08.06.2018| Von: Lukas Spang |

 

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Am Donnerstag hatte die Privatbank Quirin zur eigenen alljährlichen Investorenkonferenz "Quirin Champions 2018" am Frankfurter Flughafen eingeladen. 21 Unternehmen, darunter bekannte Namen wie Vectron, Datagroup, GFT oder LPKF, präsentierten sich vor zahlreichen Investoren. In Einzelgesprächen hatten diese die Möglichkeit sich von den Vorständen über die aktuelle Geschäftsentwicklung und die Aussichten informieren zu lassen.

Doch waren auch nur "Champions" vor Ort?

Ein Blick in das Programm lässt mit der Baumot Group zumindest direkt einen Kandidaten erblicken, der seit Jahren als verlässlicher Verlustgarant bekannt ist. Aktuell möchte das Unternehmen insbesondere von der Thematik um mögliche Dieselfahrverbote profitieren und hat hier mit einer Hardwarelösung namens „bnox“ ein entsprechendes Tool entwickelt. Ob der Plan für Baumot letztlich aber aufgeht, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch komplett unklar. 

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Ein Beispiel für einen wirklichen „Champion“ dürfte dagegen die MBB-Aktie sein. In den vergangenen Jahren wurde das Portfolio des Beteiligungsunternehmens erfolgreich ausgebaut. Der Aktienkurs hat sich dadurch vervielfacht. 2017 konnte zudem mit dem Börsengang der Tochtergesellschaft Aumann, ein Spezialist im Bereich Elektromobilität, der wohl größte Erfolg der Unternehmensgeschichte verzeichnet werden.

„Fallen Angels“

Daneben waren mit der LPKF Laser & Electronic oder der GFT Technologies aber auch zwei „Fallen Angels“ dabei. Von der einstigen dynamischen Geschäfts- und Aktienkursentwicklung ist nichts mehr übrig - die Papiere brachen in den letzten Jahren um über 50 Prozent ein.

Es zeigte sich aber dennoch auch auf der Konferenz von Quirin erneut das große Interesse an kleineren Unternehmen, den Small Caps. Viele Investoren erkennen offensichtlich zunehmend die sich ergebenden Ineffizienzen bei diesen Unternehmen. Ich hatte im Rahmen der Konferenz sieben Gespräche mit Vorständen. Für mich waren dabei insbesondere drei Unternehmen wirkliche „Champions“. Entsprechend positiv bin ich für die Aktien gestimmt.

MBB | 300 Millionen Euro Cash für Akquisitionen

Der MBB gelang, wie bereits erwähnt, im vergangenen Jahr mit dem Börsengang der Tochtergesellschaft Aumann der wohl größte Erfolg in der Unternehmensgeschichte. Durch einen Verkauf von Aktien und eine Kapitalerhöhung der Gesellschaft, an der MBB nicht teilnahm, ist der Anteil von 52 Prozent nach dem IPO auf nun 38 Prozent gesunken. Allein dies steht bei einer Marktkapitalisierung der MBB von knapp 640 Millionen Euro für einen Wert von rund 360 Millionen Euro.

Der IPO-Erlös sowie der bestehende Bestand an finanziellen Mitteln von knapp 300 Millionen Euro stehen nun für weitere Akquisitionen und somit den Ausbau des Portfolios zur Verfügung.

MBB


Neben Zukäufen auf Ebene der Gesellschaften, sogenannten Add-on Akquisitionen, sollen auch neue direkte Beteiligungen eingegangen werden. Dadurch soll der Umsatz bis 2020 auf 750 Millionen Euro steigen, nach 500 Millionen in diesem Jahr. Hierzu soll neben Aumann auch die Beteiligung DTS beitragen. Der Umsatz des Anbieters von Cyber Security-Lösungen soll sich ausgehend von 46 Millionen in 2017 in Zukunft auf 100 Millionen Euro verdoppeln.

