09.01.2015| Von: Andreas Kern |

Der Ölpreis ist zurzeit in aller Munde. Nachdem sich die Notierungen von Rohöl aufgrund der anhaltenden Produktionsüberschüsse in den vergangenen Monaten mehr als halbiert haben, steigt an den Börsen die Unsicherheit. Mittlerweile wird ein leicht steigender Ölpreis sogar als Begründung für Erholungen an den Aktienmärkten angeführt. Verkehrte Wert an den Börsen, denn meistens ist der Zusammenhang genau andersrum. Und so dürfte es auch nur eine Frage der Zeit sein, bis die aus den gesunkenen Rohstoffpreisen resultierenden positiven Auswirkungen auf die Gewinne vieler Unternehmen in den Fokus der Berichterstattung rücken. Einer der potenziellen Profiteure dieser Entwicklung ist die Deutsche Lufthansa, die sich über die günstiger gewordenen Treibstoffpreise freut. Auch deshalb wird die Aktie bei den wikifolio-Tradern seit Wochen sehr rege gehandelt.

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In den vergangenen drei Monaten hat sich die Kranich-Aktie denn auch deutlich besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Während der DAX in diesem Zeitraum „nur“ um rund zehn Prozent gestiegen ist, konnte die Lufthansa fast dreimal so stark zulegen. Der Großteil dieser Outperformance resultiert allerdings aus der überaus starken Phase zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember. Danach war keine Outperformance mehr zu erkennen. Was auch mit den oftmals vorsichtigen Einschätzungen der Analysten zusammenhängen dürfte, die vor allem den noch härter werdenden Wettbewerb unter den Billigfliegern als Problem für die Lufthansa ansehen. Der irische Konkurrent Ryanair hat dazu passend gerade angekündigt, den Marktanteil in Deutschland in den kommenden Jahren von aktuell vier auf 15 bis 20 Prozent steigern zu wollen. Hier droht Europas größter Fluggesellschaft neben den ständigen Streiks also die nächste wahrscheinlich recht teure Baustelle. Die Strategen der Commerzbank sind zumindest für das laufende Jahr dennoch optimistisch. So wurde die Schätzung für den operativen Gewinn 2015 wegen der gesunkenen Kerosinpreise um 34 Prozent angehoben.

Auch Michael Flender („GoldeselTrading“), der seit sechs Jahren hauptberuflich Daytrading betreibt, hat die Lufthansa mit einer Gewichtung von sechs Prozent als einen von derzeit von fünf Einzelwerten in sein wikifolio „Goldesel-Trading“ aufgenommen. Wie seine zahlreichen Kommentare andeuten, gefallen ihm bei der Aktie sowohl die fundamentalen als auch die charttechnischen Rahmenbedingungen: „Lufthansa kämpft wieder an der 14€ Marke, wenn diese überwunden wird sind deutlich höhere Kurse möglich. Lufthansa profitiert vom weiter schwachen Ölpreis, hier bleibe ich investiert“. Nachdem er zur Wochenmitte einige Stücke aus der Hand gegeben hatte („LHA gibt Gas, ich habe heute Morgen welche verkauft, weil ich mich durch einen Zeitungsartikel verunsichern lassen hab - Ryanair will Markt aufrollen bla bla ... - Naja paar sind ja noch im Wiki“), wurde die Position am Donnerstag wieder aufgestockt. Das im Oktober 2013 aufgelegte wikifolio liegt aktuell mit rund 65 Prozent im Plus. Der maximale Verlust von lediglich rund neun Prozent belegt, dass das Ziel („Trading ohne größere Drawdowns, stetige Gewinne durch gutes Marktgefühl und Chartanalyse“) ernst genommen und bislang auch erreicht wurde (ISIN des Zertifikats: DE000LS9CAV7).

Die 10 Aktien mit den meisten Trades (Stand: 01.01.2015 - 08.01.2015)

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Basis: Alle investierbaren wikifolios

Der seit über 20 Jahren mit Aktien, Optionen und Futures handelnde „Full-Time Trader“ Michael Stahl („MSInvestor“) hat die Airline-Aktie zuletzt eher als kurzfristiges Spekulations-Objekt genutzt. In seinem wikifolio „Investieren mit Leverage“ wurden mehrere erfolgreiche Trades abgesetzt. Mitte Dezember kaufte er mit der Begründung „Lufthansa verliert heute wegen Gewinnwarnung von KLM und Ablehnung der Gesamtschlichtung. Dieses lässt einen günstigen Einstieg zu“ einen gehebelten Turbo-Optionsschein von HSBC, der rund zwei Wochen später mit Gewinnen zwischen 23 und 27 Prozent wieder veräußert wurde. Das im September gestartete und seit einigen Wochen investierbare wikifolio (ISIN des Zertifikats: DE000LS9DTH4) verbucht bislang eine Performance von beeindruckenden 88 Prozent. Allerdings müssen sich Anleger hier auf stärkere Schwankungen einstellen, wie der maximale Verlust von rund 32 Prozent andeutet. Wenn die Grundtendenz weiterhin so positiv bleibt, werden risikofreudige Investoren solche temporären Rückschläge aber sicher gerne in Kauf nehmen.