14.05.2018| Von: Michael Flender |

 

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Die Berichtssaison ist die Zeit, in der es zu größeren Kursausschlägen bei Aktien kommen kann, wenn Erwartungen übertroffen oder enttäuscht werden. Doch wie können Trader von dieser Volatilität profitieren? Wie können Quartalszahlen aktiv gehandelt werden?

Die folgenden zwei Beispiele sollen Antworten auf diese Fragen liefern und zeigen, wie man diese Börsenphase für sein Depot nutzen kann.

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Aktive Trader wollen vor allem eines: Volatilität. Und diese gibt es insbesondere in der Berichtssaison. Hier werden durch Quartalszahlen und Ausblicke der Unternehmen Impulse für die nächsten Wochen und Monate geliefert. Oft kommt es unmittelbar zu stärkeren Kursbewegungen und nicht selten auch zu Trendwenden. So können Zahlen, die besser als erwartet ausfallen, die Basis für einen neuen Aufwärtstrend bilden - selbst für Aktien, die zuvor wochen- oder monatelang in einer Seitwärtsphase bzw. Lethargie gefangen waren.

Noch wichtiger als die Quartalszahlen ist aber oft der Ausblick auf das laufende Jahr oder neue Mittelfristprognosen (zwei bis fünf Jahre). Wenn es hier positive Überraschungen gibt, kann sich ein wahres Kursfeuerwerk entwickeln, insbesondere dann, wenn die Aktie zuvor kaum nach oben gelaufen ist.

Worauf es bei den Zahlen ankommt

Trader sollten besonders auf eine Erhöhung der Umsatz-, der EBIT- oder der Margenprognose achten. Wenn eine oder mehrere dieser Kennzahlen nach oben korrigiert werden, kann der Kurs nicht selten zweistellig zulegen und über Wochen und Monate steigen - zumal Analysten ihre Schätzungen in der Folge meist anheben. Entsprechend kaufen auch große Fonds schrittweise mehr Aktien und treiben den Kurs an.

Wie die Umsetzung in der Praxis funktioniert

Wie können Trader also von den Impulsen aus der Berichtssaison profitieren? Meist melden die Unternehmen die Quartalszahlen und Ausblicke vor Börseneröffnung zwischen 7:00 und 7:30 Uhr. Eine Übersicht, wann welches Unternehmen Zahlen meldet, gibt es zum Beispiel bei finanzen.net. Um die gemeldeten Zahlen richtig einordnen zu können, empfiehlt sich insbesondere der kostenpflichtige Newsticker der DPA (DPA-AFX ProFeed), der auf einer Vielzahl an Broker- und Trading-Plattformen eingebunden ist. Dort werden auch immer die aktuellen Schätzungen der Analysten genannt. Es gibt aber auch kostenlose Anbieter wie Guidants oder FinanzNachrichten.de.

Im Falle von beispielsweise Pfeiffer Vacuum und Sartorius ist diese Strategie perfekt aufgegangen.

Beispiel 1: Pfeiffer Vacuum

Pfeiffer Vacuum meldete die Zahlen am 3. Mai vorbörslich kurz nach 7:30 Uhr. Die Prognosen beim Umsatz und EBIT wurden sehr deutlich übertroffen. Zudem ist das Management auch für das Gesamtjahr optimistisch.

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Die Aktie hatte die gute operative Entwicklung bisher nicht eingepreist. Sie lief über Wochen und Monate eher nach unten, zuletzt hatte sich der Kurs bei 120 Euro stabilisiert. Es kam daher um 9 Uhr zu einem Aufwärtsgap (Kurslücke). Das ist bei deutlich über den Prognosen liegenden Zahlen keine Seltenheit und sollte bei dieser Strategie kein Grund sein, nicht zu kaufen. Man hätte in diesem Beispiel-Trade zu Kursen knapp über 130 Euro einsteigen können.

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Eine Garantie für steigende Kurse gibt es natürlich nie, entsprechend braucht man als Trader auch immer eine Ausstiegsstrategie. Für eine mögliche Verlustbegrenzung wähle ich immer das Kursniveau vor den Quartalszahlen - in diesem Fall also bei etwa 125 Euro. Der Stop-Loss gilt bei mir aber immer nur auf Schlusskursbasis, das heißt ich verkaufe dann, wenn der Schlusskurs unter mein Limit fallen sollte. Ich setze keinen Stop-Loss im System, da es vor allem nach solchen News teilweise zu heftigen Kursausschlägen kommt und man entsprechend unglücklich ausgestoppt werden kann. In diesem Fall ging das Szenario perfekt auf, die Aktie ist seit den Quartalszahlen über 15 Prozent gestiegen.

Beispiel 2: Sartorius

Ein weiteres Beispiel ist Sartorius. Hier gab es gleich zwei Newsimpulse. Ende Januar wurden besser als erwartete Zahlen samt positivem Ausblick vorgelegt.

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Die Aktie konnte dadurch auf ein neues Hoch ausbrechen. Untermauert wurde der Ausbruch in der Folge durch neue Mittelfristziele, die Analysten so nicht auf dem Schirm hatten: Sartorius verkündete am 21.Februar, die Umsätze bis 2025 auf vier Milliarden Euro steigern zu wollen. Die Marge soll sogar auf 28 Prozent zulegen.

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Die Aktie hat seitdem eine fulminante Rallye hingelegt. Es gab zwar immer wieder kurze Rücksetzer, aber insgesamt beläuft sich das Kursplus aktuell auf rund 40 Prozent.

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Michael Flender ist wikifolio-Trader und betreut als „GoldeselTrading“ die beiden wikifolios „Goldesel-Investing“ sowie „Goldesel-Trading“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seiner wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. Die Charts wurden mit Traderfox erstellt.


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