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12.12.2017| Von: Astrid Schuch |

Wenn es um unterbewertete Aktien geht, dann hat Andreas Schratzer 2017 den richtigen Riecher bewiesen. Als "Fuchs" sucht er, dem Namen entsprechend, Schnäppchen für das wikifolio "Schnäppchen Jäger". Die Idee ist einfach: "Den Euro für 50 Cent kaufen", summiert der Trader. Das ist ihm im laufenden Jahr mit einem Kursplus von 110 Prozent mehr als gelungen. Mit welchen (österreichischen) Aktien er das geschafft hat, was er vom Börse-Jahr 2018 erwartet und warum er hofft, dass der Goldpreis nicht steigt, verrät er im Gespräch. Viel Spaß beim Lesen! 

wikifolio.com: Herr Schratzer, Sie sind bereits seit Dezember 2012 als wikifolio-Trader aktiv – und damit quasi einer der ersten auf der Plattform. Wie ist es dazu gekommen?
Andreas Schratzer ("Fuchs"): Ich habe im Internet nach Möglichkeiten gesucht einen eigenen Fonds zu gründen. Dabei bin ich auf wikifolio gestoßen und habe am gleichen Tag ein Musterdepot angelegt.

Sie führen derzeit 2 investierbare wikifolios. Bleibt da nebenher noch Zeit für Beruf und Familie?
Da ich nur eine überschaubare Anzahl von Aktien beobachte, ist der Zeitaufwand mit 1 bis 2 Stunden täglich begrenzt. Die Buy-and-Hold-Strategie verlangt nicht das permanente Reagieren auf Nachrichten.

Im Zertifikat auf "Schnäppchen Jäger" sind mittlerweile 3,3 Millionen Euro investiert. Haben Sie mit einer derartigen Summe irgendwann gerechnet oder kam der Erfolg des wikifolios für Sie völlig überraschend?
Bis 2016 nicht. Mit der Erstemission im Februar 2016 habe ich mir das Ziel gesetzt, in die Top 10 der höchstkapitalisierten wikifolios bis 2019 zu kommen.

Hat das Engagement der Anleger Ihre Herangehensweise ans Thema "Trading" verändert? Machen Sie heute etwas anders als vor 5 Jahren?
Im Wesentlichen nicht. Die Auswahl erfolgt nach fundamentalen Zahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis, Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV*), EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) und orientiert sich an der Branche, dem Produkt, dem Management und dem Einhalten von Prognosen. Beim Timing achte ich mehr als früher darauf, nicht dem Herdentrieb zu folgen.

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Sie konzentrieren sich bei der Titelauswahl für "Schnäppchen Jäger" dem Namen entsprechend auf "Schnäppchen" – Aktien, deren Preis unter Wert handelt. Könnte man Ihre Titelauswahl derart auf den Punkt bringen?  
Ja, es geht darum, den Euro für 50 Cent zu kaufen.

Gibt es heute überhaupt noch Aktien, die unter Wert handeln?
Die gibt es immer. Das Schwierige ist, durchzuhalten, bis eine Neubewertung erfolgt. Derzeit finde ich Telekom-Titel sehr interessant, wie die Deutsche Telekom, Vodafone und Telekom Austria.

Wie ein Fuchs den DAX hinter sich lässt...

In einem Ihrer letzten Kommentare zitieren Sie Warren Buffett: "Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen." In Ihrem wikifolio konzentrieren Sie sich aktuell in der Tat vor allem auf zwei Werte – FACC und AT+S. Wie attraktiv sind diese Aktien nach ihrer Wahnsinnsrally noch?
Derzeit lasse ich bei beiden Unternehmen die Gewinne im Wesentlichen laufen. Ich verkaufe aber seit Mitte September kleinere Positionen, um die hohen Gewichtungen zu reduzieren. Trotz der Rallye haben wir bei FACC ein geschätztes KGV für 2018 von 15 und bei AT+S ein KGV von 17. Im Branchenvergleich sind beide jetzt auf einer normalen Bewertung. Aufgrund der sehr guten Wachstumsprognosen sind durchaus deutlich höhere Kurse möglich.

