03.10.2017| Von: Anja Branz |

Wir haben mit dem freiberuflichen Finanzjournalisten und Wertpapierspezialisten Thomas Koch über seinen Trading-Alltag gesprochen. Als Redaktuer beim Platow Börsenbrief betreut er auf unserer Plattform zwei Medien-wikifolios.

 

wikifolio-Trader Thomas Koch

wikifolio-Trader: PlatowDerivate

Erfolgreichstes wikifolio*:
PLATOW Best Trader Selection

  • Performance seit Beginn: +18,7%
  • Maximaler Verlust (bisher): -9,1%
  • Aktuell investiertes Kapital: 1.439.320 Euro

*) nach investiertem Kapital, Stand: 04.10.2017

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Mein Name ist Thomas Koch.

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Ich manage die wikifolios von PLATOW Derivate und agiere daher auch unter dem fast identischen Usernamen (nur ohne Leerzeichen, also PlatowDerivate).

Was sind Sie von Beruf?
Als gelernter Bankkaufmann habe ich bis Mitte 2000 als Vermögensberater / Wertpapierspezialist bei der damaligen Dresdner Bank gearbeitet. Mit knapp 28 Jahren bin ich dann als Börsenredakteur zum renommierten PLATOW Brief nach Frankfurt gegangen und habe dort 2004 die Gründung des Briefes PLATOW Derivate vorangetrieben. Anfang 2006 habe ich mich als Finanzjournalist selbständig gemacht, was eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Für PLATOW Derivate schreibe ich auch heute noch und bin eben auch für die beiden PLATOW-wikifolios verantwortlich.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Für die Börse im Allgemeinen sowie Aktien und Hebelprodukte im Speziellen habe ich mich schon sehr früh interessiert. Mit richtigem Trading hatte das lange Zeit aber nicht viel zu tun, was sich auch in den Ergebnissen widergespiegelt hat. Im Laufe der Jahre habe ich mich durch zahlreiche Bücher und Seminare weitergebildet und zumindest theoretisch begriffen, woraus es beim Trading wirklich ankommt. Wie professioneller Börsenhandel in der Praxis funktioniert, habe ich aber erst so richtig bei Erdal Cene gelernt, einem echten Börsenprofi, der viele Jahre selbst unten am Parkett gestanden und den Handel mit all seinen Tücken von der Pike auf gelernt hat. Diesen höchst kompetenten und dazu noch sehr angenehmen Menschen kennengelernt zu haben, was ein extremer Glücksfall für mich und letztlich auch alle PLATOW-Leser sowie die Investoren unserer wikifolios.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Ich stehe in der Regel gegen 6 Uhr morgens auf. Viele finden das für einen Freiberufler ungewöhnlich, aber ein wichtiger Teil meiner Arbeit muss bis spätestens 9 Uhr erledigt sein. Da ich von zu Hause aus arbeite und keine lange Anlaufzeit brauche, sitze ich schon kurz danach am Rechner. Neben den aktuellen Entwicklungen an den Märkten schaue ich auch immer direkt nach dem „Euwax Sentiment“-Stimmungsindex, der als einer der wichtigsten Signalgeber unseres wikifolios „PLATOW Trend & Sentiment“ dient. Dann kümmere ich mich um die bis zur Eröffnung des Parketthandels zu erledigenden Arbeiten wie Depotaufnahmen bei unserem Derivate-Börsenbrief oder die tägliche Kolumne „Investmentecke“, die ich mit meinem Kollegen Ralf Andreß zusammen auf Finanztreff.de schreibe. Hier habe ich übrigens frühzeitig (schon im Februar) auf die aus meiner Sicht unverantwortlich hohen Risiken eines damals sehr erfolgreichen und bei Investoren heiß begehrten wikifolios hingewiesen, das mittlerweile 99,9% an Wert verloren hat.

