12.12.2018| Von: Christian Thiel |

 

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Christian Thiel betreut als „sparstrumpf“ das wikifolio „Global Champions




Korrekturen sind dazu da, um günstig einzukaufen. „Buy the dip“ ist nicht umsonst eine der bekanntesten Strategien, um langfristig den Index zu schlagen. 

Warren Buffett hat sie wieder und wieder angewandt. Der Mann hat Nerven. In der Tat. Und reichlich Erfahrung mit Korrekturen, Bärenmärkten und Crashs. Er kauft gerne billig ein. Und er lässt sich von Katastrophen-Propheten und der Angst, die sie verbreiten, nicht anstecken. Recht hat er.  

 

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Kommen Korrekturen eigentlich immer im Doppelpack? Das fragt man sich unwillkürlich, wenn man einen Blick auf das ablaufende Jahr 2018 wirft. Wie am Chart des S&P 500 Index ablesbar, ging es zunächst im Februar und März heftig nach unten. Kaum hatten sich die Kurse in der Folge erholt und sogar neue Hochs generiert, drehten sie im Herbst schon wieder nach Süden ab. Beide Korrekturen sind in etwa gleich stark gewesen. Sie führten den Index jeweils um rund 10 Prozent nach unten. Dank der neuen Hochs im September beendete der S&P 500 aber seinen zweiten Abschwung doch ein kleines Stück höher als im Februar und März.

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Die Folgen einer Doppelkorrektur

Die Konsequenz einer Korrektur ist immer steigende Unsicherheit der Marktteilnehmer. Kommen zwei Korrekturen hintereinander, wie in diesem Jahr, dann erhöht das die Unsicherheit enorm. Plötzlich sind die Zeitungen voller warnender Stimmen. Von stark steigenden Gewinnen in den USA will keiner mehr etwas wissen. Von einer gut laufenden Konjunktur auch nicht. Und der fallende Ölpreis, der den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Übersee deutlich mehr Geld im Portemonnaie lässt, fällt kaum jemand auf. Stattdessen beherrschen Crash-Propheten die Medien. Und die Medien spielen gerne mit.

Das ist immer so, bin ich da versucht zu sagen. Immer? Werfen wir doch einen kurzen Blick auf die letzte Korrektur, die der Markt durchlaufen hat.

2015/16 - zum Verwechseln ähnlich

Die letzte Börse-Korrektur fand im Herbst 2015 bzw. Anfang 2016 statt. Damals lief alles ziemlich genau so ab wie im laufenden Jahr: Den Markt zerlegte es zweimal in Folge - im Rahmen einer Doppelkorrektur. Beim ersten Absturz waren die Anlegerinnen und Anleger in den Facebook-Börsengruppen noch gefasst und blieben optimistisch. Der Tenor: „Wird schon nicht so schlimm kommen!“

Im Januar schlug die Stimmung um. Jetzt warfen selbst besonnene Anleger ihre Aktien auf den Markt. Amazon-Papiere, zuvor für 700 Dollar gekauft, gingen für 480 Dollar weg. Ein Glück für alle, die angesichts der stürzenden Kurse in Kauflaune waren. Ein Unglück für die Verkäufer. Es dauerte gerade einmal 12 Wochen und Amazon stand wieder auf Allzeithoch. Die Verkäufer, die ihre Papiere in der Korrektur auf den Markt geworfen hatten, schauten den steigenden Kursen ungläubig hinterher. „Wie hatten sie sich nur so ins Bockshorn jagen lassen können?“ Sie erlagen den heftigen Emotionen einer Doppelkorrektur - zumal die zweite Welle des Sell Offs seinerzeit gravierender war als die erste (siehe Chart). Die Kurse fielen im Herbst 2015 um rund 10 Prozent, im Januar/Februar 2016 folgte der Einbruch um 12 Prozent.

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Und dennoch: Viel ist das nicht. Für eine Korrektur ist das noch immer ein völlig normaler Wert. Korrekturen gehen bis 20 Prozent – erst jenseits dieser Marke beginnt der Bärenmarkt.

Ein außergewöhnlicher Anstieg, eine normale Korrektur

Seit der Doppelkorrektur von 2015/16 hat der Markt keine weitere erlebt. Der S&P 500 kletterte von 1.830 auf 2.880 Punkte im Januar dieses Jahres. Das ist ein Anstieg von 57 Prozent. Ohne jede Unterbrechung.

Nicht die Doppelkorrektur von 2018 war daher das Absonderliche, sondern der ungebremste Anstieg des S&P 500, der sich ganze zwei Jahre vollzog. Volatilität ist der Preis, den wir an der Börse bezahlen. Dafür werden wir Anlegerinnen und Anleger fürstlich entlohnt. Korrekturen gehören zum Geschäft. Jedes Jahr gibt es im Durchschnitt eine. So ist das Leben.

„Buy the dip“

Korrekturen sind dazu da, um günstig einzukaufen. „Buy the dip“ ist eine der bekanntesten Strategien, um langfristig den Index zu schlagen. Warren Buffett hat diese Vorgehensweise wieder und wieder angewandt - in der Rezession von 1973, in der Crash-Korrektur von 1987 und in der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/09.

Der Mann hat Nerven. In der Tat. Und reichlich Erfahrung mit Korrekturen, Bärenmärkten und Crashs. Buffett kauft gerne billig ein. Er hält solche Ereignisse für tolle Einkaufszeitpunkte. Und er lässt sich von Katastrophen-Propheten und der Angst, die sie verbreiten, nicht anstecken. Recht hat er. Ich habe in dieser Woche eingekauft. Aktien sind derzeit günstig. Noch.

 

Disclaimer: Christian Thiel ist wikifolio-Trader und betreut als „sparstrumpf“ das wikifolio „Global Champions“. Darüber hinaus betreibt er den Blog „Großmutters Sparstrumpf“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen seines wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. Der Inhalt stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. 

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