Warum der geplatzte Ant-Group-IPO China für Investoren attraktiver macht

Top-Trader Philip Bußmann erklärt, warum der chinesische Markt nach dem kurzfristig geplatzten Mega-Börsengang der Alibaba-Tochter Ant Group für Investoren sogar noch interessanter ist.

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Quelle: Egor Kamelev, pexels.com

Anfang November sollte mit dem IPO der Alibaba-Tochter Ant Group der größte Börsengang der Geschichte von statten gehen. Wie wir heute wissen, wurde daraus nichts. Zwei Tage vor dem Mega-IPO, zog die staatliche Börse in Shanghai die Reißleine. Als Begründung wurde ein neues regulatorisches Umfeld und Falschmeldungen des Unternehmens genannt. In Medien-Berichten war zu lesen, dass sich Alibaba-Gründer Jack Ma kritisch gegenüber der Regierung geäußert haben soll und dafür nun einen Denkzettel bekam. Der Börsengang wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Alibaba-Aktie knickte ein.

Knapp ein Monat später erläutert Top-Trader und China Experte Philip Bußmann (LONGLIFE), der das wikifolio China Hightech verwaltet, warum er die Ant-Group weiterhin für ein spannendes Investment hält und wie die Ereignisse rund um den geplatzten Börsengang die Attraktivität des Gesamtmarktes beeinflussen.

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Kennzahlen

  • +110,3 %
    seit 24.05.2019
  • +69,9 %
    1 Jahr
  • 0,79×
    Risiko-Faktor
  • EUR 8.570.117,07
    investiertes Kapital

Wie geht es weiter mit der Ant Group?

Die Blockade des Rekord-Börsenganges wurde von der chinesischen Regierung unter anderem mit dem Verweis auf ein geändertes regulatorisches Umfeld begründet. Bußmann erläutert, welche Konsequenzen das für die Ant Group und andere chinesische Finanzdienstleister hat: „Die neuen Vorschriften sehen unter anderem verschärfte Regelungen bei Mikrokrediten vor. Für Ant bedeutet das, dass man zukünftig wohl mehr Kapital vorhalten muss. Dadurch würde die Profitabilität von Payment-Anbietern wie Alipay und WePay von Tencent dauerhaft sinken, es macht sie aber auch robuster.“

Eben diese gesenkte Profitabilität bereitet dem Markt nun Sorgen. In einem Beitrag der Financial Times spekulierte ein Fondsmanager, dass sich der Wert der Ant Group, bei einer strengen Auslegung der neuen Regularien, halbieren könnte. Bußmann glaubt zwar ebenfalls an Folgen für den Unternehmenswert, hält diese Schätzung jedoch für überzogen: „Den neuen Regeln zufolge muss die Ant Group künftig beispielsweise 30 Prozent der vergebenen Kreditsumme vorhalten. Bislang hat Ant nur zwei Prozent in den eigenen Büchern, der Rest läuft unter anderem über beteiligte Banken. Insofern mag der in der zitierte Fondsmanager Recht haben, dass das den Unternehmenswert stark verringern könnte. Trotzdem halte ich das für ziemlich unrealistisch.“

Warum der China-Experte auch weiterhin an die Attraktivität der Alibaba-Tochter glaubt, begründet er wie folgt: „Der Unternehmensname Ant (Ameise) steht als Symbol für die Stärke der Kleinen. Für den größten Börsengang aller Zeiten des weltweit wertvollsten Fintech-Unternehmen erscheint mir der Unternehmensname genau wie der Ausgabekurs im aktuell bullischen Börsenumfeld eine sehr bescheidene Untertreibung zu sein. Der Börsengang der Ant Group war 870-mal überzeichnet. Auf dem grauen Kapitalmarkt in Hongkong wurden Anteile laut Insidern mit bis zu 50 Prozent Aufschlag gehandelt.“

Auch der Kursverlust des Mutterkonzerns irritiert Bußmann nicht: „Die Alibaba-Aktie ist seit der Entscheidung stärker gefallen als der Gesamtwert seiner Beteiligung an der Ant Group. Wenn es um die Politik geht, sind die kognitiven Verzerrungen an der Börse besonders stark ausgeprägt. Das Sprichwort ‚politische Börsen haben kurze Beine‘ kommt nicht von ungefähr.“

Hat die Regierung willkürlich gehandelt?

„Es mag sein, dass die Regierung sich von den subtilen Andeutungen von Alibaba-Gründer Jack Ma zur rückständigen Denkweise der Staatsbanken und Regulatoren bei ihrer abrupten und überraschenden Entscheidung hat beeinflussen lassen. Die westlichen Medien favorisieren es natürlich, diese emotionale Story der unberechenbar, teuflischen Regierung und dem smarten Rebellen zu erzählen“, kommentiert Bußmann. Den wesentlichen Grund für die Entscheidung sieht der Top-Trader jedoch an anderer Stelle: „Oberstes Credo des chinesischen Wirtschaftsplans ist es, den Wohlstand im eigenen Land zu maximieren und ihre Macht international zu stärken. Dafür ist es konsequent Monopolstrukturen an den Stellen im Zaum zu halten, bei denen sie zulasten der Verbraucher gehen.“

Genau das tut die Regierung laut Bußmann nun durch die neuen Regularien: „In einem neuen Gesetzentwurf der chinesischen Kartellbehörden werden eine Vielzahl von Marktmissbräuchen aufgezählt, die zukünftig verstärkt bekämpft werden sollen. Darunter fällt die unlautere Verwendung von Rabatten und das Beschränken von Unternehmen, die auf konkurrierenden Plattformen aktiv sind. Diverse Händler und Plattformen beschuldigen Alibaba solcher Geschäftspraktiken.“

Ist der Markt nun weniger attraktiv?

An der grundlegend wachstumsfokussierten Ausrichtung der Regierung ändern die neuen Regularien laut Bußmann jedoch nichts: „Die chinesische Regierung hat kein Interesse daran die eigenen Technologieunternehmen im internationalen Wettbewerb zu schwächen. Im Gegenteil wurde der Weg für die Erfolgsgeschichten bisher gezielt von oben unterstützt. Der Führung ist klar, dass der Wohlstandsgewinn im eigenen Land maßgeblich von den Technologieriesen abhängt.“ Folgen werden die neuen Vorschriften laut Bußmann dennoch haben: „Die Tech-Riesen verlieren etwas an Renditepotenzial, weil sie bei unfairen Geschäftspraktiken beschränkt werden.“

Für den Top-Trader wirken sich die neuen Regularien dennoch positiv auf die Attraktivität des Marktes aus: „Aus moralischer Sicht und aus Stabilitätsgesichtspunkten hat China für mich an Attraktivität gewonnen. Von der Ant Group mehr als zwei Prozent Eigenkapital bei Kreditvergaben zu verlangen, dürfte mehr Stabilität ins System bringen.“ Überschattet werden dieses Thema für Bußmann jedoch ohnehin von anderen guten Nachrichten: „Ungleich bedeutsamer bewerte ich die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen des jüngst beschlossenen weltgrößten Freihandelspakt von China mit 14 anderen Asien-Pazifik-Staaten.“


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