2022 wird für Aktien-Investoren zu einer Herausforderung

Nach einem sehr erfolgreichen Börsenjahr richtet sich der Blick auf die Perspektiven der Aktienmärkte in 2022. Beim DAX könnten dabei alte Unterstützungen noch einmal eine sehr wichtige Rolle spielen.

wasserstoff-beste-aktien-finden
Quelle: Skitterphoto, Pexels.com

Mit unserer hier im Februar geäußerten Vermutung, dass sich die Rallye des DAX nach der damals mustergültigen Korrektur bis 13.311 Punkten im weiteren Jahresverlauf wahrscheinlich fortsetzen wird, lagen wir genau richtig. Im Anschluss stieg der Index auf beinahe 16.300 Punkte. Unter dem Strich dürfte das Börsenjahr für den DAX mit einem Plus von voraussichtlich 16 Prozent überdurchschnittlich gut enden.

Seit 1987 lag der Wertzuwachs im Durchschnitt „nur“ bei 11 Prozent pro Jahr. Und selbst das ist im historischen Kontext schon relativ viel. Als Argumente für die anhaltend gute Entwicklung gelten vor allem die niedrigen Zinsen und der daraus entstandene „Anlagenotstand“ vieler Investoren. Aktien werden mehr und mehr als „alternativlos“ beschrieben. Nahezu jede Korrektur in den vergangenen Jahren stellte sich im Nachhinein als günstige Einstiegschance heraus. Auch die temporären Schwächephasen in den beiden letzten Monaten des laufenden Jahres führten nicht zu einer Trendwende nach unten. Stattdessen konnte der DAX – fast schon traditionell – rund um die Weihnachtsfeiertage noch einmal deutlich zulegen. Die viel zitierte Jahresendrally beschert dem Index gerade einen sehr versöhnlichen Abschluss.

Charttechnische Kursziele wurden 2021 bereits erreicht

Der Ausblick auf das kommende Börsenjahr fällt dennoch nicht durchweg freundlich aus. Während man über die Bewertung der Aktien (zu hoch oder doch eher fair) trefflich streiten kann, lässt sich die abnehmende Marktbreite anhand diverser Kennzahlen eindeutig nachweisen. Der Aufschwung bei den Indizes wird von immer weniger Aktien getragen, was als klares Warnsignal zu werten ist. In den USA und hier insbesondere bei den Tech-Aktien ist dieses Phänomen noch ausgeprägter. Wir werden darauf bei unserer in der kommenden Woche erscheinenden Analyse des Nasdaq-Index noch etwas genauer eingehen.

DAX-Graph der den monatlichen Verlauf zeigt; Symbolbild für den Blogartikel
Monatschart des DAX

Quelle: ProRealtime.com

Doch zurück zum DAX: Der Blick auf den Monatsschart zeigt, dass wir den Großteil der laufenden Rallye wohl schon gesehen haben. Aktienmärkte bewegen sich häufig in bestimmten Mustern, bei denen sich dynamische Bewegungen in Richtung des vorherrschenden Trends mit zwischenzeitlichen Korrekturphasen abwechseln. Um mögliche Zielbereiche zu ermitteln, an denen eine Bewegung von der nächsten Korrektur abgelöst wird, eignet sich zum Beispiel das Hilfsmittel der Spiegelung. Dabei wird das Ausmaß der vorherigen Korrektur vom Startpunkt an eins zu eins nach oben gespiegelt. Beim DAX bietet sich dafür zum Beispiel der Rücksetzer aus den Jahren 2015/16 an, wo es von 12.390 auf 8.700 Punkten nach unten ging. Die Spiegelung dieser Korrektur nach oben ergibt ein Niveau von 16.080 Punkten. Das wurde im Hoch dieses Jahr erreicht und kurzfristig auch überschritten.

Ungewöhnlicher Fehlausbruch am alten Rekordhoch

Nun heißt das nicht, dass die Kurse deshalb zwingend nach unten drehen müssen. Auch Anstiege über solche potenziellen Zielmarken hinaus sind möglich. Die Wahrscheinlichkeit einer abnehmenden Aufwärtsdynamik und dem baldigen Beginn der nächsten Korrektur nimmt in diesen Sphären aber zu. Zumal es ja nicht das einzige Warnsignal ist. Anleger sollten daher bei ihren Investments lieber etwas vorsichtiger werden und genau darauf achten, wie sich der DAX und auch andere Indizes an bestimmten Kursmarken verhalten. Die Reaktion der Märkte an wichtigen Unterstützungen und Widerständen liefert nämlich oftmals wertvolle Hinweise darauf, wie sich die einflussreichen Marktteilnehmer für die Zukunft positionieren.

