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30.11.2017| Von: Astrid Schuch |

Um 16:45 Uhr am vergangenen Samstag hätte die Welt für die Anhänger von Borussia Dortmund nicht schöner sein können. Im Lokalderby gegen den Erzrivalen Schalke 04 waren zu diesem Zeitpunkt rund 60 Minuten gespielt und der BVB führte dank einer furiosen Anfangsphase mit 4:0. Dann erzielte Guido Burgstaller den vermeintlichen Ehrentreffer für die Gäste und das Elend nahm seinen Lauf.

Nach dem 4:4-Ausgleich in der Nachspielzeit war die eben noch so euphorische Stimmung endgültig auf dem Nullpunkt angelangt. Schlimmer hätte dieser Tag letztendlich nicht laufen können. Die Quittung dafür erhielten Spieler und Trainer noch am Montag, als sie während der Aktionärsversammlung ausgepfiffen und ausgebuht wurden. Ohne den 35-minütigen Blackout am Samstagnachmittag wären stattdessen sicher tosender Applaus und euphorische Jubelarien angesagt gewesen. So schnelllebig ist das Fußballgeschäft.

An der Börse war die Reaktion deutlich weniger dramatisch. Das lag aber wohl daran, dass die BVB-Aktie schon vorher deutlich an Wert verloren hatte. Denn Probleme hat der Verein nicht erst seit der Derby-Schmach am Samstag. Anderen börsengelisteten Fußball-Clubs ergeht es da momentan deutlich besser.

Dembélé-Verkauf pusht die Einnahmen

Die Zahlen, die BVB-Boss Hans-Joachim Watzke den Anteilseignern am Montag präsentierte, waren zwar nicht neu, konnten sich aber dennoch sehen lassen. Im vergangenen Geschäftsjahr, das bei den Dortmundern passend zur Fußball-Saison immer schon im Juni endet, wurde ein Rekordumsatz erzielt. Auch beim Gewinn gelang wieder ein Anstieg. Die Aussichten für das laufende Jahr sind ebenfalls positiv, wie die zuletzt vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal belegen. Der Umsatz kletterte um gut 77 Prozent, was nicht zuletzt an den Transfereinnahmen im Sommer lag. Da verkaufte der BVB unter anderem Jungstar Ousmane Dembélé an den FC Barcelona. Die Spanier zahlten dafür eine Ablösesumme von 105 Millionen Euro, die sich durch Erfolgsbeteiligungen noch um weitere 40 Millionen Euro erhöhen kann. Der 20-jährige zählt laut Daten des CIES Football Observatory mit einem aktuellen Transferwert von fast 130 Millionen Euro zu den 11 wertvollsten Fußballern der Welt.

Die wertvollsten Kicker

# Name Alter Verein Transferwert in Mio. Euro
1 Neymar 25 FC Paris Saint-Germain 212,8
2 Harry Kane 24 Tottenham Hotspur 185,6
3 Dele Alli 21 Tottenham Hotspur 181,7
4 Romelu Lukaku  24 Manchester United 173,8
5 Paulo Dybala  24 Juventus Turin 170,3
6 Kylian Mbappé  18 FC Paris Saint-Germain 164,8
7 Paul Pogba  24 Manchester United 149,5
8 Kevin de Bruyne 26 Manchester City 148,6
9 Antoine Griezmann   26 Atlético Madrid 147,0
10 Luis Suárez   30 FC Barcelona 133,6
11 Ousmane Dembélé  20 FC Barcelona 127,8

 

Kurspotential 80 Prozent?

Aufgrund des zunehmenden Einstiegs finanzkräftiger Investoren sowie der vor allem in England massiv gestiegenen Einnahmen aus Fernsehgeldern sind die Ablösesummen in den vergangenen Jahren förmlich explodiert. Unter anderem weil vor diesem Hintergrund "immense stille Reserven" bei den Spielerwerten schlummern und die Dortmunder auch in Zukunft Top-Talente "finden und veredeln" möchten, ist der BVB nach Ansicht von Watzke "ganz konservativ kalkuliert Minimum eine Milliarde Euro wert". Umgerechnet auf eine einzelne Aktie würde das einem Kurs von rund elf Euro entsprechen. Aktuell kostet ein Anteilsschein nur etwas mehr als 6 Euro.

