22.06.2016| Von: Anja Branz |

Im aktuellen wikifolio-TradersTalk haben wir mit Abbakus alias Carsten Schorn gesprochen. Von Kindesbeinen an an der Börse verwurzelt, hat er das Trading-Handwerk von der Pike auf gelernt und gibt hier Einblick in seinen Alltag als leidenschaftlicher Daytrader. Viel Spaß beim Lesen!

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Carsten Schorn

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Abbakus

Was sind Sie von Beruf?

Informatiker, Master of Science / Analyst im Bereich Marktpreis- /Liquiditätsrisiko

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Von klein auf bin ich eng verwachsen mit dem Bankenwesen, der Börse und dem Finanzplatz Frankfurt. Letztendlich während des Studiums von einem der besten Trader Deutschland von der Pike auf gelernt und mich dann im Laufe der Jahre selbstständig weiterentwickelt. Der Kontakt mit ihm besteht weiterhin und wir tauschen uns täglich aus.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Ich bereite mich am Abend auf den nächsten Tag vor. Gehe Charts von Titeln durch, welche nicht auf meiner Tages-Watchliste stehen, um auf neue Chancen zu stoßen. Lese Artikel, Nachrichten, schaue mir die nächsten Wirtschafts- als auch Unternehmenstermine an und halte nach auffällig hohen Umsätzen in Titeln Ausschau. Morgens schaue ich mir zunächst die Märkte in anderen Ländern an (Asien). Vorbörslich versuche ich schon erste Auffälligkeiten in einigen Titeln zu entdecken. Während des eigentlichen Handels konzentriere ich mich fast ausschließlich auf meine Titel, welche ich mir vorher zurecht gelegt habe. Es sei denn wichtige Meldungen bringen neue Titel auf die Watchlist. Am Abend versuche ich den Tag zu reflektieren und mich erneut auf den nächsten Tag vorzubereiten.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Ich führe derzeit ausschließlich ABACUS.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

Ich habe großes Interesse daran meine Leidenschaft am Börsenhandel auf andere Menschen zu übertragen. Mit Wikifolio habe ich das Gefühl, dies auf eine gewisse Art und Weise zu erreichen. Meine Investoren sind durch die Transparenz des Handels quasi überall live dabei, nur eben in einer passiven Rollen. Ich würde mir wünschen zukünftig noch enger in den Kontakt mit meinen Investoren treten zu können.

Desweiteren möchte ich zeigen das Börsen keineswegs einfach ist, aber mit den richtigen Kenntnissen und Strategien jeder in Lage sein kann erfolgreich zu handeln.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Ich betreibe Day-Trading, das bedeutet, ich suche täglich nach unterbewerteten Aktien, in welchen ich ein hohes Potenzial zur Kurssteigerung sehe. Diese versuche ich dann in Kursübertreibungen wieder abzugeben. Das ganze erfolgt möglichst in einem sehr kurzen Zeitfenster. Solche Kandidaten ermittle ich durch Auffälligkeiten im Chart, im Orderbuch oder in den Umsätzen. Ich handle mit Real-Time Kursen und Real-Time News-Feeds.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

Zufrieden bin ich, satt noch lange nicht.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

Die Short-Attacken auf Wirecard und Stroeer waren Highlights, aber auch die Kursentwicklung von Albis Leasing am Anfang des Jahres.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?

Schwer zu sagen - ich denke es bleibt turbulent auf beiden Seiten. Die Märkte scheinen, auch wenn sie sich zwischenzeitlich gut erholt haben, sehr nervös zu reagieren. Gegen eine hohe Volatilität hätte ich nichts einzuwenden.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Ich handle eigentlich so gute wie alle Branchen, deswegen kann ich mich da nicht festlegen. In der Regel liegt der Fokus immer auf den Branchen, wo gerade ein Hype stattfindet (bspw. Fintech in der Vergangenheit)

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Da ich mich eher kurzfristig als mittelfristig orientiere ändern sich meine Favoriten innerhalb einer Woche relativ schnell. Daher würde ich an dieser Stelle auf die Titel in meinem Portfolio verweisen.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Als Lektion würde ich den Misstrade in einem Pennystock vor einigen Jahren am Anfang meines Börsenhandels sehen. Ich war schon fast vom Schreibtisch aufgestanden und wollte noch schnell ein tiefes Kauf-Limit einstellen. Durch die fehlende Konzentration wurde aus einem 0,01€ ein 0,10€. Ich kaufte somit Market alles auf bis meine Order gefilled war. Den Kurs katapultierte das gefühlte 200% nach oben. Solche Trades muss man, auch wenn es höllisch weh tut, sofort wieder glattstellen (Verlust 800€). Da ich dies nicht tat, verlor ich in der laufenden Woche noch das Doppelte. Dieses Missgeschick ist mir ein einziges Mal passiert.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Meine Erfahrung im Handel habe ich mir durch das tägliche "Doing" buchstäblich erarbeitet. Ich denke Lektüre ist keineswegs falsch, dennoch bin ich der Meinung das der Handel selbst die beste Methode ist besser zu werden. Daher würde ich als Einsteiger das Risiko entsprechend gering halten und dann, bei anhaltendem Erfolg, langsam erhöhen.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Aus dem oben genannten Grund kann ich hier keine Empfehlung aussprechen. Mir hat vor allem eine gesunde Portion Selbstreflexion geholfen um eigene Fehler abzustellen.