21.04.2018| Von: Andreas Kern |

 

Portrait Andreas Kern


Erstaunlich gering blieb die Auswirkung des US-Luftschlags auf syrische Chemieanlagen. Nicht nur nach Trumps Raketen-Tweets herrschte – wie in der Vorwoche berichtet – „business as usual“, sondern auch nach den Raketeneinschlägen selbst. Eine solche Marktreaktion deutet darauf hin, dass im Zuge der mittlerweile mehr als zweimonatigen Korrekturphase offenbar etliche Papiere in stärkeren Händen gelandet sind. Unabhängig davon erinnert einiges an den Luftschlag, den Trump vor ziemlich genau einem Jahr gegen einen syrischen Militärflugplatz geführt hat. Auch damals erwiesen sich mögliche Bedenken hinsichtlich einer unmittelbaren weiteren Eskalation als überzogen, die Presse jubelte und die Märkte stiegen.

Mit Skepsis zum Allzeithoch

Mit Skepsis zum Allzeithoch

 

Unterstützung kam zuletzt auch von der US-Berichtssaison, die derzeit in vollem Gange ist. Besonders positiv wurden die Daten von Netflix aufgenommen, die unmittelbar nach der Bekanntgabe von Quartals- und Nutzerzahlen auf ein neues Allzeithoch stiegen – trotz verbreiteter Skepsis angesichts der hohen Bewertung. Damit wurde zumindest für die NASDAQ ein positiver Grundton gesetzt, denn immerhin gehört das Unternehmen zu jener Handvoll marktschwerer Technologieriesen, die auch als „FANG-Aktien“ berühmt wurden. Das Beispiel von Netflix zeigt zudem, dass eine gewisse Skepsis den Kursen in der Regel wesentlich besser tut als allgemeine Begeisterung. Werden dann solide Zahlen, oder gar solche mit positiven Überraschungen präsentiert, lassen sich durchaus neue Käufer motivieren. Zudem ist es ziemlich schwierig, einen Skeptiker zu enttäuschen. In der laufenden Quartalszahlen-Lotterie ist aber auch das nicht ausgeschlossen.


Viele Wege führen nach Rom

Gerade Wechsel in den vorherrschenden Investmentthemen rufen den Anlegern immer wieder in Erinnerung, dass an der Börse letztlich viele Wege nach Rom, also zum Erfolg führen. Historisch waren vor allem jene Trader auf der Sonnenseite, denen es gelang, die Pferde so zu wechseln, dass sie sich an die vom Markt jeweils präferierten Stile und Moden rechtzeitig angepasst haben. Gut, wenn man da von vornherein ein ganzes Arsenal möglicher Ansätze zur Verfügung hat, wie Stefan Uhl alias Trader „Smyl“. Uhl setzt bewusst auf verschiedene mehrwertige Strategien, um in seinem wikifolio „GroDiVal TrendInvest“ Performance zu machen. 

GroDiVal TrendInvest

Der etwas kryptische Name verrät, um welche Investmentstile es dabei im Wesentlichen geht: Growth, Dividend, Value und Trend. Im Ergebnis werden aktuell ca. 30 Aktien mit einer mittel- bis langfristigen Perspektive gehalten. Wer in diesem Stil-Mix eine mangelnde Fokussierung zu erkennen glaubt, der sollte sich einfach einmal die Performance ansehen: Bei einem Plus von mehr als 291% seit Oktober 2013 läuft selbst ein Hauch von Kritik ins Leere.

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„Friends with benefits“

Ebenfalls ein Feld mit vielen Möglichkeiten sind die europäischen Nebenwerte. In diesem Bereich schlummert noch immer so manche unentdeckte Perle, weil die Analysepower der großen Häuser auf diesem Feld in der Regel kaum eingesetzt wird. Diese Small Caps erweisen sich daher für die Trader manches Mal als echte „Friends with benefits“. Wollte man diesen Bereich auch noch mit mehreren unterschiedlichen Stilen bearbeiten, würde man wohl aus der Analysephase nicht herauskommen. Philipp Haas, der als „investresearch“ auftritt, hat für das von ihm verwaltete wikifolio „Nebenwerte Europa“ daher einen anderen Ansatz gewählt: Die Titel werden nach einem selbstentwickelten Verfahren analysiert, das Haas die „investresearch Aktienbewertungsmethode“ nennt.

