14.10.2014| Von: Stefan Greunz |

Die rasante Talfahrt an den Aktienmärkten hat einige Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Die viele Jahre lang so erfolgreiche Strategie „Rückschläge zum Einstieg nutzen“ scheint diesmal nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Nachdem bei vielen großen Aktienindizes wichtige charttechnische Unterstützungszonen durchbrochen wurden, droht es an den Börsen vorerst weiter ungemütlich zu bleiben.

Gerade in solchen Phasen kann der überlegte Einsatz von Hebelprodukten und Exchange Traded Funds (ETF) eine sinnvolle Alternative zu reinen Aktienportfolios sein, weil man mit diesen Produkten auch von fallenden Kursen profitieren oder in anderen Anlageklassen aktiv sein kann. Die Höhe des Hebels und die Größe der jeweiligen Position sollten dabei aber gut durchdacht sein, um die Verlustrisiken für die Handelsidee nicht ausufern zu lassen.

Gerade das Vehikel der gehebelten Knock-out-Produkte gewinnt bei wikifolio-Tradern zunehmend an Beliebtheit. Fast 20 Prozent der aktuell rund 1760 investierbaren wikifolios sind auf Wunsch der Trader mit dem Zusatz „kann Hebelprodukte enthalten“ ausgestattet worden. Und die Anleger scheinen genau das zu mögen, wie die aktuelle Auswertung zu den jüngsten Kapitalzuflüssen zeigt. Die drei hier vorgestellten wikifolios sind Basis für wikifolio-Zertifikate sind, bei denen unterm Strich das meiste Anlegergeld seit unserer letzten Analyse am 24. September geflossen ist. Sie zählen allesamt zu dieser auf den ersten Blick als vergleichsweise riskant einzuordnenden Kategorie. In den Top-10 der meistgekauften wikifolio-Zertifikate finden sich lediglich zwei wikifolios, bei denen der Kauf von Hebelprodukten ausgeschlossen ist.

Obwohl der entsprechende Hinweis gerade für eher konservative Anleger ein wichtiges Entscheidungskriterium sein dürfte, muss die Frage „Hebelprodukte ja oder nein“ nicht zwingend Aufschluss über das Risikoprofil der wikifolios geben. Entscheidend ist vielmehr das grundsätzliche Risiko- und Positionsgrößenmanagement des Traders. Wer bei seiner Anlagestrategie ein gut durchdachtes Regelwerk hat und sich dann auch diszipliniert daran hält, der kann die ohne Zweifel vorhandenen Vorteile gehebelter Produkte auch nutzen, ohne dass dadurch gleich überdurchschnittlich hohe Verlustrisiken für das gesamte wikifolio entstehen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das unverändert sehr beliebte wikifolio „Wachstum mit 1 Aktie long/short“ von Christian Scheid („Scheid“). Das auf dieser Handelsidee basierende Index-Zertifikat mit einem Nettozufluss von gut 1,4 Mio. Euro in den vergangenen drei Wochen mit Abstand das meiste frische Kapital einsammeln konnte.

Wachstum mit 1 Aktie long/short

Obwohl bei dem überwiegend nur aus einer einzigen Position bestehenden wikifolio regelmäßig Hebelprodukte erworben werden, bewegen sich die Kursschwankungen bislang in einem überschaubaren Rahmen. Der Performance von rund 550 Prozent in nicht einmal einem Jahr steht ein maximaler Verlust von nur 17 Prozent gegenüber. Neben der Maxime, nie mehr als 15 Prozent des Gesamtkapitals in einem einzelnen Hebelprodukt anzulegen, spielt für den Trader auch die richtige Produktauswahl eine entscheidende Rolle. Vor allem bei einem Anlagehorizont von mehreren Tagen wird immer darauf geachtet, dass die Knock-out-Marke nicht zu eng am aktuellen Kurs liegt, damit das Risiko eines vorzeitigen Verfalls bei einem Bruch dieser Marke selbst bei starken Kursausschlägen möglichst gering ausfällt. Dadurch arbeitet der Trader auch nur selten mit wirklich exorbitant hohen Hebeln. In Kombination mit der beschränkten Positionsgröße ergibt sich so für das wikifolio selbst kaum ein echter Hebeleffekt. Letztendlich macht es schließlich keinen großen Unterschied, ob das Kapital zu 100 Prozent in einer Aktie oder zu 15 Prozent in einem knapp siebenfach gehebelten Produkt investiert ist (ISIN des Zertifikats: DE000LS9BYC9).

