30.07.2015| Von: Filip Nestorovic |

Der TradersTalk geht in eine neue Runde! Diesmal haben wir mit Marco Borst gesprochen. Der gelernte Bankkaufmann erzählt über die Anfänge seiner Traderkarriere und wie er als berufstätiger Familienvater noch Zeit für den Börsenhandel findet.

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Gerne. Ich heiße Marco Borst.

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Man findet mich unter dem Usernamen richindustries.

Was sind Sie von Beruf?
Ich bin Bankkaufmann.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Ich hatte schon immer eine Passion zum Geldverdienen. Im jungen Alter als Zeitungsjunge und bis heute mit dem Handel von Wertpapieren. Meine Leidenschaft zum Trading wurde in der Zeit vor dem Platzen der Dotcom-Blase geweckt. Ich hatte einen Bericht über die Börse und die Möglichkeiten dort Geld zu machen im Fernsehen gesehen. Ich war damals erst 17 (1996) und konnte es kaum erwarten endlich 18 zu werden, um endlich meine ersten Aktien zu kaufen. Das war der Start meiner „Trading-Karriere“.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Mein typischer Handelstag Tag beginnt in der Regel um 6:00 Uhr mit einem Frühstück und einem starken Kaffee :-). Dabei studiere ich über Handelsblatt-Online/Onvista das Tagesgeschehen, schaue was die US-Börsen gemacht haben und suche nach neuen relevanten Nachrichten zu meinen aktuellen Investments. Tagsüber bin ich in Vollzeit als Bankkaufmann berufstätig. Auf der Arbeit habe ich die Möglichkeiten mich regelmäßig über die Kursbewegungen zu informieren und ggfs. entsprechende Trades zu veranlassen. Aufgrund der Ausgestaltung meiner Handelsstrategie ist dieser Aufwand allerdings gering. Nach Dienstschluss hat der Papa und Ehemann zunächst Zeit für die Kinder und Ehefrau. Wenn die Kinder im Bett liegen ziehe ich mich dann normalerweise noch für ca. eine Stunde (bei Bedarf auch länger) in mein Büro zu Hause zurück. Hier recherchiere ich dann nach neuen Investments, überprüfe aktuelle Investments und werte Bilanzen aus.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Zurzeit führe ich zwei Wikifolios „Nahrung Energie Kommunikation PLUS“ und „SITUATION-TRADING-STRATEGY“. Das Wikifolio „Nahrung Energie Kommunikation PLUS“ ist als „Real-Money“ Wikifolio gelistet. Hier bin ich selbst mit über 5.000,-- € investiert.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
In erster Linie um damit Geld zu verdienen. Alles andere wäre geheuchelt. Ein weiterer, aber auch für mich ein ganz wichtiger Aspekt, ist der Gemeinschaftsgedanke. Es freut mich zu sehen, wenn andere von meiner Trading-Strategie profitieren.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Grundsätzlich halte ich nach Unter. bzw. Überbewertungen Ausschau. Mein Handelsstil ist auf einen eher mittelfristigen Haltezeitraum ausgelegt. Also normalerweise kein Intraday-Trading. Wobei ich aber auch immer wieder Gewinne realisiere oder Positionen aufstocke wenn ich das Gefühl habe, dass ein Investment zu schnell gestiegen ist oder weit unter Wert gehandelt wird. Ich handele in der Regel nur Aktien von Unternehmen deren Bilanzen ich im Vorfeld analysiert habe. Mein Handelsstil ist also stark abhängig von der Fundamental-Analyse.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Ja und Nein. Mit der Performance des Wikifolios „Nahrung Energie Kommunikation PLUS“ bin ich sehr zufrieden. Mit meiner Strategie „SITUATION-TRADING-STRATEGY“ liege ich aktuell hinter Plan, da ein aktuelles Investment noch etwas Entwicklungszeit benötigt.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Ein Trade mit Gazprom im Dezember 2014 mit einem Gewinn von über 20%. Leider war ich hier bei der Positionsgröße etwas zu restriktiv.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2015?
Als große Herausforderung für Anleger und Trader. Bislang haben sich Aktien (insbesondere in den USA und Europa) gut entwickelt. In den USA und Deutschland kursieren Sie nahe der Allzeithöchststände. Allerdings haben die aktuell bestehenden Unsicherheiten wie die schwächelnde Konjunktur in China, die Probleme am chinesischen Aktienmarkt, Griechenland, die Zinsdebatte in den USA, der Ukraine-Konflikt alle das Potenzial einen Crash an den Weltweiten Aktienmärkten auszulösen. Die Herausforderung liegt darin hier rechtzeitig den Absprung zu schaffen oder sogar davon zu profitieren.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Aktuell bevorzuge ich keinen Markt als Ganzes. Da ich der Meinung bin, dass die aktuelle Hausse (am Aktienmarkt) langsam zum Ende kommt, präferiere ich eine gezielte Aktienauswahl (Stockpicking).

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Auf mittelfristige Sicht favorisiere ich aktuell die KTG Agrar SE und Potash aufgrund Ihrer relativ Konjunktur unabhängigen Geschäftsmodelle.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Wie wahrscheinlich bei den meisten Anlegern war dies ein Verlust. Meine Tradinglaufbahn startete in den Zeiten vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Ich war verwöhnt von quasi automatischen Gewinnen in dieser Zeit. Ich machte mir nicht viele Gedanken über Bilanzen und Bewertungen und investierte mein gesamtes Geld (Startkapital + Gewinne) immer fast vollständig in eine Aktie. Das ging solange gut bis der große Crash kam. Ich hielt zu lange an dem Investment fest und verkaufte erst als ich über die Hälfte meines Geldes verloren hatte. Die größte Lektion daraus war, „Verluste begrenzen, kenne was du kaufst und ein bisschen Diversifikation kann nicht schaden“.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Trading kann man nicht auf der Schulbank lernen sondern hat viel mit Erfahrung zu tun. Deshalb anfänglich am besten mit Musterdepots üben, üben, üben sowie sich und sein Handeln immer wieder, insbesondere nach Misserfolgen, selbstkritisch reflektieren.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Da ich mein Wissen hauptsächlich durch „Learning by doing“ erworben habe, kann ich leider kein spezielles Fachbuch empfehlen. Mein wichtigstes Buch ist ein Notizbuch. Hier vermerke ich mir immer was gut oder nicht gut funktioniert hat.