Nebenwerte Europa

Der Name verrät schon, dass wir uns hier mit dem Thema Bewertung tendenziell in das Value-Lager begeben. Allerdings geht es nicht um Schrottunternehmen, die zu Ausverkaufspreisen gehandelt werden, sondern um solche, die über ein „gutes Geschäftsmodell, Management, Kultur und Marktwachstum verfügen“. Das Sahnehäubchen oben drauf ist dann aber, dass diese Unternehmen auch noch „attraktiv bewertet“ sind. Dass dieser Ansatz funktioniert, kann man an einer fast makellosen Performance von knapp 155% in den letzten fünfeinhalb Jahren ablesen. Zwar enthält das wikifolio derzeit 65 Einzelpositionen, materiell sind davon aufgrund der Gewichtung allerdings nur rund 15.

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Talentschuppen für Trader

Einen ganz anderen, aber nicht weniger spannenden Ansatz verfolgt Jens Jatho („JeJa“) mit seinem wikifolio „Tenbagger - Strategie“. Das Wort „Tenbagger“ geht auf den legendären Fondsmanager Peter Lynch zurück und meint Aktien, die nach dem Kauf letztlich zu Verzehnfachern werden. So löblich es ist, sich hohe Ziele zu stecken und großen Vorbildern nachzueifern, besteht bei einem Griff nach den Sternen natürlich auch immer die Gefahr, dass man in Aktien mit heißen Stories investiert, an denen man sich auch schon mal ordentlich die Finger verbrennen kann. In dieser Gefahr befindet sich Jatho allerdings nicht, denn er investiert gar nicht in Aktien. Das wikifolio ist nämlich ein sogenanntes Dach-wikifolio und investiert ausschließlich in andere wikifolios.

Tenbagger - Strategie

Diese werden anhand der vorhandenen Filter ausgesucht und sollen einen Stil verfolgen, der mit den Ideen von Peter Lynch kompatibel ist. Dabei soll der Fokus auf „kleineren, interessanten und entwicklungsfähigen wikifolio-Zertifikaten“ liegen – ein echter Talentschuppen für Trader also. Und da die eigentliche Aktieninvestition dann auf der Ebene der ausgewählten wikifolios erfolgt, soll das Dach-wikifolio nur etwa viermal im Jahr umgeschichtet werden.

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Was kommt?

Das sollten Anleger in der kommenden Woche im Auge behalten

Wichtigstes wirtschaftspolitisches Datum der kommenden Woche ist die EZB-Zinsentscheidung am kommenden Donnerstag. Änderungen werden hier allerdings nicht erwartet. Die Chance ein Zeichen in Richtung Normalisierung zu setzen, haben die Währungshüter im Jahr 2017 – trotz solider Konjunktur – verstreichen lassen. Sie werden wissen warum.

In der laufenden US-Berichtssaison verdienen besonders die Zahlen der führenden Tech-Titel Beachtung: Gleich am Montag vermeldet Google-Mutter Alphabet die Zahlen für das 1. Quartal 2018. Am kommenden Donnerstag folgt dann der Online-Handelsriese Amazon.com. Beide Unternehmen haben das Potenzial mit ihren Daten die Börse insgesamt zu beflügeln, oder aber zu enttäuschen. Apple Inc., ebenfalls eines der absoluten NASDAQ-Schwergewichte, meldet zwar erst am 1. Mai, Nomura stimmte die Anleger aber bereits gestern auf durchwachsene Zahlen und schwache iPhone-Verkäufe ein. Nun ja, wo wenig erwartet wird, steigt die Chance auf positive Überraschungen.

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