"Wirtschaftlich steht Borussia Dortmund auf einer sehr soliden Basis.
Mittel- bis langfristig traue ich der Aktie zu, das Kursziel von 11 Euro zu erreichen"

Kai Knobloch aka "Halbprofi87"

Auch Kai Knobloch ("Halbprofi87"), der den SDAX-Titel schon lange in seinem wikifolio "Trend & Fundamental" hält, traut der Aktie zu, "diesen Wert mittel- bis langfristig zu erreichen". Im Gespräch führt er weiter aus: "Wirtschaftlich steht Borussia Dortmund auf einer sehr soliden Basis. Das Unternehmen bewegt sich in einem intakten Wachstumsmarkt wie die Einnahmesteigerungen bei der TV-Vermarktung, dem Sponsoring und den Spielertransfers zeigen." Für den jüngsten Kursrückgang macht er vor allem "das sehr schwache sportliche Abschneiden" verantwortlich. Tatsächlich markierte die Aktie ihr Hoch Anfang Oktober, als der BVB nach sieben Spielen ungeschlagen und mit fünf Punkten Vorsprung Tabellenführer in der Bundesliga war. Seitdem hat die Mannschaft sowohl in der Liga als auch in der Champions League keine Partie mehr gewonnen. Nur im DFB-Pokal gelang ein Sieg. Die Aktie ist in diesem Zeitraum fast 30 Prozent gefallen.

Ohne die Königsklasse läuft wenig

Eine der wichtigsten Einnahmequellen ist für jeden großen Verein mittlerweile die Champions League. In der laufenden Saison werden insgesamt mehr als 1,3 Milliarden Euro an die Teilnehmer der "Königsklasse" ausgeschüttet. Allein der Sieger kann im besten Fall auf eine Prämie von gut 57 Millionen Euro hoffen. Dazu kommen noch Einnahmen aus dem Ticketverkauf sowie dem Marktpool (einer variablen Zahlung, abhängig vom Wert des jeweiligen Fernsehmarktes, den die an der Champions League teilnehmenden Klubs vertreten). 

bvb-manchester-united-aktie


Das frühzeitige Aus des BVB bereits in der Vorrunde lastet deshalb ebenso auf dem Aktienkurs wie der Rutsch auf den fünften Platz in der Bundesliga, der für eine Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison nicht reichen würde. Das Problem wären dann nicht nur die fehlenden Einnahmen aus diesem Wettbewerb, sondern auch die schwindende Attraktivität des Clubs bei Verhandlungen mit Spielern. "Bis zum Saisonende könnte die sportliche Situation durchaus noch weiter auf dem Kursverlauf lasten, da eine Qualifikation für die Champions League von großer wirtschaftlicher Bedeutung für das Unternehmen ist", bestätigt wikifolio-Trader Knobloch.

Welche Auswirkungen das Abschneiden in der Champions League auf die Kapitalmärkte haben kann, zeigte sich in der vergangenen Saison bei der Aktie von Juventus Football. Genau in der Phase, als Juventus Turin bis in das Champions League-Finale vorstieß, konnte sich der Kurs der Aktie mehr als verdreifachen. Anschließend kam es zu den an der Börse nicht unüblichen "sell on good news"-Gewinnmitnahmen.

Manchester United als Outperformer

Auch die in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich gute Performance der Aktie von Manchester United stimmt mit der sportlichen Leistung überein. Die "Red Devils" haben den Einzug in das Achtelfinale der Champions League vor Augen und liegen nach dem 4:2-Erfolg in Watford gestern Abend auf dem zweiten Platz der hart umkämpften englischen Premier League. In den vergangenen drei Monaten  stieg der Kurs um 30 Prozent, während das BVB-Papier unter die Räder kam.

Generell ist im europäischen Fußball eine immer größer werdende finanzielle Kluft zwischen den Spitzenclubs und denjenigen Vereinen, die nicht oder nur unregelmäßig in den Genuss der horrenden Champions League-Einnahmen kommen, zu beobachten. wikifolio-Trader David Popp ist überzeugt: "Die Top 20 der europäischen Spitzenclubs werden auch in Zukunft den Großteil des erheblichen Wachstumspotentials abschöpfen. Deshalb lohnt es sich meiner Meinung nach, die entsprechenden Aktien im Depot zu halten."

"Durch das hohe Risiko des sportlichen Misserfolgs ist es bei Fußballaktien besonders wichtig,
auf eine gesunde Finanzlage und ein erfahrenes Management der Vereine zu achten."

wikifolio-Trader David Popp aka "DaveGraham"

In seinem wikifolio "DG Amusement" setzt Popp, der als Trader unter dem Synonym "DaveGraham" agiert, unter anderem auf die Aktien der Fußballclubs Ajax Amsterdam, Borussia Dortmund und Manchester United. Der Trader weist allerdings auch auf die Besonderheiten dieser Titel hin: "Durch das hohe Risiko des sportlichen Misserfolgs ist es bei Fußballaktien besonders wichtig, auf eine gesunde Finanzlage und ein erfahrenes Management der Vereine zu achten. Bei den drei Fußballclubs, die ich zurzeit handle, sind diese und noch weitere zukunftsweisende Faktoren hervorragend."

Alle investierbaren wikifolios mit Borussia Dortmund (ISIN: DE0005493092) im Depot.

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