19.01.2016| Von: Anja Branz |

Im aktuellen TradersTalk haben wir mit Stefan Eichhorn - wikifolio-Name "SEC" - über seine Motivation, auf wikifolio.com aktiv zu sein, gesprochen. Es ist ihm ein Anliegen, das Image der Börse als Tummelplatz für Zocker und schummrige Gestalten zu ändern, indem er auch Laien an ihren Regeln, ihren spannenden Geschichten und ihrer wichtigen Rolle für unsere Gesellschaft teilhaben lässt.

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.



Stefan Eichhorn

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
SEC

Was sind Sie von Beruf?
Leiter Vertrieb und Marketing

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Vor gut 20 Jahren über das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm von BMW

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Da ich nicht täglich aktiv am Traden bin , ist es bei mir eher die Handelswoche. Während der Woche sammle ich Artikel vor allem rund um konservative Werte, um dann am Wochenende die Fundamentaldaten dazu zu recherchieren und das Ergebnis der Analysen zu beschreiben, falls es sich um interessante Werte handelt.
Dieses Vorgehen ist mir wichtig um eine ganz nüchterne Distanz zum täglichen hektischen Treiben an den Märkten zu bekommen. Ich arbeite sehr stark zahlenbasiert und lasse mich von kurzfristigen Ereignissen nicht ablenken. Ich analysiere und beobachte Werte zum Teil über Monate, um dann bei den richtigen Kursen einzusteigen. Mein Grundprinzip lautet: Wenige, sorgfältig ausgewählte Werte statt hektischem Hin und Her.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich führe derzeit 4 wikifolios, wobei meine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf Love me forever liegt. Das ist auch ein Real-Money Depot.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Ich möchte zum einen zeigen, dass Unternehmen und der Handel an der Börse nichts für Zocker, Insider oder sonstige schummrige Gestalten ist. Unternehmen bilden den Grundstock unserer Gesellschaft und bergen oftmals wirklich spannende Stories. Sich mit den Erfolgsgeheimnissen dieser Unternehmen zu beschäftigen ist viel lehrreicher als jeder Wirtschaftsunterricht.
Weiterhin will ich zeigen, dass man mit relativ einfachen Mitteln, klaren Regeln und wenigen Trades eine ordentliche Rendite erzielen kann. Diese recht nüchterne Vorgehensweise, die von jedem nachgebildet werden kann, soll zeigen, dass eine gut überlegte Anlagestrategie nur basierend aus Aktien allen anderen Anlageformen auf lange Sicht betrachtet locker das Wasser reichen kann.
Unternehmen zu analysieren und zu verstehen ist spannend, Aktien sind nicht nur für Zocker und/oder Reiche, sondern auch für „dich und mich“. Mit einfachen Regeln an der Börse teilhaben und dabei noch über die globale Wirtschaft lernen, dass sich das verbinden lässt, das will ich zeigen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Mein Handelsstil für Love me forever: In einer großen Datenbank sammle ich die Fundamentaldaten vieler Unternehmen der letzten 10 Jahre. Mit einfachen Methoden ermittle ich vor allem die Steigerung und Kontinuität der Gewinnentwicklung. Ist die Gewinnentwicklung auch in Krisenzeiten stetig kann von einem guten Geschäftsmodell und einem sehr guten Management ausgegangen werden. Entsprechend lässt sich die Entwicklung bis zu einem gewissen Maße in die Zukunft fortschreiben. Mit dieser Methodik lassen sich viele Unternehmen auf einer ganz nüchternen Zahlengbasis miteinander vergleichen und die besten auswählen.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Love me forever: Der Erfolg hat mich wirklich überrascht. Ich rechnete eigentlich mit einem sehr niedrigen zweistelligen Anstieg des wikifolios, schließlich war das wikifolio als Ersatz von Bundesanleihen gedacht (ich wollte damit zeigen, dass man ein Depot aufbauen kann, dass mit Anleihen locker mithalten kann (siehe auch oben)). Entsprechend orientierte sich die Zielperformance an einer möglichen Performance eines reinen Anleihedepots.
In den ersten 15 Monaten stieg das wikifolio jedoch um mehr als 45 %, also weit mehr als ich zu Anfang zu träumen wagte. Um ehrlich zu sein ist mir dieser Erfolg schon fast gespenstig. So liegt das wikifolio, dass sich eigentlich mit Anleihen messen sollte, in der Gesamtbetrachtung über alle wikifolios sehr weit vorne und kann sich mit wesentlich dynamischeren wikifolios vergleichen lassen.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Dass das wikifolio Anfang Oktober 2015 das Allzeithoch aus dem April übertroffen hatten, während gleichzeitig der Dax noch gut 10% unter seinem Hoch aus dem April lag fand ich sehr beeindruckend. Das zeigte auf eindrucksvolle Weise wie stabil dieses wikifolio „gebaut“ ist (wenn man das so sagen darf) und zwar ganz ohne Absicherungsmechanismen wie Short-Zertifikaten oder einem (kompletten) Ausstieg. Sorgfältig auswählen und dann die Werte halten, das ist die Strategie die von jedem Beobachter in Ruhe nachgebaut werden kann und sich völlig der Hektik an den Märkten entzieht.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2015?
Das Börsenjahr 2015 wird rückblickend vermutlich viel Wasser auf den Mühlen der Skeptiker sein: In den ersten Monaten ungebremste Euphorie, dann als Folge der China-Krise und der Griechenland-Krise Einbrüche um die 20%, nur um dann am Ende des Jahres vermutlich leicht höher als im Vorjahr zu schließen. Diese Volatilität hat sicherlich einige Börsenneulinge wieder verschreckt und die Negativnachrichten übertönten mehrere positive Signale, womit die Skeptiker sich bestätigt sehen.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Ich denke, dass in Europa aktuell noch größeres Potential vorhanden ist, auch wenn die US-Märkte zuletzt besser liefen. Es macht Sinn sich zu allererst im Stoxx50 nach geeigneten Werten umzusehen.
Spaß machen sollte es jedoch in die Unternehmen zu investieren und nicht in Märkte. Wenn ich Spaß daran habe (Mit-)Unternehmer und Anteilseigner an einem Unternehmen zu sein, weil mich die Produkte, das Geschäftsmodell, das Management oder einfach nur die Leistung in der Vergangenheit überzeugt, dann ist es egal in welchem Markt sich das Unternehmen bewegt.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Unternehmen die in der Vergangenheit bewiesen haben auch unter schwierigen Rahmenbedingungen verlässlich Gewinne zu generieren.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Gier und Ungeduld können dich ein Vermögen kosten.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Lege ganz einfache, aber wohl überlegte Regeln fest die du stoisch berücksichtigst. Eine solche Regel könnte z.B. lauten einmal pro Jahr das Depot so umzuschichten, dass gleichmäßig in die 10 stärksten Eurostoxx-Werte des vergangenen Jahres investiert wird.

Lass dich nicht aus der Ruhe bringen.

Um diese Regeln festlegen zu könnten solltest du zuerst viel nachdenken, nicht hektisch agieren, realisieren, was du tun wirst:

  • Spekulieren oder Investieren?
  • Kurzfristig zocken oder langfristig am Unternehmenserfolg teilhaben?
  • Fühlt es sich gut an die die Unternehmen zu investieren?

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
One up on wallstreet von Peter Lynch.

 

 

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