Jetzt gibt’s Growth zum Schnäppchenpreis

Zinssorgen rütteln den Markt durch. Die Renditen der Staatsanleihen steigen, die Börsen fallen. Die Stimmung sei schlecht, schreibt die Commerzbank. Vier Top-Trader bleiben davon unbeeindruckt und sehen Chancen, wo andere ängstlich auf rote Kurstafeln blicken.

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Quelle: unsplash.com

Im Kampf gegen die Inflation soll die US-Notenbank Fed die Leitzinsen im laufenden Jahr viermal erhöhen. Das bekommt vor allem den Aktien von stark wachsenden Unternehmen aus der Tech-Branche nicht gut. Hier hat sich der Abverkauf zuletzt noch beschleunigt. Aber auch die Wasserstoff-Branche liegt (schon wieder) darnieder. Und mittlerweile fallen selbst Größen wie Meta Platforms oder Amazon , wenn auch deutlich langsamer als andere.

Wir haben vier Top-Trader nach den Ursachen für die Kursverluste und ihrer Einschätzung gefragt. Richard Dobetsberger sieht keinen Grund zur Sorge: „Eine Anhebung der Zinsen macht das Geld für wachsende Unternehmen teurer und die Risikobewertung der Investoren muss adaptiert werden. Das gehört dazu und ist für mich generell nicht beunruhigend.“

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Kennzahlen

  • +1.004,9 %
    seit 31.07.2012
  • +2,2 %
    1 Jahr
  • 0,67×
    Risiko-Faktor
  • EUR 5.462.628,02
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: +30,4 Prozent

Der perfekte Sturm

Bei ehemaligen Highflyern aus der Tech-Branche, wie etwa Zoom oder Peloton, trifft eine Reihe ungünstiger Umstände aufeinander, wie Philipp Haas weiß: „Diese Aktien waren viel zu teuer und wurden von günstigen Zinsen, Momentum und Privatanleger-Euphorie getrieben. Diese Faktoren haben sich nun ins Gegenteil verkehrt.“

Tech-Experte Stefan Waldhauser stimmt zu. Er spricht von einem perfekten Sturm, der insbesondere die Aktien von Corona-Gewinnern wie eben Zoom oder auch Peleton heimgesucht hat: „Die durch die Pandemie ausgelöste Sonderkonjunktur ist vorbei, die dadurch unnatürlich aufgeblähten Wachstumsraten fallen in sich zusammen. Die Momentum-Trader fliehen aus den Aktien, die Bewertungen waren aber viel zu hoch, sodass die starken Hände der langfristigen Investoren nicht zugreifen wollten. Das Resultat haben wir gesehen, die Aktien haben weit mehr als 70 Prozent ihrer Höchststände eingebüßt.“

Growth, Value oder beides in einem?

Viele Wachstumstitel („Growth“) waren also einfach zu teuer. Ihr Ende dürfte die Zinswende nun aber nicht einläuten, selbst wenn in den vergangenen Wochen die guten, alten „Value“-Aktien die Nase vorne hatten. Philipp Haas entgegnet: „Ich würde die Begriffe nicht so stark trennen, da viele Growth-Titel zu Value-Bewertungen zu haben sind und viele Growth-Titel auch zu Unrecht heruntergekommen sind.“

Profitabel vs. unprofitabel

Entscheidend ist laut Christian Thiel die Frage, ob die Unternehmen profitabel sind oder nicht. Er ist sicher: „Wir sehen eine ‚risk-off‘-Entwicklung an der Börse. Riskant sind vor allem unprofitable Anlagen. So mangelt es zum Beispiel Wasserstoff-Aktien an Profitabilität und es ist derzeit auch nicht zu erkennen, woher die kommen soll. Bei vielen Tech-Aktien ist die Lage anders. Auch sie setzen in erster Linie auf Umsatzwachstum – aber viele, wie zum Beispiel Zoom, verdienen gutes Geld. Diese Abverkäufe bei High-Tech-Aktien gab es in den vergangenen Jahren wieder und wieder. Und immer wieder hieß es, jetzt sei die Stunde von Value. Daraus ist nie etwas geworden. Tech liegt nun seit 20 Jahren vor dem breiten Markt. Das dürfte auch in den nächsten 10 Jahren so bleiben.“

