Pharma-Branche: Investment-Mega-Trend der kommenden Jahre

Dank des Wettlaufs um den Corona-Impfstoff sind Pharma-Unternehmen in aller Munde. Die Branche hat für Investoren allerdings noch viel mehr zu bieten.

Gesundheitsbranche-Mega-Trend
Quelle: Pixabay, pexels.com

Biontech, Moderna und Co. sind dank der Impfstoff-Rally die heißen Eisen am Finanzmarkt. Kurssprünge von weit über 100 Prozent in wenigen Monaten zeigen dies eindrucksvoll. Das entscheidende Rennen der Gesundheitsbranche findet jedoch an ganz anderer Stelle statt. Gemeint ist der demografische Wandel der Weltbevölkerung und die Frage, wer davon profitieren kann.

Was dieses Thema aus Investorensicht so attraktiv macht, erklären die beiden wikifolio-Top-Trader Arne Briest ( ArBriest ) und Marco Heine ( AlbrechCieAG ). Außerdem erläutern die beiden Branchen-Experten, welche Gesundheits-Unternehmen in den kommenden Jahren die Nase vorne haben werden und geben Tipps dazu, wie man diese richtig bewertet.

Demografischer Wandel: Der Mega-Trend

Vorhersagen über die Zukunft sind meist mit Vorsicht zu genießen, dass die Gesundheitsbranche in den kommenden Jahren und Jahrzehnten florieren wird, lässt sich aber mit Fug und Recht behaupten. Heine, der das wikifolio Top Global Healthcare verwaltet, erklärt, woran das liegt: „Wirft man einen Blick auf soziodemographische Aspekte, so führen die zunehmende Überalterung sowie veränderte Lebensgewohnheiten in der Bevölkerung zu einer erhöhten Nachfrage nach Medikamenten. Außerdem sollte man ebenso wenig außer Acht lassen, dass das Wohlstandswachstum in den Schwellenländern erstmalig einer breiteren Masse die Finanzierung spezieller Therapien ermöglicht.“

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Kennzahlen

  • +51,4 %
    seit 24.10.2018
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    1 Jahr
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  • EUR 3.028.938,69
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Auf den demografischen Wandel setzen!

Briest führt weiter aus: „Mit diesem Wachstum und der Veränderung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten nehmen Erkrankungen wie Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen, Übergewichtigkeit, Orthopädische Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, onkologische Erkrankungen, Hauterkrankungen, Hals-Nasen und Ohrenerkrankungen, psychische Erkrankungen und Schlafstörungen zu.“

Die Zukunft ist digital

Die durch diese demografischen Veränderungen bewirkte Nachfragesteigerung nach altbekannten Medikamenten wird bei weitem nicht die einzige Veränderung sein, welche die Gesundheitsbranche in den nächsten Jahren erleben wird. Teure Innovationen und steigende Lohnkosten führen laut Top-Trader Briest, der seit 2013 das auf den Gesundheitssektor spezialisierte wikifolio Healthcare Demography verwaltet, zur zunehmenden Digitalisierung der Branche: „Lösungsansätze finden sich in Künstlicher Intelligenz (KI), Big Data, Robotik, 3D-Druck und Nanotechnologien, Digitaler Technologie, Biosensoren und Trackern, Synthetischer Biologie, Internet of Things und Biotechnologie.“ Schon jetzt lassen sich laut Briest konkrete Themenbereiche und Trends erkennen: „Die weitere Entwicklung der Gen-Schere (CRISPR/Cas9), des Brain-Computer-Interface, von 3D-Druck (Zelldruck und Biomaterialien) und die Nutzung von KI und Augmented Realität.“

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Kennzahlen

  • +351,8 %
    seit 16.01.2013
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    1 Jahr
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Auch Heine betont die Bedeutung der Innovations- und Technologiefreudigkeit der einzelnen Unternehmen: „Die Profiteure werden hauptsächlich jene Unternehmen sein, die es selbst im Gesundheitssektor schaffen, Skaleneffekte zu ermöglichen und zur Effizienzsteigerung in der Therapie und/oder der Forschung beizutragen. Somit rücken Unternehmen, die in den Bereichen Medizintechnik, Biotechnologie, KI, Information und Vernetzung aktiv sind in den Fokus.“

Heine glaubt, dass in den nächsten Jahren vor allem die Nachfrage nach genaueren Diagnoseverfahren, Innovationen in der bildgebenden Diagnostik (CT, MRT, etc.), (automatisierten) Präzisionswerkzeugen, neuen (individualisierten) medikamentösen Therapien und dem Tissue Engineering – der Produktion künstlicher Organe – steigen wird.

