31.05.2017| Von: Christina Oehler |

Zum Abschluss unserer Serie „Erfolgreich antizyklisch handeln“ nehmen wir heute die Strategien von zwei Tradern unter die Lupe, deren wikifolios sehr erfolgreich laufen, bei denen aber bislang kaum Anlegergelder in das dazugehörige wikifolio-Zertifikat geflossen sind.

Bauchgefühl und schmerzhafte Erfahrungen

Der gelernte Bankkaufmann Ralf Glockner („fsg“) ist seit mittlerweile 30 Jahren beruflich an den Börsen tätig. Sein Anfang 2013 eröffnetes wikifolio „Gesunder Menschenverstand“ hat nach durchwachsenem Start in den vergangenen 1,5 Jahren richtig Fahrt aufgenommen und die Gesamtperformance auf fast 60 Prozent gesteigert. Eine der Erfolgsstrategien besteht darin, auf psychologisch oder politisch beeinflusste Kursbewegungen zu reagieren, da diese nur selten nachhaltig sind. Bei der Auswahl der Einzeltitel achtet er darauf, dass folgende vier Kriterien erfüllt sind:

  • Es gibt in sehr kurzer Zeit eine gewaltige Kursbewegung von zum Beispiel minus 20 Prozent in wenigen Stunden.
  • Die Kursbewegung resultiert aus einer einzigen Tatsache/Meldung.
  • Die Meldung ist entweder ein Gerücht/Vermutung/Prognose, bezieht sich auf Gegebenheiten in der Zukunft (> 1 Jahr) oder betrifft nur einen kleinen Teil des Geschäfts.
  • Das grundsätzliche Geschäft wird durch Fakten (Umsatzzahlen, Aussagen Geschäftsleitung etc.) nicht in Frage gestellt“. Beim Handel agiert er zudem nach dem Motto: „Die Börse neigt zu Übertreibungen“ und „politische Börsen haben kurze Beine“. Wichtig scheinen aber auch eine gewisse Flexibilität und vor allem Durchhaltevermögen zu sein: „Leider habe ich auch nicht DAS Rezept oder DIE Strategie, um solche Gelegenheiten gewinnbringend zu nutzen. Es sind lange – auch schmerzhafte – Erfahrungen an der Börse und viel Bauchgefühl dabei“, wie der Trader erfreulich ehrlich zugibt.

Noch mehr zum Bauchgefühl

Auf sein Bauchgefühl vertraut auch Torsten Kilgenstein („FoodBevPack“), der sein wikifolio „Unterbewertete DE-Werte“ aufgrund der nicht vorhandenen Transaktionskosten dazu nutzt, „um auch mal schnelle Gewinne mitzunehmen und etwas zu experimentieren“. Seiner Meinung nach wird die Börse „zum Großteil vom Bauchgefühl getrieben“, weshalb die Entscheidungen und Bewertungen oft rational nicht zu begründen seien: „Oft bedarf es gar keiner großen Rechnerei, um erfolgreich zu sein - und das sage ich als studierter Betriebswirt. Wie heißt es so schön: If it's stupid but it works, it isn't stupid“.

Mit diesem Ansatz hat der Trader seit dem Start im Januar 2016 ein beachtliches Plus von 39 Prozent sowie eine relativ kontinuierliche Wertsteigerung generiert. Bei kurzfristigen und heftigen Verwerfungen wie im Falle von Aurelius verfolgt der Trader die Nachrichtenlage sehr genau und bildet sich dann auf Basis der Performance in der Vergangenheit eine Meinung, ob es zu Recht zu einer Abwertung gekommen ist oder ob die Börsianer überreagieren: „Wenn die Firmen in der Vergangenheit relativ konstant unterwegs waren (kurzer Blick in Richtung Wachstum 3m, 12m und 36m sowie auf den Chartverlauf und die Dividenden der letzten Jahre) und eigentlich objektiv nichts gegen eine mittel- bis langfristige Erholung der Aktie spricht, nutze ich die Kurseinbrüche, um mich mit dem Papier einzudecken“.

Risikomanagement gehört zwingend dazu

Der Einstieg erfolgt meist mit einem Limit leicht über dem aktuellen Kurs, sobald der Trader von dem Kursrutsch erfährt: „Aufwand/Nutzen für das Abwarten wegen 5 Cent hin oder her ist bei Papieren, die gerade einen massiven Kursrutsch erlebt haben, meiner Meinung nach übertrieben hoch. Dass eine Unterstützungslinie gerissen wurde, ist ja meistens sowieso der Fall, so dass ich hier auch nicht näher analysiere. Sobald das Papier ins Plus (3-4%) schwenkt, setze ich für 50% der Anteilsscheine einen Stop-Loss, der mir zumindest mein Investment absichert. Fällt die SL-Hürde, entscheide ich spontan, ob ich mich vom Rest trenne oder einen späteren Aufwärtstrend abwarte.“ In Sachen Risikomanagement achtet der Trader immer darauf, nicht mehr als 5 Prozent des wikifolio-Volumens zu investieren, „um einen Fehlgriff verschmerzen zu können“. Der Maximalverlust seines wikifolios konnte so bislang auf lediglich 15 Prozent begrenzt werden.

Hier gehts zu den wikifolios von Ralf Glockner und Torsten Kilgenstein