14.08.2014| Von: Anja Branz |

Diesmal im Traders Talk: Kristof Erdmann. Der junge Student ist als Katzenpfote auf wikifolio.com aktiv und setzt mehrere Handelsstrategien auf wikifolio.com um. Nachfolgend teilt Kristof Ermann seine Ansichten zum Trading und den Märkten mit unserer Community.

Verraten Sie uns Ihren Namen.

Selbstverständlich, mein Name ist Kristof Erdmann.

alt textUnter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

Mein Username bei wikifolio.com ist Katzenpfote.

Was sind Sie von Beruf?

Aktuell bin ich Student mache ich meinen Master in BWL an der Uni Hamburg.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Zum Trading bin ich in gewisser Weise durch Zufall gekommen. Da ich in der Vergangenheit sehr aktiv World of Warcraft gespielt habe, habe ich mich gefragt ob ich an diesem Erfolg nicht finanziell partizipieren kann anstatt nur monatliche Gebühren zu zahlen. Dementsprechend habe ich mit einem Teil meiner Ersparnisse Aktien von Activision Blizzard erworben. Dies hatte ich mehrfach vor der Veröffentlichung von Erweiterungen getan und mit dieser Strategie ein paar Euro verdient. Dies war der Beginn meiner Tradingleidenschaft.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

An einem typischen Handelstag in der vorlesungsfreien Zeit stehe ich meist gegen 8:50 Uhr auf. Anschließend geht es direkt ins Internet um die aktuellen Nachrichten zu lesen, Konjunkturtermine zu überprüfen und gegebenenfalls zu schauen, welche Unternehmen diesen oder den nächsten Tag die Quartalszahlen veröffentlichen. Ab 9:00 Uhr verfolge ich die Börseneröffnung meist bis 11:00 Uhr. Dabei liegt mein Hauptaugenmerk auf der Entwicklung des DAX. Die Zeit zwischen 11:00 Uhr und 15:30, der Börseneröffnung in den USA, wird mit unterschiedlichen Aktivitäten verbracht. 15:30 Uhr bis 17:00 wird aktiv die Eröffnung am US-Markt verfolgt. Gleichzeitig verfolge ich die Entwicklung des DAX. Häufig folgt der DAX den US-Märkten und dementsprechend achte ich auf entsprechende Entwicklungen. Anschließend verfolge ich die Nachrichten und mache mir Gedanken bezüglich potentieller Investmentideen.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Aktiv geführt werden zwei wikifolios im Status „investierbar“. Darüber hinaus sind zwei weitere wikifolios publiziert sowie weitere zum Ausprobieren unterschiedlicher Strategien in der Testphase. Die aktiv geführten wikifolios bekommen meine volle Aufmerksamkeit, während die restlichen wikifolios aktuell eher eine Nebenrolle spielen. Trotzdem nutze ich die Chance die wikifolio.com bietet um verschiedene Handelsstile auszuprobieren und umzusetzen. Bisher bin ich kein „Real-Money“-Trader da 5000 Euro für einen Studenten eine Menge Geld sind die ich leider nicht einfach investieren kann.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

Ich habe bereits seit mehreren Jahren mir die Frage gestellt warum man unbedingt bei meist Millionen oder gar Milliardenschweren Fonds arbeiten muss um seine Ideen in Rendite umzusetzen. wikifolio bietet die Möglichkeit als Privatperson, auch ohne immenses Vermögen, seine Ideen umzusetzen. Sofern potentielle Investoren die Vorgehensweise nachvollziehen und als sinnvoll erachten bietet wikifolio.com die Chance nicht nur auf Papier potentielle Erfolge zu verzeichnen sondern seine Ideen in reale Ergebnisse umzusetzen. Dies finde ich genial. Die transparente Kostenstruktur ist meiner Meinung nach ein Hauptargument für wikifolio.com. Die Idee der Performancegebühr ist letztendlich dafür verantwortlich, dass abgesehen von der Zertifikategebühr nur Geld verdient wird wenn auch entsprechende Leistung hinter dem wikifolio steht. Viele, reguläre aktiv gemanagte Fonds sind meinem Wissen nach teurer und dies spricht für wikifolio.com.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Meinen Handelsstil würde ich mehrheitlich als kurzfristig und „Event-driven“ bezeichnen. Möglichst schnell auf Wirtschaftsdaten, geopolitische Entwicklungen oder Quartalszahlen reagieren steht dabei im Mittelpunkt. Darüber hinaus habe ich jedoch auch eine Neigung an Positionen, von denen ich überzeugt bin, länger festzuhalten.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

Bisher bin ich relativ zufrieden mit der Entwicklung meiner wikifolios. Zwar ärgere ich mich über meine Gier bei der Michael Kors Position, jedoch abgesehen davon bin ich zufrieden.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

Für mich gab es kein bestimmtes Highlight. Ich finde es viel spannender konstantes Wachstum anzustreben anstatt auf einen riesigen, alles verändernden Trade zu setzen der einen entweder pleite oder reich macht.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2014?

