09.10.2015| Von: Andreas Kern |

Am Mittwochabend platzte die Bombe. Noch vor den Ende des Monats anstehenden Quartalszahlen meldete die Deutsche Bank für die abgelaufene Drei-Monatsperiode einen Vorsteuerverlust von sechs Milliarden Euro. Verantwortlich dafür sind vor allem Abschreibungen auf Firmenwerte im Investmentbanking sowie dem Privat-und Firmenkundengeschäft in Höhe von 5,8 Milliarden Euro.

Deutsche Bank

Weil der neue Vorstandschef John Cryan, dessen Ziel eine „bessere Deutsche Bank“ ist, Mitarbeiter und Aktionäre bei den Aufräumarbeiten gleichermaßen mit ins Boot nehmen will, denkt der Konzern zudem über eine Senkung oder gar Streichung der Dividende nach. Eine Kapitalerhöhung, über die am Markt immer mal wieder spekuliert wird, wurde zumindest nicht ausgeschlossen. Die Reaktion der Börsianer fiel vor diesem Hintergrund überraschend aus. Zwar brach die Aktie im nachbörslichen Handel kurzzeitig um 8 Prozent ein. Im „richtigen“ Handel am Donnerstag war davon aber nicht mehr viel zu sehen. Zwar beendete die Aktie den Tag im Minus. Das fiel mit 1,8 Prozent aber überschaubar aus, was wohl auch an den vergleichsweise positiven Kommentaren vieler Analysten lag. Ebenfalls relativ unaufgeregt zeigt sich bei der Aktie die Mehrheit der wikifolio-Trader. Trotzdem findet sich die Deutsche Bank im Wochenverlauf unter den Top-10 der meistgehandelten Aktien wider.

Wilfried Schopges („diamant“) hatte bei dem Finanzinstitut in seinem wikifolio „speedmaster“ bereits im Herbst des vergangenen Jahres mit drei gestaffelten Einstiegen bei einem Call-Optionsschein (fällig Ende 2016, Basispreis bei 32 Euro) eine Long-Spekulation aufgebaut. Kurz danach gelang der Aktie bei rund 24 Euro die Bodenbildung, so dass im Februar erste Teilgewinne mitgenommen werden konnten („1/3 der Position mit +115% verkauft, gut gelaufen, aber DB hat noch Potential nach oben“). Anfang August wurden dann weitere Stücke verkauft („Etwas Gewinnmitnahme, war ja ganz schön geklettert.....und mit +178% schadet Gewinnmitnahme ja nicht“), bevor die Restposition zu Wochenbeginn mit einem vergleichsweise kleinen Minus von 15,7 Prozent komplett aufgelöst wurde („alte Position - war nur eine Restposition, da 2/3 mit hohen Gewinnen verkauft wurde vor einigen Wochen - mit Verlust verkauft). Für die Aktie bleibt der Trader mittelfristig dennoch optimistisch, weshalb er umgehend einen anderen Deutsche Bank-Schein ins Depot aufgenommen hat („Geld in neue Position mit tieferem Einstand und längerer Laufzeit investiert“). Der bis Ende 2018 laufende Call von HSBC hat einen Basispreis bei 26 Euro und ein relativ moderates Omega (Hebeleffekt) von 3,2. Die mit fünf Prozent gewichtete Position liegt trotz der jüngsten Turbulenzen aktuell knapp im Plus.

Insgesamt umfasst das wikifolio derzeit 14 Positionen, bei denen es sich ausschließlich um klassische Call-Optionsscheine auf derzeit sieben Einzelaktien handelt. Der seit mehr als 20 Jahren im Trading-Business aktive Banker scheint also sehr bullish zu sein. Im Falle einer sich fortsetzenden Erholung an den Aktienmärkten dürfte das aktuell bereits mit über 80 Prozent vorne liegende wikifolio daher schon bald neue Rekordstände erreichen. Der Fokus auf gehebelte Produkte, die auch mal etwas länger gehalten werden, führt naturgemäß zu stärkeren Schwankungen. So betrug der im Sommer dieses Jahres erlittene Maximalverlust satte 47 Prozent. Seit Mai ist das wikifolio auch als Zertifikat investierbar. Die Performance dort beträgt aktuell knapp 25 Prozent.

Ganz anders liest sich die Bilanz der wikifolios von Armin Ingerl („PureCapital“). Der knapp 20 Jahre lang als Aktienanalyst und Aktienfondsmanager bei mehreren deutschen KAG´s (AGI, Deka, Union) tätige Trader hat sich 2010 selbständig gemacht und ist seit August 2012 bei wikifolio.com aktiv. Auffällig bei seinen beiden wikifolios sind vor allem die mehr als überschaubaren Drawdown-Phasen. In seinem wikifolio „Aktien Deutschland“ betrug der Maximalverlust in den vergangenen gut drei Jahren nicht einmal 2 Prozent. Demgegenüber steht eine Performance von 18 Prozent, was absolut betrachtet für ein Aktien-wikifolio nicht die Welt ist, mit Blick auf die extrem geringen Schwankungen aber höchste Anerkennung verdient. Das Anfang 2013 emittierte wikifolio-Zertifikat verbuchte bislang Zuwächse von gut 15 Prozent. Ziel des Traders ist denn auch die „Erzielung absoluter Erträge bei geringer Volatilität der Preisentwicklung sowie geringer Korrelation zur Aktienmarktentwicklung“ Zudem soll eine „nicht richtungsgebundene Rendite“ erzielt werden. Eine Strategie, die man so konsequent und erfolgreich umgesetzt nicht häufig sieht. Eher ungewöhnlich ist auch die Umsetzung dieser Idee. Beim Blick auf die Kennzahlen mag man kaum glauben, dass der Trader in den gut drei Jahren über 4100 Transaktionen getätigt hat. Dabei werden die Positionen in der Regel schon nach wenigen Minuten oder maximal Stunden wieder verkauft. Die Gewinne (und Verluste) bewegen sich dann zumeist im unteren einstelligen Prozentbereich. Bei der Deutschen Bank hat der Trader am vergangenen Freitag zugeschlagen. Nach 41 Minuten wurde die Position mit einem Mini-Plus von 0,17 Prozent wieder verkauft. Das klingt kaum erwähnenswert, in der Summe aller Trades ergibt sich dann aber der geschilderte Kursverlauf.

Alle wikifolios mit Deutsche Bank (ISIN: DE0005140008) im Depot.

10 Aktien mit den meisten Trades (02.09.- 09.10.2015)

 

#NameISINTradingVolumeAll

1VWDE00076640393.124.611,99811

2K&SDE000KSAG8882.332.404,75731

3VolkswagenDE000766400514.775,99252

4DaimlerDE0007100000738.408,98246

5AppleUS037833100540.849,74223

6RWEDE0007037129465.674,03216

7E.ONDE000ENAG999103.164,15208

8PorscheDE000PAH0038282.199,88183

9Tesla MotorsUS88160R10142.164.750,55176

10Deutsche BankDE0005140008202.349,42174

 

*Basis: alle investierbaren wikifolios*

Alle wikifolios mit Deutsche Bank (ISIN: DE0005140008) im Depot.