24.01.2018| Von: Astrid Schuch |

Groß, laut, spritfressend und von gestern. Das sind die US-Autos auch in diesem Jahr. Auf der Detroiter Automesse, die noch bis Sonntag geöffnet hat, dreht sich so gut wie alles um SUVs, Pickup-Trucks und den guten, alten V8-Motor. Für Zukunftsthemen oder gar Umweltschutz ist da wenig Platz. Verständlich, denn Sprit kostet (noch) ja nur 50 US-Cent pro Liter. Ernst zu nehmen ist das Event damit aber nur für wenige. Viele Autobauer bleiben gleich ganz fern, wie Mazda, Porsche, Ferrari, Rolls-Royce und naturgemäß auch Tesla.

Damit geht es der Messe in Detroit genau wie dem US-Automarkt selbst: Beide verlieren an Bedeutung. "In Detroit trifft sich die Welt von gestern und die wird immer kleiner", summiert "Autopapst" Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

Der Enthusiasmus hält sich auch bei wikifolio-Trader Michael Flender ("GoldeselTrading"), der die beiden bei Anlegern äußerst beliebten wikifolios "Goldesel-Investing" und "Goldesel-Trading" verwaltet, in Grenzen: "Die Auftritte in Detroit haben kaum Auswirkungen auf Aktienkurse. Für die Autobauer ist die CES in Las Vegas mittlerweile fast wichtiger, da die Investoren sehen möchten, inwieweit die Hersteller in Sachen Digitalisierung etwas zu bieten haben bzw. was hier die neuesten Entwicklungen sind."

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Detroit vs. Vegas – die zwei Extreme der Auto-Welt

Entsprechend hat Ford, neben General Motors (GM) und FiatChrysler einer der sogenannten "Big Three" aus den USA, auch nicht in Detroit sondern auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas eine neue Plattform für Robotaxen und andere autonome Verkehrssysteme vorgestellt. Außerdem will der Konzern bis 2022 über elf Milliarden Dollar in Elektro- und Hybridautos investieren. Ford oder auch GM können also sehr wohl elektrisch und autonom – nur nicht in Detroit: Dort hat Ford den Pickup F-150 mit Diesel-Antrieb oder den Mustang GT 500 präsentiert. Immerhin: Ab dem kommenden Jahrzehnt soll auch der F-150 als Hybrid-Version auf den Markt kommen.

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So funktioniert's

Dass Detroit in der guten, alten Zeit feststeckt, hat mehrere Gründe. Zunächst setzt sich in den USA (wie auch anderswo) das Elektroauto noch nicht richtig durch. Außerdem hat unter anderem der günstige Sprit die Verkaufszahlen der beliebten Monster-Trucks nach der Finanzkrise in die Höhe schnellen lassen.

Doch langsam ist die Luft raus. Nach einem Rekordwert von 17,55 Millionen verkauften Neuwagen 2016 fiel der US-Absatz bereits 2017 um 1,8 Prozent auf 17,23 Millionen Stück. Die höheren Ölpreise dürften sich im weiteren Verlauf an den Zapfsäulen bemerkbar machen und den Absatz der Spritfresser belasten, genau wie die steigenden US-Leitzinsen, die die Autokredite verteuern. Im Gegenzug soll die US-Steuerreform, die für viele Verbraucher de facto eine Lohnerhöhung mit sich bringt, laut Experten dafür sorgen, dass die Autoverkäufe 2018 stabil bleiben. Dies zumal der Markt ohnehin bereits gesättigt ist. Inzwischen kommen in den USA auf jeden Menschen mit Führerschein 1,26 Autos.

USA vs. China – Wechsel an der Spitze

"Der US-Automarkt wird 2018 wohl nicht wachsen, während Europa und Asien weiter zulegen werden", glaubt auch wikifolio-Trader Flender. Mit anderen Worten: Die Verkaufszahlen in den USA bleiben zwar stabil, aber der weltweite Marktanteil sinkt stark. Die Zukunft liegt in Asien, wie Dudenhöffer bestätigt: 2017 wurden laut dem Autoexperten in den USA nur mehr 20 Prozent aller Autos verkauft, in China unterdessen bereits 28,8 Prozent – Tendenz steigend.

