23.09.2017| Von: Andreas Kern |

 

Andreas Kern


Liebe Leser,

mit Spannung war die Rede von Fed-Chefin Janet Yellen erwartet worden. Zwar stand keine Zinserhöhung auf dem Programm, relevant ist es aber allemal, wenn sich die Vorsitzende der mächtigsten Notenbank zu Wort meldet. Dies ganz besonders, wenn sie – so wie am Mittwoch – etwas weiter in die Zukunft blickt. Im Wesentlichen sandte sie drei Botschaften an die Märkte: Erstens, die Zinsen werden auch künftig weiter moderat steigen. Zweitens, die Bilanz der Fed soll behutsam verkürzt werden. Schon seit Juni bereitet sie die Märkte auf diese Maßnahme vor. Ab Oktober soll es damit nun ernst werden, wobei das Tempo des Bilanzrückbaus über die darauffolgenden Quartale nach einem vorgegebenen Plan beschleunigt wird. Damit betritt die Fed in jeder Hinsicht Neuland und man darf gespannt sein, wie das gesamte Experiment aus Bilanzaufblähung und nun Schrumpfung letztlich ausgehen wird. Man könnte Yellen vorwerfen, dass das Gros der Maßnahmen nicht mehr in ihre Amtszeit fällt, die voraussichtlich im Februar 2018 endet. Allerdings fiel die Entscheidung einstimmig. Es ist also davon auszugehen, dass selbst ein Fed-Chef „von Trumps Gnaden“, das Rad nicht ohne wirklich gute Argumente wird zurückdrehen können.

 

Heiß gekocht, lauwarm serviert

Aber diese guten Argumente lieferte Yellen gleich selbst: Denn obwohl der Fahrplan zum Rückbau der Bilanz im Prinzip fix ist, kann im Falle eines „ökonomischen Schocks“ davon abgewichen werden. Unter welchen Voraussetzungen des Vorliegen eines solchen Schocks zu bejahen wäre, ist naturgemäß eine Ermessensfrage. Genau das war aber offenbar die Nachricht, aus der die Märkte Honig saugten, und damit die Botschaft Nr. 3: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Yellen erwies sich damit einmal mehr als Meisterin des Ankündigungsmanagements und verstand es erneut den Märkten eine Botschaft schmackhaft zu machen, die alles andere als schmackhaft ist. Unter normalen Umständen hätte die Ankündigung von Zinserhöhungen und eines beschleunigenden Liquiditätsentzugs die Märkte erheblich unter Druck gesetzt. So aber erreichte der Dow-Jones-Index ein neues Allzeithoch.

 

Bodenständige Toprendite

Wenn in den USA die Weichen neu gestellt werden, dann hat das regelmäßig Auswirkungen in der ganzen Welt. Das trifft sogar dort zu, wo man sich bewusst regional fokussiert, wie dies bei Trader „Elstertal“ mit seinem wikifolio „Mitteldeutschland-Invest“ der Fall ist. Schwerpunkt seiner Investitionstätigkeit sind Unternehmen aus den beiden ostdeutschen Bundesländern Sachsen und Thüringen, oder solche Firmen, die dort über größeren Immobilienbesitz verfügen. Der Ansatz von Elstertal ist in jeder Hinsicht bodenständig. Laut Eigenauskunft befinden sich in seinem Privatbesitz Aktien, die er mittlerweile in 4. Generation hält. Auch Immobilien spielen eine größere Rolle in seiner Anlagepolitik. Wer mit einem derart langen Horizont anlegt, dem können Notenbankentscheidungen tatsächlich fast egal sein. Dass die Performance dennoch alles andere als langweilig ist, zeigte der gestrige Teilverkauf von Vita 34 mit einem Gewinn von mehr als 176%!

Mitteldeutschland-Invest

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Durch "Fehler"-Analyse zum Erfolg

Eine interessante Trading-Chance ergab sich in der vergangenen Woche bei der Aktie der Beteiligungsgesellschaft MBB. Nachdem das Papier im Mai bis auf knapp 117 EUR angestiegen war, mündete der Kurs in eine ausgedehnte Konsolidierungsphase, die die Aktie wieder unter 98 EUR führte. Diese Marke schien zu einer unüberwindlichen Hürde zu werden. Das Kursgeschehen darunter war ereignislos, geradezu langweilig. Dann wurde innerhalb weniger Tage zunächst diese und schließlich auch wieder die runde Marke von 100 EUR unter großen Umsätzen zurückerobert. „TraderOnkel“ vom wikifolio „AA+ Master-Trading ohne Hebel“ kommentiert „MBB bricht nun wie erwartet über 100€ aus“ und schnappt zu – erstmalig bereits knapp unter 100 EUR. Ganz zufrieden ist er allerdings nicht mit sich: „Was ich bei diesem Trade für mich selbst bemängeln muss, ist die Tatsache dass die Gewichtung von Anfang an zu gering gewählt war, obwohl ausreichend Stück auf dem Markt zur Verfügung standen...“ Was vordergründig wie ein „Fehler“ aussieht, ist tatsächlich eine große Stärke: Die kritische Bewertung des eigenen Anlageprozesses mit dem Ziel diesen immer weiter zu verbessern.

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Nach strengen Regeln

Eine Aktie mit einem ähnlichen Kursverlauf wie MBB ist die des österreichischen Wettanbieters bet-at-home.com. Ebenfalls bis Mai ging es steil nach oben, dann erfolgte der erste große Abverkauf seit dem Jahr 2013. In der Folge konsolidierte auch diese Aktie und lotete mit Kursen um 92 EUR ihren (Zwischen-)Boden aus. Bis vor knapp zwei Wochen blieb das Papier dann relativ unauffällig. Allerdings lagen auch hier die Trader auf der Lauer, um schnell zuzugreifen, sobald die Aktie wieder „aktiv“ würde. Das tat beispielsweise auch Trader „hochd1990“ der am 14. September für sein wikifolio „Aktienauswahl nach Strategie“ eine Anfangsposition erwarb. Er legt übrigens großen Wert darauf, dass die „Aktien … nach strengen Regeln gekauft sowie verkauft“ werden, „sodass der emotionale Aspekt keine Rolle spielt“. Diese Regeln sind übrigens im Wesentlichen fundamentaler Natur. Im konkreten Fall korrelierten sie allerdings mit dem Chart, in dem die „sehr gute Reaktion auf die Quartalszahlen“ unmittelbar abzulesen war.

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Was kommt?

Das sollten Anleger in dieser Woche im Auge behalten

In den nächsten Tagen wird insbesondere in Europa einmal mehr die Politik dominieren. Heute wird sich die britische Premierministerin Theresa May zum aktuellen Stand und zur weiteren Vorgehensweise beim Brexit-Verfahren erklären. Solche Reden können durchaus für einige Verunsicherung sorgen.

Am Sonntag finden in Deutschland die Wahlen zum Bundestag statt. Es wird davon ausgegangen, dass Bundeskanzlerin Merkel erneut eine Regierungsmehrheit erhält. Mit Spannung wird das Abschneiden der AfD erwartet, die aller Voraussicht nach erstmalig in den Bundestag einziehen wird.

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