Aktuell finde ich die makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen interessant. Die letzten Jahre war es für die großen Indizes mehr oder weniger ein Weg nach oben. Dies könnte sich jedoch ändern. Einige Zentralbanken werden die nächste Zeit wahrscheinlich weniger aufs Gaspedal treten und dementsprechend den Märkten nach und nach weniger Liquidität zur Verfügung stellen oder gar reduzieren, während andere Zentralbanken wahrscheinlich das Gegenteil machen. Die globalen Konflikte, vor allem im Irak und in der Ukraine, sorgen dafür, dass die Börse wieder volatiler wird und dementsprechend mehr Chancen bietet. Für meinen Handelsstil ist Volatilität wichtig und demnach beurteile ich dieses Börsenjahr bisher positiv.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Aufgrund der unterschiedlichen, gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen der Eurozone und anderer Wirtschaftsbereiche halte ich die Wechselkurse erneut für interessant. Meiner Meinung nach wird mittelfristig der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren. Dafür spricht eine heilende US-Wirtschaft sowie die anhaltenden Probleme in der Eurozone. Dementsprechend kann es auf den Wechselkursmärkten aus meiner Sicht interessant werden. Dies gilt sicherlich nicht nur für den EUR/USD.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Aufgrund meines tendenziell sehr kurzfristigen Handelsstils ist es für mich nicht allzu einfach Aktien mittelfristig zu empfehlen. Dennoch ist Yahoo aus meiner Sicht eine attraktive Aktie. Der Grund für die Attraktivität liegt in dem Anteil an Alibaba den Yahoo besitzt. Alibaba wird laut Medienberichten wahrscheinlich noch dieses Jahr an die Börse in den USA gehen. Dabei wird von einer Bewertung zwischen 150 und 200 Milliarden US Dollar ausgegangen. Die 22,6% die Yahoo an Alibaba besitzt würden bedeuten, dass das Aktienpaket zwischen 33,9 und 45,2 Milliarden US Dollar wert ist. Yahoo besitzt aktuell eine Marktkapitalisierung von ungefähr 35 Milliarden Dollar. Selbst wenn das Geschäft von Yahoo absolut wertlos wäre, wäre eine gewisse Substanz vorhanden die als eine Art Put den Aktienkurs halten sollte. Gleichzeitig denke ich, dass Yahoo einen gewissen Wert besitzt der jenseits der 36 Milliarden US Dollar liegen sollte. Dementsprechend denke ich, dass die IPO von Alibaba vor allem mittelfristig dafür sorgen kann, dass der Aktienkurs von Yahoo Potential nach oben hat. Immerhin gibt es darüber hinaus auch Gerüchte, dass Alibaba Yahoo übernehmen möchte bzw. könnte. Yahoo würde viele Steuern, welche durch den Verkauf der Alibaba Aktien entstehen könnten, sparen. Dies könnte für eine positive Entwicklung bei Yahoo sorgen.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Aufgrund von unterschätzten Risiken einen zu großen Hebel auf CFDs und Mini Futures Positionen eingehen. In solchen Situationen kann ein Gang zur Toilette schnell mehrere Hundert, wenn nicht gar Tausend, Euro kosten. Die Kombination aus zu hohem Hebel ohne einen Stop-Loss hat sich mehrfach als sehr dumme Idee herausgestellt für die man entsprechend bezahlen musste.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Meiner Meinung nach sollte man immer selbst Gedanken machen, Szenarien durchspielen und sich die Frage stellen wie sich die Geschehnisse entwickeln können. In Aktien sollte man nur Geld investieren, welches man zur Not verlieren kann ohne dabei Probleme zu bekommen. Ein vorher definierter Stop-Loss kann zu diszipliniertem Trading führen, welches langfristig erfolgsversprechender sein kann. Sofern man die Möglichkeit hat sollte man darüber hinaus meiner Meinung sich vor allem Gedanken um den Ausstieg machen. Es muss nicht immer ein gewisses, prozentuales Ziel sein. Das Reagieren auf Ereignisse, welche ausschlaggebend für die Eröffnung von Positionen sein können, ist wichtig. Bei einer Fehleinschätzung kann man durchaus die Position bei Fehleinschätzung schließen. Sollte man sich geirrt haben ist es nicht verwerflich wenn man Verluste realisiert und weiter an seinem Stil festhält, sofern die Strategie selbst nicht fast garantiert in den Ruin führt.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?Ich kann kein bestimmtes Buch empfehlen, da ich selbst beinahe kein Tradingbuch gelesen habe. Stattdessen würde ich jedem angehenden oder aktiven Trader empfehlen so viel es möglich ist Nachrichten zu verfolgen. Manchmal können Nachrichten die Kurse in Sekunden bewegen und dies sollte man als potentiell aktiver Trader nicht verpassen.