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Flender ist überzeugt: "Hier sind die deutschen Hersteller stark aufgestellt, weshalb ich auch mit einer guten Aktienkursentwicklung rechne." Der Trader hält nach eigener Aussage aus Diversifizierungsgründen Daimler in dem wikifolio "Goldesel-Investing" und BMW sowie Volkswagen in "Goldesel-Trading": "Ich möchte in den wikifolios keinen Hersteller doppelt haben, deshalb diese Aufteilung. Daimler hat zudem die letzten Quartale starke Zahlen gemeldet. Ich kann mir daher vorstellen, auf Sicht von einigen Wochen dabei zu bleiben, wenn der positive Trend anhält, was ja meine Strategie im wikifolio 'Goldesel-Investing' ist."

Auch Holger Degener ("Schneeleopard") hält gleich eine ganze Reihe an Autobauern in dem sehr gut diversifizierten wikifolio "Dividende und Eigenkapital Deutschland". Warum das so ist, bringt er auf den Punkt: "BMW-Aktien habe ich, weil die Bayern inhabergeführt werden und eine gute Dividende zahlen, Daimler wegen der niedrigen Bewertung, VW aufgrund des Nachholpotenzials und Renault ist ebenfalls günstig und verfügt über ein gutes Management." US-Werte kommen eher nicht ins wikifolio, wenngleich, so der Trader, "FiatChrysler einen schönen Chart hat".

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Tesla vs. sich selbst

Der Absatz der deutschen Autobauer in den USA hat sich übrigens nach dem Dieselskandal kaum verschlechtert, die Marktanteile sollen nun ausgebaut werden. Dies will man – wie könnte es anders sein – in guter Detroiter Manier mit der Hilfe von großen SUVs und Geländewagen, wie dem X7 von BMW, dem Q8 von Audi und der neuen G-Klasse von Mercedes, erreichen. Illusionen sollten sich Aktionäre aber keine machen: In den Himmel wachsen werden auch diese Bäume nicht.

Die 7 Lieblingsautos der Deutschen 2017

# Marke Neuzulassungen
1 VW Golf 228.227
2 VW Passat 72.430
3 VW Tiguan 71.436
4 Mercedes C-Klasse 68.584
5 VW Polo 61.378
6 Audi A4 59.469
7 Skoda Octavia 59.147

 

Genau wie bis auf Weiteres wohl auch bei Tesla, wo Elon Musk bestenfalls das Blaue vom Himmel verspricht. In der Realität kommt die Produktion des Massenmodells Model 3 nämlich nicht in die Gänge. Das weiß auch Manfred Grabowski aka "EV1", der Tesla aber weiterhin in dem wikifolio "emobility World" hält. "Auch wenn alle etablierten Hersteller in Kürze reine E-Autos in Serie bauen wollen, so sind es doch immer noch Nissan, BYD und Tesla, die hier bereits in deutlichen Stückzahlen liefern. Bei Tesla gefällt mir einfach der Ansatz, Probleme zu lösen. Wenn es nur ein unzureichendes Netz an Ladestationen gibt, dann baut man sein eigenes. Beim Semi Truck werden genau die Themen angepackt, die den Spediteuren unter den Nägeln brennen. Ich hoffe, dass Tesla etwas weniger verspricht und dafür mehr hält. Für mich ist die Aktie auf diesem Niveau immer noch ein Kauf."

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Dennoch muss sich Tesla zweifellos ranhalten, denn neue Konkurrenz wächst heran: Auf der CES in Vegas war Byton vertreten, ein in China sitzender E-Auto-Hersteller, geleitet von Ex-BMW-Managern. Das junge Unternehmen zeigte einen Elektro-SUV, der ab 2019 für 45.000 Dollar erhältlich sein soll und damit deutlich günstiger wäre als das Model X, der E-SUV von Tesla. Mit dabei: Ein riesiger Touchscreen, ein Sprachassistent in Form von Amazons Alexa und eine Gesichtserkennung. 3.240 Kilometer liegen zwischen Detroit und Las Vegas und doch sind es ganze Autowelten.

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