05.08.2016| Von: Anja Branz |

Diesmal haben wir wikifolio-Trader Michael Hater zum TradersTalk gebeten. Er ist auf unserer Plattform unter dem Namen MichaelHowards aktiv und betreibt mehrer wikifolios. Im Interview hat er mit uns über Anlagealternativen zu Investmentfonds und ETFs und von seinen Traum vom eigenen Fond erzählt! Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Mein Name ist Michael Hater.

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Auf wikifolio.com bin ich unter dem Synonym MichaelHowards zu finden.

Was sind Sie von Beruf?
Ich bin freier Anlage- und Vermögensberater sowie Business Consultant in Projekten bei Banken und Investmentgesellschaften.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Ich bin 1987 früh durch meinen Vater auf das Aktiengeschäft aufmerksam geworden. Damals, kann ich mich erinnern, klebten wir noch Kursschnipsel aus der Börsenzeitung in ein eigens dafür angelegtes Tradingbuch. Commodore und Chrysler war einer der heißesten Werte damals. Meine ersten eigenen Aktien waren Mannesmann. Beruflich eingestiegen bin ich 1988 mit einer Lehre zum Bankkaufmann, sowie einer 10-jährigen Tätigkeit im Wertpapiergeschäft und als Händler in einer regional tätigen Bank in Essen. Im Jahr 2000 habe ich mich dann mit einem Kollegen im Beratungsgeschäft selbständig gemacht. Aktien und Zertifikate handele ich seit der Zeit mehr oder weniger durchgängig.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Das ist relativ unspektakulär, weil ich mich eher auf mittel- bis langfristige Investments anstatt auf kurzfristiges Trading spezialisiert habe. Dennoch checke ich mehrmals täglich die Kursentwicklungen und setze mich oft abends zu den US-Handelszeiten noch mal ein oder zwei Stunden an den Rechner um Berichte und Entwicklungen zu studieren.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich habe 4 wikifolios, wobei ich mich aktuell auf das MHEQ Global Champions Defensiv und mein Dachwikifolio „Give Me Five“ konzentriere. Beide haben den Real-Money Status.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
In Zeiten der Diskussion, ob nun aktiv gemanagte Investmentfonds oder passive kostengünstige ETFs die bessere Wahl sind, versuche ich mit meiner Strategie eine dritte Alternative zu bieten. Ich habe selbst durch meine berufliche Tätigkeit Einblicke in die Vorgehensweisen bei großen Fondsgesellschaften erhalten. Hier geht es meist nur darum, die jeweiligen Vergleichsindizes zu schlagen. Danach werden die Fondsmanager bezahlt. Wie viel dabei für den Anleger rausspringt ist oft zweitrangig. Daher finde ich die Vorgehensweise bei wikifolio nur fair, dass die Trader nur dann Geld erhalten, wenn Sie neue Highs generieren. Eine Win-Win Situation für alle. Damals zu Bankzeiten war es immer mal mein Traum einen eigenen Fonds zu managen. Durch wikifolio ist dies nun im Rahmen eines Indexzertifikats möglich geworden. Eine tolle Entwicklung. Nächstes Ziel wäre es dann, die Strategie der defensiven 10 Champions-Aktien sparplanfähig zu bekommen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Ich investiere ausschließlich in internationale Aktien und analysiere dabei Kennzahlen wie Gewinnkontinuität und Verlustratio. Aus einer Datenbank von über 20.000 Aktien filtere ich die 50 Championsaktien heraus, die führend in diesen Kennziffern sind und konzentriere mich dann im MHEQ Global Champions Defensiv auf die besten 10. Diese werden halbjährlich überprüft und auf 10 % Depotanteil reallokiert. Relativ unspektakulär, aber nicht nur im Back-Testing extrem erfolgreich.

Beim Dachwikifolio „Give me Five“ hingegen nutze ich das Portfoliooptimierungstool Munio. Ich werfe die Real-Money wikifolios, die mindestens 1 Jahr Historie haben, eine positive Jahresperformance aufweisen und einen maximum Drawndown von 20 % haben ins System und lasse dieses nach den Ansätzen von Nobelpreisträger Markowitz optimieren. Give me Five heißt, dass jedes allokierte wikifolio maximal 20 % Depotanteil haben darf und mindestens 5 % wenn es allokiert wird. Aktuell sind 10 Werte enthalten.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Auf jeden Fall. Auch wenn die Performance im Give me Five sicherlich noch Potential hat. Trotzdem liegt es schon unter den Top10 Dachwikifolios. Das MHEQ Global Champions Defensiv wurde kürzlich zum wikifolio der Woche gekürt. So kann es weiter gehen.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Obwohl ich im defensiven Champions-Wiki eigentlich nicht trade, sah ich mich bei den Übernahmegerüchten beim Champion Church&Dwight, die kurzfristig Tagesgewinne von 20 % brachten, doch genötigt ein paar Stücke zu geben. Die Position habe ich dann später etwas günstiger wieder zurück kaufen können.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?
Ich gehe grundsätzlich, insbesondere aufgrund der Wahlen in den USA, weiter von volatilen Märkten aus. Aber wie die Wahl auch ausgehen mag rechne ich eher mit steigenden Kursen, weil es keine Alternativen zu Sachwerten gibt. Viele Investoren, die sich früher nicht an eine Aktien(-fonds)anlage wagten, werden in den letzten Monaten aufgrund der Null-Zins Politik und fehlender Anlagealternativen mutiger.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Eindeutig die amerikanischen Märkte. Die Aktienkultur ist dort leider immer noch eine ganz andere. Unter meinen Top10 Werten ist aktuell Fielmann der einzige deutsche Wert.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Ich halte mich ganz an meine Auswahl an Champions Aktien auch wenn ich z.B. im MHEQ Fallen Champions auch mal kurzfristigere Strategien aktuell ausprobiere. Der Anteil an Value Titeln überwiegt aber deutlich.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Die Dotcom Krise 2000 bis 2003. Hier hat man wirklich gelernt, wie wichtig es ist, gutes Money Management zu betreiben. Verluste zu begrenzen sollte daher immer die oberste Maxime sein.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Ich würde zunächst das Trading auf dem Papier in Form von Musterportfolien oder einem eigenen wikifolio im Teststatus empfehlen. Dabei ist aber immer zu beachten, dass es ein wichtiger Unterschied ist, ob man auf dem Papier handelt oder mit eigenen echtem Geld. Daher ist für mich auch der Real Money Status ein wichtiges Kriterium für die Selektion von wikifolios. Wer nicht auch mit eigenem Geld im Boot sitzt, der handelt in meinen Augen oft nicht so gewissenhaft wie Real Money Trader.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Es sind schon viele Empfehlungen gegeben worden. Interessant ist sicherlich die Zeitschrift „Traders“ und ich finde das Buch „Der disziplinierte Trader“ von Mark Douglas sehr wertvoll. Auch wenn dieses, wie ich gesehen habe, aktuell relativ schwer zu bekommen ist.