Sollten bei unserem wikifolio „PLATOW Trend & Sentiment“ laut Regelwerk Umschichtungen notwendig sein, nehme ich diese kurz nach Handelsbeginn gegen 9:10 Uhr vor, wenn sich die Spreads der gehandelten Produkte auf einem akzeptablen Niveau eingependelt haben. Danach startet mein ganz normaler Arbeitstag, der aus den üblichen journalistischen Tätigkeiten besteht. Da ich fast ausschließlich über Börsen-Themen schreibe, habe ich die Märkte dabei stets im Blick. Auch die Entwicklungen auf wikifolio.com verfolge ich für unser Dachwikifolio „PLATOW Best Trader Selection“ immer sehr aufmerksam. Gegen 18 Uhr führe ich dann ein erstes detailliertes Screening der Märkte durch und gucke nach Signalen für unser Börsenbrief-Depot. Gegen 19:00 / 20:00 Uhr endet in der Regel mein Arbeitstag, wobei ich auf dem Smartphone auch danach immer mal gucke, wie sich die Märkte entwickeln. Um komplett abzuschalten, bin ich wahrscheinlich einfach zu sehr „Börsenfanatiker“.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Während mich in unserem Dachwikifolio die gerade angesprochene relative Stärke unserer Trader in der Sommer-Korrekturphase positiv beeindruckt hat, war es in dem „DAX-wikifolio“ die Bestätigung der „Privatanleger liegen meistens falsch“-These in den vergangenen Wochen. Nahezu jeder rechnete zuletzt mit der „typischen“ Herbst-Korrektur, weshalb die große Mehrheit auf fallende Kurse beim DAX spekuliert hat. Der Index ist dann aber so stark gestiegen wie es im September in den vergangenen 30 Jahren nur ganz selten der Fall gewesen ist. In unserem wikifolio erfolgte durch den extremen Pessimismus der Anleger bereits im ersten Monatsdrittel die Umstellung von „Flat“ auf „einfach Long“. Seit vergangenem Donnerstag sind wir sogar „Hebel Long“ investiert und konnten dadurch von dem DAX-Anstieg auf 12900 Punkte überproportional profitieren. Persönlich hatte ich bei der Umstellung auf „Hebel Long“ auch einige Bauchschmerzen, weil der DAX da gerade den charttechnischen Widerstand bei rund 12700 Punkten angelaufen hatte. Aber meine persönliche Meinung hat hier ja zum Glück keinen Einfluss. Solche Entwicklungen stimmen mich sehr zuversichtlich, dass wir hier eine richtig gute Strategie gefunden haben, die es in dieser Form meines Wissens so bislang auch noch nicht gibt.

Wie bewerten Sie das vergangene Börsenjahr und was erwarten sie sich vom restlichen Jahr 2017?
Wie gesagt, meine Meinung spielt bei unseren wikifolios keine Rolle. Das gilt auch für sämtliche anderen Prognosen etc., die ohnehin oft nur Kaffeesatzleserei sind. Am Ende des Tages hat der Markt IMMER Recht. Deshalb habe ich es auch aufgegeben, konkrete Prognosen abzugeben. Charttechnisch und mit Blick auf die Saisonalität sieht es aktuell ganz gut aus. Aber wie der September gerade so herrlich gezeigt hat, gibt es von jeder noch so eindrucksvollen „Regel“ immer wieder Ausnahmen. Für sehr wahrscheinlich halte ich es, dass wir „demnächst“ irgendwann eine stärkere Korrektur an den Aktienmärkten (gerade im Bereich der Nebenwerte) sehen werden. Ganz einfach, weil solche Phasen dazugehören und wir sie lange nicht mehr hatten. Die Börse wird niemals eine Einbahnstraße sein. Wann genau das sein wird, weiß ich genauso wenig wie jeder andere Marktteilnehmer. Trotzdem achte ich schon jetzt darauf, dass wir im Dachwikifolio nur Trader haben, die im Fall der Fälle ihre Positionen schnell und ohne große negative Effekte auf den Kurs verkaufen können. Die neu geschaffene Liquidationskennzahl ist dabei eine große Hilfe. Ich kann allen Investoren nur raten, sich damit im Detail auseinanderzusetzen und die einzelnen wikifolios daraufhin zu überprüfen.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Spaß und Sinn macht alles, was ausreichend liquide und volatil ist. Das Einzige, was die meisten der wirklich guten Trader benötigen, ist Bewegung an den Märkten. Das gilt bezogen auf unseren Börsenbrief auch, gerade weil wir da im Bereich des Trendfolge-Handels unterwegs sind. Vorsichtig bis skeptisch bin ich wie gesagt für den boomenden Bereich der Nebenwerte, wenngleich die Rally hier natürlich trotzdem noch einige Zeit weitergehen kann. Leider gilt an der Börse aber oft das Motto „Was (zu) hoch steigt, kann auch tief fallen“.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Da halte ich mich raus bzw. verweise auf die Empfehlungen in unserem Börsenbrief. Alles andere wäre unseren Lesern gegenüber nicht fair. Kostenlose Probe-Abos bieten wir natürlich an!

