Wochenrückblick: Elefantenhochzeit auf Arabisch

Der Ölkonzern Aramco kauft Sabic für sage und schreibe 70 Milliarden US-Dollar und beflügelt die Phantasien für einen geplanten Börsengang.

Diesen Mittwoch wurde der bis dato größte Übernahmedeal im Nahen Osten verkündet: Saudi Aramco, die weltweite Nr. 1 unter den Ölförderern, wird 70 % der Anteile des saudischen Chemie- und Metallkonzerns Sabic übernehmen – für die stattliche Summe von rund 70 Mrd. USD. Die Übernahme war wohl auch einer der Gründe für die Verzögerungen des lange geplanten und bereits angekündigten Börsengangs von Aramco. Mit diesem Schritt würde sich der Öl-Gigant vom reinen Förderer zu einem breiter aufgestellten Petrochemie-Konzern wandeln, wodurch auch wieder mehr Fantasie in den geplanten Börsengang käme.

Shopping für Fortgeschrittene

Der vielleicht interessanteste Aspekt der Übernahme ist, dass der Sabic-Anteil nicht an der Börse erworben werden soll, sondern aus dem Portfolio des saudischen Staatsfonds Public Investment Funds (PIF) stammt. Und genau dieser Fonds ist ein zentraler Baustein der „Vision 2030“, mit der sich Saudi Arabien unabhängiger von Erdöleinnahmen machen will. Das nun eingenommene Geld wird also dazu dienen, den Fonds breiter und internationaler aufzustellen. Wenn der PIF also demnächst mit den vielen Milliarden, die der Verkauf der Sabic-Anteile in die Kasse spült, auf Einkaufstour gehen wird, könnten sich daraus durchaus neue Impulse für die globalen Kapitalmärkte ergeben.

Heiliger Gral des Investierens

In jedem Fall ist Aramco ein hoch lukratives Unternehmen, für das die Gewinne buchstäblich aus dem Wüstensand sprudeln. Nach geglücktem Börsengang wäre es also definitiv ein Kandidat für das wikifolio Rule One Companies von Uwe Trenkner (Macadora). Denn in diesem wikifolio wird nach der Investmentstrategie von Phil Town angelegt, die im Wesentlichen auf Warren Buffetts erster Investmentregel basiert: „Verliere niemals Geld“. (Die Regeln 2 und 3 lauten übrigens: „Vergiss niemals Regel 1“.) Dabei sind in Trenkners Visier ausschließlich Unternehmen, die über eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde USD verfügen. Aktuell ist das wikifolio fast zu 100 % investiert, aber nur in zwei Unternehmen: den eCommerce Giganten Amazon und den Medizintechnikkonzern Intuitive Surgical. Mit seinen „Rule One“-Unternehmen lag Trenkner goldrichtig. Hervorragende +21 % hat er damit bisher auf Jahressicht erwirtschaftet.

Rendite hoch zwei

Auf Gewinner setzt auch Bernhard Schirk (BSS) mit seinem wikifolio Value Stock Selection. Dabei hat er vor allem zwei Kennzahlen im Blick: die Kapitalrendite und die Gewinnrendite. Mit klassischer Fundamentalanalyse will Schirk so eine stabile Wertentwicklung bei relativ niedriger Volatilität erreichen. Sein Fokus liegt auf hochkapitalisierten Unternehmen. Die Haltedauer ist überwiegend langfristig. Das wikifolio ist breit aufgestellt, hat seinen Anlageschwerpunkt aktuell aber in den USA. Übergewichtet sind derzeit Arista Networks (Netzwerktechnik), The Trade Desk (Fintech) und Amazon (eCommerce) . Zuletzt baute er seine Position beim US-Dokumentenspezialisten DocuSign in kleinen Schritten weiter auf. Rund 25 % des Kapitals hält Schirk weiter für Zukäufe trocken. Die konsequente Konzentration auf wenige Kennzahlen zahlte sich in jedem Fall aus: herausragende +47 % Gewinn konnte Schirk auf diese Weise in den letzten zwölf Monaten erwirtschaften.

Nur die Performance zählt

Weniger auf Amerika ausgerichtet zeigt sich Reiner Schroth (ReinerSchroth) mit seinem wikifolio Peak Power. Mit Bet-at-Home, BB Biotech und Adidas kommen die drei Top-Titel seines Portfolios aus dem deutschsprachigen Raum. Vervollständigt wird sein Portfolio derzeit übrigens mit einem NASDAQ- und einem Gold-ETF. Schroth hat sich zum Ziel gesetzt, unabhängig von der aktuellen Konjunktur- und Börsenlage eine positive Rendite zu erwirtschaften. Dabei beschränkt er sich weder hinsichtlich des Anlageuniversums noch in Bezug auf die Analyseverfahren. Auch die Haltedauer kann von einigen Stunden bis zu vielen Monaten betragen. Erlaubt ist was gefällt, genauer gesagt, was Performance einbringt. So wenig sich Schroth auf konkrete Methoden oder Titel festlegt, bei Verlusten versteht er keinen Spaß. Das brachte ihm nicht nur die Auszeichnung als „Guter Money Manager“ ein, sondern auch eine Jahresperformance von mehr als 12 %.

Das sollten Anleger in den nächsten Wochen im Auge behalten

Obwohl der Brexit auch in dieser Woche die Schlagzeilen beherrschte, zeigten sich die Marktteilnehmer zunehmend abgestumpft. Aber auch abseits des Brexit stehen für die nächste Woche nur noch vergleichsweise wenige Impulsgeber für die Märkte auf dem Programm: Am 1. April verkündet China die Entwicklung des Einkaufsmanagerindex für den März. Der Index fällt seit Mai 2018 und liegt seit drei Monaten unter der wichtigen Schwelle von 50, ab der Wachstum signalisiert wird. Das zweite börsenrelevante Datum sind die US-Beschäftigungszahlen, die am kommenden Freitag verkündet werden.