31.03.2018| Von: Andreas Kern |

 

Portrait Andreas Kern


Auch in den vergangenen Handelstagen rissen die Turbulenzen an den Märkten nicht ab. Massiven Abwärtsbewegungen folgten steile Kurserholungen, die Verunsicherung der Marktteilnehmer war mit Händen zu greifen. Das gebetsmühlenartig wiederholte Mantra von der Alternativlosigkeit der Aktie hat zuletzt Kratzer bekommen. Den schleichenden Anstieg der US-Zinsen seit Herbst letzten Jahres hatten die Märkte ja noch ganz gut weggesteckt. Auch die diplomatische Krise um Russland blieb für die Börsen bislang nur eine Fußnote. Als deutlich gravierender werden dagegen die aufkeimenden Spannungen im internationalen Handel angesehen. Dies ist neben den hohen Bewertungen einer der Gründe, warum Allianz-Chef Oliver Bäte jüngst verlauten ließ, dass man in seinem Haus mittel- bis langfristig von einer „sehr starken Korrektur“ ausgehe. Das ist zwar sicher eine gewichtige Stimme, allerdings lehrt die Erfahrung der Vergangenheit auch, dass es an den Märkten immer dann besonders gefährlich wird, wenn die Großen sorglos sind, nicht aber wie jetzt „sehr, sehr vorsichtig“.

Favoritensterben

Favoritensterben

Das vielleicht auffälligste Phänomen ist derzeit die Schwäche der bis vor kurzem noch unangefochten führenden Hightech-Werte. Die durch den Datenskandal gebeutelte Facebook-Aktie zeigt deutliche Bremsspuren im Chart. Der Elektroautobauer Tesla wurde angesichts negativer Kommentare regelrecht abverkauft und das erfolgsverwöhnte Vorzeigeunternehmen Amazon.com geriet ins Visier von US-Präsident Trump, was die Anleger naturgemäß ebenfalls verschreckte. Insofern hat der Allianz-Chef schon Recht, denn vor dem Hintergrund der vorausgeeilten Bewertungen, die gerade in diesem Bereich vorliegen, muss nicht viel passieren, um die Kurse unter Druck zu setzen. Dass von überbewerteten Titeln tendenziell keine langfristig überdurchschnittliche Performance zu erwarten ist, erscheint zudem einleuchtend. An diese Erkenntnis schließt sich aus Anlegersicht aber eine viel gewichtigere Frage an: Was sind die Alternativen?


„Langweiliger“ Ansatz mit aufregendem Ergebnis

Ob man sich weiter in Aktien engagieren soll, beantwortet Dirk Hagemann mit einem klaren „Aktien? yeah!“. So lautet jedenfalls der Name seines wikifolios, das er als Trader „plustick“ erfolgreich durch gute und jüngst auch durch die etwas schlechteren Zeiten geführt hat. Ganz so flippig, wie der Name des wikifolios vermuten lässt, ist die dahinter stehende Strategie allerdings nicht. Im Gegenteil: Hagemann agiert konservativ.

Aktien? Yeah!

Er bevorzugt „substanzstarke Werte“, während mögliche Turnaround-Aktien bei ihm nur „unter Umständen“ eine Chance bekommen. Auch strebt er keine „kurzfristige Spitzenperformance“ an, sondern will einen „langfristigen Vermögenszuwachs“ erzielen. Damit ist eigentlich schon klar, dass es bei ihm auch kein „hektisches Trading“ gibt, sondern „sachgerechtes Handeln“. Das alles klingt sterbenslangweilig, wenn da nicht eine Performance von mittlerweile rund 92% wäre. Wie so oft im Leben wird auch hier erst umgekehrt ein Schuh daraus: Erst die solide, scheinbar unspektakuläre Herangehensweise machte eine solche Performance überhaupt erst möglich.

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Abseits ausgetretener Pfade

Auch im wikifolio „Spezialwerte“ wird die Frage nach Aktien eindeutig mit „Ja“ beantwortet, selbst wenn die Cash-Quote hier aktuell bei 50% liegt. Trader „tonipolster“, der mit bürgerlichem Namen Thomas Dittmer heißt, verfolgt ebenfalls einen Ansatz, der sich am „Value Investing“ orientiert. Dabei konzentriert er sich auf in Deutschland ansässige „Spezialwerte“. 

Spezialwerte

Als wesentlichen Vorteil des Investierens im Nebenwertebereich sieht Dittmer die geringere Analysten-Coverage. Da bleibt die eine oder andere Perle des Kurszettels schlicht unentdeckt und notiert unter ihrem Wert. Einfach macht es sich Dittmer jedenfalls nicht, denn im Wesentlichen muss er sich mangels einer aussagekräftigen Medienberichterstattung selbst in die Primärquellen des Unternehmens wie Geschäftsberichte und Unternehmensmeldungen vertiefen, um dann seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Naturgemäß bleibt der Pool der analysierten und für gut befundenen Unternehmen bei einem solchen Ansatz überschaubar, weshalb das wikifolio entsprechend nicht übermäßig diversifiziert ist. Der Performance von bislang +133% tat dies dennoch keinen Abbruch.

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Auf den Schultern von Giganten

Die Beachtung eines Sicherheitsabstands zwischen dem inneren Wert einer Aktie und dem tieferen Börsenkurs („margin of safety“) ist allerdings nicht die einzige Antwort, die man auf die Frage nach dem Investieren in unsicheren Zeiten geben kann. Manchmal lohnt es sich auch, bei den Klassikern Rat zu suchen. Der Ungar Nicolas Darvas, im Hauptberuf Tänzer, ist mit seinen legendären Börsenerfolgen in den 1950er und 1960er Jahren zu einem solchen Klassiker geworden.

Darvas Trading

Hinter diesen Erfolgen steckt ein von Darvas selbst entwickeltes Momentumssystem auf Basis von frischen 52-Wochen-Hochs. Frei nach dem Motto „Auf den Schultern von Giganten“ hat Robert Brack diesen Ansatz als Trader „Wosab“ in seinem wikifolio „Darvas Trading“ adaptiert. Die Performance steht aktuell bei knapp über 170%. Es ist mehr als erstaunlich, dass ein System, welches Darvas vor rund 70 Jahren und selbstverständlich ohne Computer entwickelt hat, auch heute noch, in einem maximal wettbewerbsintensiven Umfeld derartige Überrenditen erwirtschaftet.

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Was kommt?

Das sollten Anleger in der kommenden Woche im Auge behalten

Die nächste Woche weist feiertagsbedingt nur einen dünnen Kalender an Wirtschaftsdaten auf. Am kommenden Mittwoch werden die Verbraucherpreise für die Eurozone bekanntgegeben. Am Donnerstag erfolgt dann die Veröffentlichung der EZB Accounts zur letzten geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates.

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