11300 Punkte im Visier: Dem DAX droht bald der nächste Abwärtsschub

Lassen sich Kursentwicklungen an den Börsen vorhersagen? Das würden viele Anleger sicher gerne wissen. Nach allem, was ich in den vergangenen 30 Jahren gelernt und an den Märkten erlebt habe, kann ich diese Frage guten Gewissens mit einem „Ja, aber…“ beantworten.

Hohe Trefferquoten auch ohne Glaskugel

Die schlechte Nachricht vorweg: Eine Glaskugel, die 100-prozentig verlässliche Aussagen liefert, gibt es nicht. Und auch keine Börsenregeln, Indikatoren oder Anlagestrategien, welche immer die richtige Handelsempfehlung ausspucken. Das ist allein schon deshalb unmöglich, weil Börsenkurse durch Angebot und Nachfrage entstehen. Für eine absolut sichere Prognose müsste man also von jedem Marktteilnehmer ganz genau wissen, ob und zu welchen Kursen er welche Aktien in Zukunft kaufen oder verkaufen wird. Oft wissen die Anleger das aber selbst noch nicht mal so genau. Die Suche nach dem „heiligen Gral“ an der Börse ist daher pure Zeitverschwendung.

Die gute Nachricht hinterher: Prognosen mit einer relativ hohen Trefferquote sind tatsächlich möglich. Und auch das liegt wieder daran, dass an der Börse Menschen aktiv sind. Sei es durch eigenes Handeln oder aber das Programmieren von automatischen Handelssystemen. Hinzu kommen mittlerweile immer mehr Computer, bei denen die Trades durch Algorithmen ausgelöst werden. Das alles führt dazu, dass immer wieder bestimmte Muster bei den Kursverläufen auftauchen.

So erkennen Sie potenzielle Wendepunkte

Das gilt vor allem bei sehr liquiden Basiswerten wie dem deutschen Aktienindex DAX. Hier kommt es an bestimmten Kursmarken sehr häufig zu einem Richtungswechsel. Das ist zum Beispiel bei alten Hochs oder Tiefs innerhalb eines intakten Trends der Fall. Oder auch bei klassischen 50-Prozent-Korrekturen einer vorherigen Bewegung. Manchmal spielen auch die gleitenden Durchschnittslinien eine Rolle. Wichtig dabei: Es geht hier nicht zwingend um eine Punktlandung an solchen Marken. Vielmehr kristallisieren sich gewisse Zonen heraus, an denen die Wahrscheinlichkeit einer Trendwende (kurz- oder langfristig) deutlich höher ist als an anderen Stellen des Charts. Und je mehr solcher Marken zusammenfallen, desto größer sind die Chancen.

Ende der DAX-Korrekturen ließ sich „vorhersagen“

Beim DAX hätte man das selbst im eher trägen Tageschart im laufenden Jahr schon mehrfach nutzen können. Nach den beiden Korrekturen Ende März und Anfang Mai kam es jeweils im Bereich einer so ermittelten charttechnischen Unterstützung zu einer Wende nach oben. In beiden Fällen lagen das alte Trend-Hoch und die 50-Prozent-Korrekturmarke der letzten Bewegung eng beieinander. Und exakt dort griffen die Käufer beherzt zu. Im ersten Fall stieg der DAX von ca. 11300 Punkten aus innerhalb von fünf Wochen um über 1000 Punkte. Im zweiten Fall war die Erholung zwar nur von kurzer Dauer, sie hatte dafür – ausgehend von ca. 11850 Punkten - aber einen Umfang von mehr als 400 Punkten in nur drei Tagen. 

Genau diese beiden Beispiele zeigen jedoch, dass ein guter Einstieg nicht zwingend zum Erfolg führt. Zu einer guten Handelsstrategie gehören immer auch Kriterien für den Ausstieg (zur Verlustbegrenzung und Gewinnsicherung) sowie ein professionelles Risikomanagement. Auch deshalb, weil die Trefferquote hier ebenfalls nicht bei 100 Prozent liegt!

DAX

Eine Chartanalyse des DAX zeigt Muster, die sich zur Prognose von Kursentwicklungen eignen.

So könnte es beim DAX jetzt weitergehen

Nachdem die im ersten Anlauf wie erwähnt noch erfolgreich verteidigte Zone bei 11800/900 Punkten am Freitag durchbrochen wurde, haben nun erst mal die Bären das Heft in der Hand. Daran hat auch die wirklich dynamische Erholung seit Wochenbeginn (noch) nichts geändert. Die startete übrigens fast exakt auf Höhe der viel zitierten 200-Tage-Linie. Da hier aber keine weitere markante Chartmarke vorhanden ist, halte ich es für wahrscheinlich, dass sich die Talfahrt zeitnah fortsetzt. Bei rund 11930 und 11965 Punkten befinden sich mit dem alten Tief sowie der 50-Prozent-Korrektur der seit Mitte Mai laufenden Abwärtsbewegung die nächsten beiden Kursmarken, die sich für ein Ende der Erholung anbieten würde.

Anleger sollten genau darauf achten, wie sich der Markt an solchen Punkten verhält. Ein Durchbruch nach oben wäre ein echtes Ausrufezeichen der Bullen. Wenn aber alles nach „Lehrbuch“ verläuft, dürfte die Gegenbewegung nach oben hier irgendwo enden. Dann könnte der DAX im nächsten Schub bis auf 11300/400 Punkte fallen. Dort befinden sich nämlich wieder mehrere sehr markante Chartmarken. Garantiert ist das alles zwar nicht, aber relativ wahrscheinlich.


 

Disclaimer: Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte (ISSP) und geprüfter Zertifikateberater (EDA). Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist schwerpunktmäßig mit dem Markt für Zertifikate und Hebelprodukte. Zuvor war er über fünf Jahre beim PLATOW Brief als Börsenredakteur tätig. Dort rief er Mitte 2004 den Newsletter „PLATOW Derivate“ ins Leben, für den er auch heute noch hauptverantwortlich tätig ist. Für PLATOW betreut er zudem die wikifolios PLATOW Trend & Sentiment und PLATOW Trend & Sentiment 2.0 sowie das Dachwikifolio PLATOW Best Trader Selection. Daneben schreibt auch für das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“. An dieser Stelle kommentiert er finanzmarktrelevante Nachrichten und Ereignisse und analysiert Aktien, in denen er möglicherweise auch im Rahmen der wikifolios engagiert ist. Der Text spiegelt die Meinung des Autors wider. wikifolio.com übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung. 

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