Die hohe Gewichtung von FACC und AT+S von aktuell noch rund 50 Prozent war bislang offensichtlich die richtige Entscheidung. Sie hat zu einem Plus des wikifolio-Zertifikats von annähernd 110 Prozent seit Jahresanfang geführt, während der DAX knapp 18 Prozent zulegen konnte. Andererseits erhöht sich dadurch die Volatilität und das Risiko im wikifolio. Wie rechtfertigen Sie eine derart hohe Konzentration und wie sichern Sie sich gegen das Risiko einer Kurskorrektur in den beiden Werten ab?
Lieber zwei sehr gute Werte als zehn mittelmäßige Unternehmen im Depot. Mittelfristig plane ich beide Positionen auf 10 bis 15 Prozent abzuschmelzen. Ich betrachte die Volatilität des Aktienmarktes als Freund und nicht als Feind. Kurskorrekturen gehören dazu. Das größte Risiko ist, zu teuer zu kaufen, aber auch das kann die Zeit heilen, wenn die Qualität der Werte stimmt. Mein Ziel ist es, von der Torheit Anderer zu profitieren, statt an ihr teilzunehmen.

Abseits von FACC und AT+S, was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Im Februar habe ich die Lufthansa in mein zweites Musterdepot "Aktien mit persönlichem Bezug" aufgenommen. Sie steht jetzt bei einem Plus von gut 130 Prozent, bei einer immer noch moderaten Bewertung. Das geschätzte KGV für 2018 beträgt 7.

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Nach einer recht langen Rallye der Börsen, was trauen Sie den Aktienmärkten 2018 noch zu?
Die Rahmenbedingung sind weiter gut. Ich sehe dem Jahr positiv entgegen.

... und warum er auf Gold und Bitcoin lieber verzichtet

Wird die EZB 2018 endlich die Zinsen erhöhen?
Kleinere Schritte sind durchaus möglich.

Wird der Goldpreis 2018 zur Abwechslung mal wieder steigen?
Ich hoffe nicht, da ein höherer Goldpreis die Förderung ankurbelt. Etwas ans Tageslicht zu fördern, um es anschließend in Tresoren verschwinden zu lassen, ist in meinen Augen eine riesige Verschwendung von Ressourcen.

 

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"Der Bitcoin stellt für mich keinerlei Wert dar und passt daher nicht zu meinem Investitionsverhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Staat auf der einen Seite Bargeld einschränkt und auf der anderen Seite einen rechtsfreien Raum mit Kryptowährungen toleriert."
wikifolio-Trader Andreas Schratzer aka "Fuchs" 

Abschließend noch ein paar persönlichere Fragen: Der Bitcoin steigt und steigt. Sind Sie dabei? Falls nicht, ärgert Sie die verpasste Gelegenheit oder sind Sie vielleicht sogar froh, nicht dabei zu sein?
Nein, ich bin nicht dabei. Der Bitcoin stellt für mich keinerlei Wert dar und passt daher nicht zu meinem wertorientierten Investitionsverhalten. Die Risiken wie staatliche Regulierung, Datenverlust und Datendiebstahl können zu einem Totalverlust führen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Staat auf der einen Seite Bargeld einschränkt und auf der anderen Seite einen rechtsfreien Raum mit Kryptowährungen toleriert.

Was war die härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Die Libro-Pleite 2002 mit einem Totalverlust.

Welche Börse-Weisheit, würden Sie sagen, trifft den Nagel auf den Kopf? 
Bargeld in der Tasche und gleichzeitig die Absicht zu haben, bei niedrigen Kursen in die Börse einzusteigen, ist dasselbe Vergnügen, wie hungrig zu sein und sich auf dem Weg in ein Restaurant zu befinden - von André Kostolany.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ein Standardwerk: "Intelligent Investieren" von Benjamin Graham.

Herr Schratzer, danke für das Gespräch!

 

*Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wird der Kurs der Aktie ins Verhältnis zu dem bestimmten oder erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt. Meistens werden dafür Schätzungen für zukünftige Gewinne herangezogen. Betrachtungszeitraum ist in der Regel ein Jahr. Das KGV gibt also an, mit welchem Vielfachen des Gewinns eines Geschäftsjahres eine Aktie an der Börse zurzeit bewertet wird. Oder wie viele Jahre es dauert, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat.

 

Alle investierbaren wikifolios von Andreas Schratzer aka "Fuchs":


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