Hier schließt der CEO und Großaktionär Nesemeier auch einen weiteren Börsengang nicht aus. Derzeit gebe es aber dazu keinen Anlass. Zudem sei das Börsenumfeld zur Zeit nicht gut genug. Fakt ist aber: Ein Börsengang der DTS würde höchstwahrscheinlich für einen neuen Schub bei der Aktie sorgen. Aber auch ungeachtet dessen bleibt der Titel mit einer derzeitigen Sum-of-the-Parts Bewertung von über 750 Millionen Euro unterbewertet.

PSI | Langer Atem dürfte belohnt werden

Einen sehr überzeugenden Eindruck hat Harald Schrimpf, CEO von PSI, hinterlassen. Das Unternehmen, welches im Bereich leittechnischer Softwarelösungen für Energieversorger und Industrieunternehmen agiert, investiert aktuell viel Geld in neue Themen wie Industrie 4.0, künstliche Intelligenz und die eigene Softwareplattform. Die Kunden profitieren dabei insbesondere von Effizienzsteigerungen in der Produktion durch einen verbesserten Einsatz von Arbeit, Energie und Rohstoffen.

Derzeit befindet sich PSI daher in einer Transformationsphase zu Software-as-a-Service Lösungen. Der CEO will das Unternehmen dabei noch mehr auf das Softwaregeschäft ausrichten und erwartet sich dadurch nicht nur ein stärkeres Wachstum sondern auch deutlich höhere Margen.

Bis 2022 soll der Umsatz zunächst jährlich um knapp fünf Prozent auf 235 Millionen Euro steigen. Die EBIT-Marge soll sich von zuletzt rund sieben auf 10-13 Prozent verbessern. Für die Folgejahre wird dann mit einem dynamischeren Wachstum gerechnet - die Marge soll sich in Richtung 20 Prozent entwickeln.

PSI Software


Außerdem erschließt das Unternehmen beispielsweise im Bereich Produktion von Elektrofahrzeugen neue Geschäftsfelder. Darüber hinaus ermöglicht der Bestand an liquiden Mitteln von knapp 40 Millionen Euro Ende 2017 auch anorganisches Wachstum durch Übernahmen. Mit einem entsprechend langfristigen Zeithorizont dürfte sich dies auch im Aktienkurs niederschlagen.

Vectron | Digitalisierung der Gastronomie als Treiber

Wieder einmal sehr beeindruckend war der Auftritt des neuen Vectron-Vorstandsvorsitzenden Oliver Kaltner, der im Februar das Amt des bisherigen CEO Thomas Stümmler übernommen hatte. Dieser, mit 27 Prozent an Vectron beteiligt und Mitgründer der Gesellschaft, hatte sich auf der Hauptversammlung Mitte Mai in den Aufsichtsrat wählen lassen. Nach Bekanntgabe der Partnerschaft mit Coca-Cola Anfang 2017 hatte Stümmler den Fokus und die Phantasie der Aktie voll auf den Aufbau einer gemeinsamen Außerhausplattform gelegt.

Doch der neue CEO dreht den Spieß nun um und erklärt Coca-Cola nur als einen von vielen Teilen einer neuen Plattform, einem sogenannten Datencenter. Seine klare Sicht: Man dürfe sich nicht abhängig machen und außer Pepsi könnten sich jegliche Unternehmen daran anschließen.

Auf Grundlage einer installierten Basis von rund 200.000 Kassen in Deutschland will Vectron zukünftig Cloud Services über Mietmodelle anbieten. Im Zuge der anstehenden Fiskalisierung bis Anfang 2020 soll so auch die Gelegenheit genutzt werden, diese deutlich auszubauen. Neben Coca-Cola sollen dann auch andere Unternehmen für die die Kassen von Interesse sind, an die Plattform angeschlossen werden. Anfang Juli soll diese starten.

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Ein entsprechender finanzieller Anreiz wurde Kaltner zudem durch die Gewährung von 150.000 Aktienoptionen gesetzt. Das Besondere: Diese sind erst ab einem Kurs von 49,00 Euro wandelbar. Die kommenden Monate und Quartale dürften daher äußerst spannend werden.


Lukas Spang ist wikifolio-Trader und betreut als „Junolyst“ die beiden wikifolios „Chancen suchen und finden“ sowie „Top Pics of the Year“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seiner wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.