DAX-Graph der den wöchentlichen Verlauf zeigt; Symbolbild für den Blogartikel
Wochenchart des DAX

Quelle: ProRealtime.com

Um das zu konkretisieren, werfen wir noch einen Blick auf den Wochenchart und die dort skizzierte Entwicklung des DAX seit dem Corona-Crash im Frühjahr. Hier wird deutlich, dass sich die Kurse seit einigen Monaten nur noch seitwärts bewegen. Die Range verläuft dabei zwischen ca. 14.800 und 16.300 Punkten. Auffällig ist zudem, dass es nach dem Sprung auf ein neues Allzeithoch Mitte November zu einem schnellen und auch relativ heftigen Rückschlag kam. Dass ein so eindeutiges Kaufsignal mangels Anschlusskäufen derart ausgekontert wird, ist sehr ungewöhnlich und damit ein weiteres Warnsignal für alle DAX-Bullen.

Diese Kursmarken sind beim DAX in 2022 von Bedeutung

In den kommenden Wochen und vielleicht auch Monaten sollten Anleger zunächst vor allem die beiden Range-Begrenzungen im Auge halten. Für kurzfristig orientierte Trader können sich dort bei Fehlausbrüchen (kurzes Über- bzw. Unterschreiten mit anschließender Rückkehr in die Range) interessante Möglichkeiten mit einem sehr reizvollen Chance-Risiko-Profil bieten. Erst wenn sich ein Ausbruch als signifikant und nachhaltig herausstellt, kann die Seitwärtsphase als beendet angesehen werden.

Vor dem Hintergrund der aufgeführten Warnsignale wollen wir das mögliche Szenario bei einem Verlassen der Range nach unten etwas genauer betrachten. Hier fällt vor allem der Bereich zwischen 13.300 und 13.900 Punkten ins Auge. Der wird definiert durch die 50- und die 61,8-Prozent-Korrekturmarke der seit dem Herbst 2020 laufenden Aufwärtsbewegung. Diese Fibonacci- Retracements werden in Korrekturphasen gerne angelaufen. Hinzu kommt, dass sich inmitten dieses Bereichs bei 13.460 Punkten mit dem Zwischenhoch aus dem Sommer des vergangenen Jahres noch eine weitere markante charttechnische Unterstützung befindet. Die wurde übrigens während der einleitend angesprochenen Korrektur im Februar nach vorherigen Durchbruch noch einmal kurz und erfolgreich getestet, was einer der Gründe für unseren damaligen Optimismus war.

Fazit:

Aufgrund der zunehmenden Warnsignale dürfte sich das Börsenjahr 2022 für Aktionäre als eine größere Herausforderung erweisen. Die Korrektur-Risiken nehmen zu, gerade wenn sich neue Rekordhochs erneut nicht durchsetzen können. In einem „normalen“ Marktumfeld dürften sich Investments im Bereich zwischen 13.300 und 13.900 Punkten aber auch 2022 als keine ganz schlechte Idee erweisen. Sollten die Märkte – aus welchen Gründen auch immer - in Panik geraten, liegen die nächsten potenziellen Haltemarken bei ca. 12.400 und 11.400 DAX-Punkten.


 

Disclaimer: Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte. Zuvor war er über fünf Jahre beim PLATOW Brief als Börsenredakteur tätig. Dort rief er Mitte 2004 den Newsletter „PLATOW Derivate“ ins Leben, für den er auch heute noch hauptverantwortlich tätig ist. Für PLATOW betreut er zudem die wikifolios PLATOW Trend & Sentiment und PLATOW Trend & Sentiment 2.0 sowie das Dachwikifolio PLATOW Best Trader Selection. Daneben schreibt er auch für das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen der wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung.

Jedes Investment in Wertpapiere und andere Anlageformen ist mit diversen Risiken behaftet. Es wird ausdrücklich auf die Risikofaktoren in den prospektrechtlichen Dokumenten der Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (Endgültige Bedingungen, Basisprospekt nebst Nachträgen bzw. den Vereinfachten Prospekten) auf www.wikifolio.com, www.ls-tc.de und www.ls-d.ch hingewiesen. Die Performance der wikifolios sowie der jeweiligen wikifolio-Zertifikate bezieht sich auf eine vergangene Wertentwicklung. Von dieser kann nicht auf die künftige Wertentwicklung geschlossen werden. Der Inhalt dieser Seite stellt keine Anlageberatung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.