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Ach, da gab es so einige. Privat habe ich viel Lehrgeld bezahlt. Das war zum Teil richtig bitter, hat mir im Endeffekt aber extrem geholfen. Es gibt wahrscheinlich keinen typischen Trading-Fehler, den ich nicht kenne. Das hilft mir gerade bei der Auswahl der Trader für unser Dachwikifolio enorm, weil ich relativ schnell merke, ob jemand wirklich Ahnung und Erfahrung hat oder einfach nur Glück. Auf was Investoren hier im Detail achten sollten, wird auch ein Thema in unserem Webinar am Donnerstag (5. Oktober) sein. Ein Zitat von John Maynard Keynes sollte sich aber jeder Trader und Investor einprägen: „Der Markt kann länger irrational bleiben als Sie liquide“. Diese Erfahrung machen seit Jahren zum Beispiel all diejenigen, die aus vielleicht sogar nachvollziehbaren Gründen einen Crash an den Aktienmärkten erwarten und deshalb massiv auf fallende Kurse setzen. Wahrscheinlich bekommen sie sogar irgendwann Recht, aber bis dahin sind die meisten Dauerpessimisten längst pleite oder haben sich entnervt zurückgezogen. Recht haben und Recht bekommen ist an der Börse eben längst nicht dasselbe.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

  • So früh wie möglich anfangen, um die zwingend benötigte Erfahrung zu sammeln. Dabei erst einmal auf Demokonten oder lediglich mit ein bisschen „Spielgeld“ handeln, um den finanziellen Schaden zu minimieren.
  • Unbedingt Verluste als notwendiges Übel akzeptieren. Keine sinnvoll handelbare Strategie hat eine Trefferquote von 100 Prozent und das muss auch gar nicht sein.
  • Eine Strategie entwerfen, die nachhaltigen Erfolg bringt und die individuellen Stärken und Schwächen berücksichtigt. Die Strategie immer wieder überprüfen, aber nicht nach den ersten Verlusten direkt alles über den Haufen werfen.
  • Sich intensiv mit professionellem Risikomanagement beschäftigen und als wichtigsten Punkt in die eigene Strategie implementieren
  • Sich intensiv mit den psychologischen Besonderheiten des Börsenhandels und auch mit sich selbst beschäftigen. Der Mensch selbst ist letztlich für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich.
  • Immer demütig gegenüber dem Markt sein. Hochmut kommt gerade auch an der Börse vor dem Fall und das kann nach einem etwaigen Höhenflug so richtig wehtun

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Ich habe wirklich viele Bücher gelesen und danach immer gedacht, ich sei jetzt „reif“ für den Börsenhandel. Tatsächlich war das aber nie der Fall. Das galt übrigens auch für fast alle Seminare, die ich besucht habe. Viele Bücher sind nett zu lesen und ein gewisses Maß an theoretischem Wissen sollte man sich auch aneignen. Aber am Ende des Tages ist das Handeln an sich eine ganz andere Hausnummer. Hier hilft nur praktische Erfahrung zu sammeln. Sehr empfehlen kann ich zum Einstieg das Buch „Professioneller Börsenhandel“ von dem bereits erwähnten Erdal Cene, der zu den einzelnen Kapiteln auch noch zahlreiche Webinare im Internet anbietet, wo das Geschriebene an praktischen Beispielen verdeutlicht wird. Für die psychologischen Aspekte fand ich Bücher von Norman Welz oder Brett A. Steenbarger ganz interessant. Und abseits des Börsengeschehens kann ich nur jedem empfehlen, sich die Bücher und Vorträge von Eckhart Tolle zu Gemüte zu ziehen. Da lernt man wirklich viel über sich selbst, was für den Börsenhandel wichtiger ist als jedes Ein- oder Ausstiegs-Setup.

 Vielen Dank für das Interview!

Werfen Sie einen Blick auf die wikifolios von Thomas Koch