15.01.2016| Von: Andreas Kern |

Wie schon 2015 ist der Start in das neue Börsenjahr aus Sicht der Bullen auch diesmal wieder misslungen. Während es vor zwölf Monaten beim DAX nach einem gut dreiprozentigen Minus in den ersten drei Handelstagen im Anschluss aber schnell wieder bergauf ging, zeigen sich die Bären diesmal wesentlich hartnäckiger. Am Ende der ersten Januarhälfte notiert der deutsche Aktienindex über 1000 Punkten und damit rund zehn Prozent unter seinem Vorjahresschlussstand. Die Dynamik des Abverkaufs lässt vermuten, dass viele Marktteilnehmer darauf nicht vorbereitet waren. Etwas anders sieht das bei den wikifolio-Tradern aus, wie die Ergebnisse der rund um den Jahreswechsel durchgeführten Umfrage zu den Aussichten für das Börsenjahr 2016 belegen.

Rund zwei Drittel der Befragten rechnen im laufenden Jahr mit einer volatilen Seitwärtsentwicklung an den europäischen Aktienmärkten. Gründe für die Unentschlossenheit vieler Trader bei der Frage, ob die Kurse steigen oder fallen, liefert Wolfgang Zeiler („Wolfgang921“): „Für einen Ausbruch nach oben fehlt die Konjunktur, für einen Absturz ist zu viel Geld im Spiel“. Die durchschnittlich erwartete Kursspanne zwischen Jahreshoch und Jahrestief wird beim DAX auf rund 3000 Punkten taxiert. Das liegt genau im Rahmen dessen, was im abgelaufenen Jahr zu beobachten war. Da schwankte der Index zwischen 9325 und 12390 Punkten. Ähnliche Werte halten viele auch diesmal wieder für realistisch. Über die Hälfte der Trader sieht das untere Ende der DAX-Range allerdings erst bei 9000 Punkten oder noch tiefer. Demnach wäre nach unten trotz der jüngsten Talfahrt also durchaus noch Luft. Eine nachhaltige Baisse wird dennoch nur von einigen wenigen Pessimisten ins Kalkül gezogen. Der Anteil der DAX-Bären liegt mit knapp 15 Prozent noch unter dem der Optimisten, die zu gut 20 Prozent von einem nachhaltigen Anstieg der Märkte in den kommenden Monaten ausgehen.

Die genannten Jahresend-Kursziele für den führenden deutschen Leitindex liegen in den allermeisten Fällen in einem Bereich zwischen 10400 und 12000 Punkten. Mit Blick auf das aktuell recht deutlich darunter liegende Niveau würden sich Investments demnach bereits lohnen. Einen Stand von unter 9700 Punkten haben für Ende 2016 nur 15 Prozent der Trader auf der Agenda. Demgegenüber stehen immerhin 18 Prozent, die mit Kursen oberhalb von 12000 Punkten rechnen. Sogar neue Allzeithochs sind demnach nicht ausgeschlossen. Wobei offen ist, ob die Prognosen mit dem Wissen von heute immer noch so vergleichsweise optimistisch ausfallen würden.

Dafür spricht, dass die Trader die aktuell als negativ eingestuften Rahmenbedingungen auch vor zwei Wochen schon auf dem Radar hatten. Neben Zinsen wurden als wahrscheinlich dominierende Einflussfaktoren immer wieder die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Sorgen um die Weltkonjunktur genannt. Dabei stehen vor allem China und der Ölpreis im Fokus der Trader. Den aktuell in den Medien kursierenden „Horror-Szenarien“ eines nachhaltig unter 20 US-Dollar fallendenden Ölpreises können die wikifolio-Trader aber wenig abgewinnen. 84 Prozent der Befragten erwarten zum Jahresende Notierungen von über 30 Dollar, mehr als die Hälfte rechnet sogar mit einem Anstieg auf mehr als 40 Dollar. Als Argument für ein Ende des Preisrutsches werden hauptsächlich geopolitische Risiken angeführt. „Der m.E. saudisch inspirierte Preiskrieg wird seinen Tribut fordern ohne sein Ziel zu erfüllen. Außerdem werden die Konflikte im Nahen Osten zu starken Unsicherheiten führen, die preistreibend wirken, auch weil der Konflikt mit Russland noch nicht gelöst wird“, sagt zum Beispiel Dirk Hein („schwarzgelder“), der Ende des Jahres Notierungen oberhalb von 50 Dollar für realistisch hält und sich im Jahresverlauf auch Preise von bis zu 70 Dollar vorstellen kann. Sollte er damit Recht behalten und sich an der momentanen Korrelation zwischen Ölpreis- und Aktienmarktentwicklung nichts ändern, dürften die Kurse auch beim DAX in den kommenden Monaten wieder steigen.