Stefan Waldhauser sieht Chancen und hat etwa Zoom und Peloton nach dem Kurseinbruch nun auf seine Watchlist gesetzt: „Es wird in den kommenden Wochen in der ersten Quartalssaison des Jahres große Volatilitäten und eine regelrechte Auslese geben. Die heiße Luft wird aus den verlustreichen Hype-Aktien weiter entweichen, während die zu arg verprügelten profitablen Wachstumswerte eine Auferstehung feiern könnten. Ich erwarte gute Zeiten für Stockpicker. Die Schnäppchenjagd bei sorgsam ausgewählten High-Growth-Aktien hat für mich und das High-Tech Stock Picking wikifolio in den letzten Tagen jedenfalls begonnen.“

Mehr zu Zoom und anderen Aktien in Waldhausers aktien.guide.

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Kennzahlen

  • +135,2 %
    seit 12.06.2016
  • -25,1 %
    1 Jahr
  • 0,87×
    Risiko-Faktor
  • EUR 12.465.292,42
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: +24 Prozent

Statt Hypes einfach großartige Unternehmen

Und wie geht Christian Thiel die nächsten Monate an? „Ich meide alle Hypes wie Wasserstoff, eMobility und auch Cannabis-Aktien sehr konsequent. Wer sich 2021 auf finanzstarke Marken-Unternehmen wie Apple , Novo Nordisk oder Lindt konzentriert hat, der ist sehr gut gefahren. Das wird auch 2022 so sein.“ Entsprechend befinden sich alle drei auch in seinem wikifolio Global Champions.

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cde

Kennzahlen

  • +102,1 %
    seit 13.01.2016
  • -13,6 %
    1 Jahr
  • 0,70×
    Risiko-Faktor
  • EUR 6.563.691,24
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: +16,6 Prozent

Besonders Apple bleibt Thiel treu. „Apple ist einer der interessantesten Werte im Bereich der eMobility. 2025 dürfte das Apple Car kommen. Das wird den Markt sehr deutlich aufmischen. Es sieht derzeit so aus, dass Apple mit Magna International zusammenarbeiten wird, um eine Produktion auf die Beine zu stellen. Dann dürfte der Umsatz des Konzerns in den nächsten zehn Jahren nicht ‚nur’ auf 700 Milliarden Dollar ansteigen, sondern könnte in Richtung 1.000 bis 1.200 Milliarden Dollar davonziehen. Apple ist derzeit eine der aussichtsreichsten Aktien unter den Blue Chips.“ Gute Chancen sieht Thiel außerdem bei Amazon: „Die Aktie ist im letzten Jahr kaum vom Fleck gekommen. Das wird sich in 2022 voraussichtlich ändern.“

Ein Hoch auf den Abverkauf

Haas wiederum sieht nicht nur Chancen bei einigen zurückgekommenen Wachstumstiteln, er sieht regionale Unterschiede: „Ich denke, China kann vor einem Comeback stehen, da es sich zu Jahresanfang schon ganz gut entwickelt hat und in 2021 extrem nach unten kam. Auch Europa sieht wegen den extrem niedrigen Zinsen, viel staatlichen Investitionen und mehr unterbewerteten Aktien nicht so schlecht aus.“

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Kennzahlen

  • +283,1 %
    seit 22.09.2012
  • -17,0 %
    1 Jahr
  • 0,53×
    Risiko-Faktor
  • EUR 9.750.401,48
    investiertes Kapital
Ø-Performance pro Jahr: +17 Prozent

Apropos unterbewertete Aktien, Dobetsberger bricht dann doch noch eine Lanze für „Value“: „Aus meiner Sicht könnte eine Renaissance der Unternehmen mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis bevorstehen. Eben Firmen, die schon gut Geld verdienen und durch etwaige weitere Zinserhöhungen, weniger leiden.“ Ob Growth oder Value, der aktuelle Abverkauf ermöglicht es jedenfalls, sich bei tollen (ausgewählten) Unternehmen günstiger einzukaufen. Wir werden sehen, ob und wo die Trader in den nächsten Tagen und Wochen zuschlagen.


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