Deutlich aggressiver geht im Vergleich dazu Julian Lang („BlackPacific“) bei seinem wikifolio „Silverback Prime FX“ vor, mit dem er die „Partizipation an den internationalen Devisenmärkten“ ermöglichen möchte. Der auch hauptberuflich als Wertpapier-/ Devisenhändler agierende Trader hat die „maximale Allokation“ pro Position auf einen Wert von 30 bis 80 Prozent festgelegt.

Silverback

Bei seinem aktuellen Trade wurde der vorgegebene Rahmen nach oben hin fast vollständig ausgereizt. Der seit dem Kauf um 17 Prozent gestiegene „Turbo Short“ auf den Euro-Dollar-Kurs hat in dem wikifolio aktuell ein Gewicht von 87 Prozent. Da der Schein zudem einen Hebel von gut 60 besitzt, haben schon kleinste Veränderungen des Währungspaares einen erheblichen Einfluss auf den Kurs des wikifolios. Allein in den ersten drei Handelsstunden am heutigen Dienstag lag die Schwankungsbreite des wikifolios bei über 30 Prozent. Auch die gesamte Kurshistorie belegt die enorme Volatilität, die dieser Anlagestil zwangsläufig mit sich bringt. Nach dem Start des wikifolios im Juli dieses Jahres stieg der Kurs innerhalb von nur drei Monaten um mehr als 600 Prozent, bevor in der vergangenen Woche fast der gesamte Gewinn in wenigen Tagen wieder vernichtet wurde. Besonders ärgerlich war das für alle Anleger, die nach der viel versprechenden Performance in das vor gut einem Monat emittierte wikifolio-Zertifikat (ISIN: DE000LS9CWL2) investiert hatten. Nachdem auch hier zunächst eine schnelle Verdoppelung des Kapitals gelungen war, liegt die Performance seit Emission des Zertifikats nach dem Kurseinbruch mittlerweile bei minus 60 Prozent.

 

Solche Kurskapriolen wird man bei dem wikifolio „LYSIPPOS Rendite System“ so schnell wohl nicht erleben. Der seit 20 Jahren ebenfalls auf eigene Rechnung an den Kapitalmärkten handelnde Manuel Cruzes („CRUZES“) hat als Ziel neben einer „überdurchschnittlichen Gesamtperformance“ jedenfalls auch einen „niedrigen Max. Drawdown“ angegeben, weshalb er nach eigenen Angaben großen Wert auf das Money- und Risk-Management legt.

Lysippos

Den Anlegern gibt er zudem den gut gemeinten Ratschlag „Bedenke, dass das große Geld kein Interesse an Performances und großen Drawdowns hat“ mit auf den Weg. Obwohl neben einem Aktien-Exposure in kleinem Rahmen auch immer wieder gehebelte Knock-out-Scheine oder ETFs zum Einsatz kommen, liegt der maximale Verlust des wikifolios seit April nur bei knapp zwölf Prozent. Währenddessen wurde eine Performance von gut 44 Prozent erzielt. Das dazugehörige Zertifikat ist seit dem 10. September investierbar (ISIN: DE000LS9CXU1).

Worauf können Anleger im Zusammenhang mit Hebelprodukten achten?

Bei wikifolios mit Hebelprodukten sollten Anleger die Kursschwankungen des wikifolios also immer ganz genau und am besten auch über einen etwas längeren Zeitraum nach Emission des Zertifikats beobachten, bevor sie ein Investment tätigen. Welche Risiken die Trader beim Einsatz von Hebelprodukten eingehen, lässt sich recht einfach durch einen Blick auf die Positionsgröße und die Hebelwirkung des Produktes einschätzen. Dabei gilt folgende Faustregel: Wenn das Produkt aus beiden Kennzahlen über eins liegt (ein mit 20 Prozent gewichtetes Papier mit einem fünffachen Hebel ergibt nach Multiplikation einen Wert von genau eins), ist das Risiko größer als wenn das gesamte Kapital des wikifolios in einer einzigen vergleichbaren Position ohne Hebeleffekt investiert wäre. Bei Werten von deutlich über eins ist erhöhte Vorsicht angebracht, weil erhebliche Kursschwankungen fast immer vorprogrammiert sind. Wobei man auch festhalten muss, dass das Risiko bei diszipliniertem Risikomanagement und sehr kurzer Haltedauer selbst dann noch überschaubar gehalten werden kann. Ob die Trader das beherzigen, zeigt sich dann aber spätestens bei dem Vergleich zwischen der erzielten Performance und dem maximalen Verlust.

Hier ist ein Beispiel zur Hebelwirkung von Lang & Schwarz im wikifolio.com Blog