die Deutschen stellen Biokraftstoffe aus Lebensmitteln her, was vor dem Hintergrund des Krieges und steigender Getreidepreise politischen Gegenwind erzeugt hat.

Die Zukunft der erneuerbaren Energie oder das Streben nach Nachhaltigkeit sieht Peine durch den Krieg jedenfalls nicht gefährdet: „Krisen sind immer auch reinigende Gewitter, so fördern sie die Bereitschaft für Neues. Das hat sich in der Corona-Krise mit dem Siegeszug der Erneuerbaren gezeigt.“ So hatte die Politik mit der EU-Offenlegungsverordnung 2020 Rückenwind für nachhaltige Investments erzeugt, was die Aktienkurse in die Höhe trieb.

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Kennzahlen

  • +880,8 %
    seit 03.01.2013
  • +23,0 %
    1 Jahr
  • 1,09×
    Risiko-Faktor
  • EUR 1.757.176,27
    investiertes Kapital
Ø-Perf. pro Jahr: 25,9 Prozent

Nachhaltigen Geschäftskonzepten gehört die Zukunft

Für Jennifer Rasch (GoldmarieFinanz) ist ethisches und ökologisches Investieren aber kein Hype, sondern eine Frage der Moral: „Demokratie, Grundrechte, Informationsfreiheit und das internationale Völkerrecht ermöglichen uns ein gutes, freies und friedliches Leben. Eine Geldanlage ist eine Beteiligung an Geschäftspraktiken und für mich ist klar, dass man hier die gleichen Maßstäbe setzen muss, wie in allen anderen Lebensbereichen.“

Der Ukraine-Krieg mache deutlich, wie wichtig nachhaltige Geldanlage ist, erklärt Rasch: „Mit der Energiewende, weg von fossilen Energieträgern, hin zu einem breiten Potpourri aus erneuerbaren, grünen Energien können wir nicht nur den drohenden Klimawandel abmildern, sondern uns auch aus der Abhängigkeit von brutalen Regimes mit fragwürdigem Rechtsverständnis befreien. Daher halte ich den Ausschluss fossiler Energieträger in Geldanlagen jetzt für wichtiger denn je.“ Rasch ist überzeugt: „Nachhaltigen Geschäftskonzepten gehört die Zukunft.“

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Kennzahlen

  • +45,9 %
    seit 24.03.2020
  • -7,6 %
    1 Jahr
  • 0,59×
    Risiko-Faktor
  • EUR 499.633,97
    investiertes Kapital
Ø-Perf. pro Jahr: 15,2 Prozent

Deutlich mehr Chancen bei Öl, Kohle oder Uran

Ganz anders geht aktuell Philipp Weller (Phillippoooo) vor. Er setzt in seinem wikifolio Multi-Asset Allokation auf eine breite Mischung aus Rohstoff- und Energieaktien – vorrangig Öl, Kohle oder auch Uran. Die Performance gibt ihm Recht, die aktuelle Beliebtheit des wikifolios ebenso. Auf die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit kontert der Trader: „Bei dieser Diskussion wird oft vernachlässigt, dass Energie Lebensqualität bedeutet. Insofern finde ich es moralisch fragwürdig weniger privilegierten Bevölkerungsgruppen auf dieser Welt, insbesondere Entwicklungsländern, den Zugang zu günstiger Energie zu verwehren. Vor diesem Hintergrund befürworte ich Investitionen in fossile Energieträger, um die Transformation zu mehr erneuerbaren Energien für alle so erträglich wie möglich zu gestalten. Im Kampf gegen den Klimawandel wird aber Atomstrom auch eine wesentliche Rolle einnehmen müssen, nur mit erneuerbaren Energien wird es nicht funktionieren.“

Weller rechnet nicht mit einer Entlastung bei den Energiepreisen, wenn der Ukraine-Krieg endet: „Ich gehe auch nach einer Lösung des Konfliktes von steigenden Energiepreisen aus, da die zugrundeliegenden Probleme – zu wenig Investitionen in fossile Energieträger und daher zu wenig Angebot – nach wie vor bestehen.“ Gerade die hohen Energiepreise und teuren Inputrohstoffe, wie etwa Kupfer und Nickel, würden Anbieter erneuerbarer Energie derzeit besonders belasten und ein Investment unattraktiv machen: „Ich sehe bei fossilen Energieträgern deutlich mehr Chancen“, summiert der Trader. Wellers Favoriten sind die Aktien von Baytex Energy (Öl) und Peabody Energy (Kohle), die beide auch in seinem wikifolio vertreten sind.

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Kennzahlen

  • +260,4 %
    seit 16.05.2018
  • +65,1 %
    1 Jahr
  • -
    Risiko-Faktor
  • EUR 2.780.511,97
    investiertes Kapital
Ø-Perf. pro Jahr: 39,1 Prozent

Erneuerbare Energie: Das sind die 10 Top Picks der Community

Du willst wissen, auf welche „grünen“ Aktien die wikifolio Trader vorrangig setzen und wie sich die Stimmung seit Kriegsbeginn entwickelt hat? Die Antwort darauf gibt’s hier:

Die 10 Top Picks der Community

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