Die Gründe dafür sind laut dem Top-Trader naheliegend: „Je innovativer das bildgebende Gerät ist, desto präziser lassen sich Verletzungen/Erkrankungen lokalisieren, die Ursachen feststellen und die idealen Therapieformen ermitteln. Präzisionswerkzeuge erleichtern Operationen und mindern Risiken von Komplikationen und Folgeschäden, wodurch auch Folgekosten sinken.“

Das Beispiel Tissue Engineering lässt sich laut Heine dadurch begründen, dass Lebendspenden nur bei Nieren und Leberteilspenden möglich sind und nach wie vor viele Menschen sterben, weil ihnen ein Spenderorgan fehlt: „Postmortale Organspenden sind oftmals nicht möglich, da nicht viele Tote zu Lebenszeiten einen Organspendeausweis ausgefüllt haben und wenn doch, viele Organe nicht zu gebrauchen sind. Daher können Fortschritte in diesem Bereich mit großer Sicherheit Leben retten.“

Heine ergänzt außerdem noch einen weiteren Trendbereich: „Betrachtet man die Bereiche seltener Krankheiten sowie der personalisierten Medizin, so ist davon auszugehen, dass mit innovativen Therapieansätzen Patienten gezielt behandelt werden und somit neue Märkte erschlossen werden können. Darüber hinaus dürften die Biosimilars fortan stärker in Erscheinung treten und attraktive Chancen bieten.“

Die Profiteure

Auch Briest glaubt an die Bedeutung der Biosimilars: „In der Arzneimittelindustrie und bei den Wirkstoffherstellern werden die Unternehmen im Bereich Biosimilars und Immuntherapie-basierter Medikamente größere Zuwächse als andere Unternehmen erzielen.“ Der Top-Trader spart nicht mit Beispielen und nennt als Profiteure: „ Pfizer, Curevac, Moderna, Eli Lilly and Company, Genmab, Sanofi, Bayer Animal Health, Genentech (ein Unternehmen der Roche Gruppe), Regeneron, Genevant, Fosun Pharma und Lonza.“

In Anbetracht des demografischen Wandels, gibt es laut Briest noch weitere Gewinner: „Nach Erkrankungen vorgegangen werden Unternehmen im Bereich Diabetis, onkologischer Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Herzkreislauferkrankungen verstärkte Zuwächse erzielen. Es sind hier Unternehmen wie Novo Nordisk, Dexcom, Tandem, Insulet, Biontech, Eckert und Ziegler, Novocure, Davita, Fresenius, Outset Medical, Shockwave, Boston Scientific und Medtronic zu nennen.“

Gesundheitsunternehmen richtig bewerten

Will man in Gesundheitsunternehmen investieren, gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Heine erklärt: „Die Analyse muss miteinbeziehen, dass die Entwicklung des Cash-Flows dem Produktlebenszyklus folgt, welcher sich grundlegend von dem in der Industrie unterscheidet. Obendrein sind erfolgreiche Unternehmen im klassischen Bereich oft durch Innovatoren bedroht, die durch eine neue Herangehensweise die Marktkräfte verschieben können.“

Briest ergänzt: „Aus der Sicht eines Finanzanalysten unterscheidet sich die Analyse und Bewertung von Gesundheitsunternehmen nicht von anderen Unternehmen. Es werden verschiedene Faktoren bewertet: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Umsatzwachstum, PEG und so weiter. Nach meiner Meinung wichtiger sind jedoch die Marktdynamik (Skaleneffekte, demographische Trends, etc.), KI-Kompetenz, Ausgaben in Forschung und Entwicklung, Technologie und Patentanalysen und zunehmend das Online-Marketing und der Grad der Digitalisierung des jeweiligen Unternehmens.“


Disclaimer: Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf www.wikifolio.com, www.ls-tc.de und www.ls-d.ch hingewiesen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden.