05.01.2015| Von: Filip Nestorovic |

Neues Jahr, neue Vorsätze. Unter diesem Motto wird der ein oder andere Trader den Handel für das kommende Jahr bereits begonnen haben.

In unserer ersten Ausgabe des TradersTalk im Jahr 2015 möchten wir Philipp Haas vorstellen!

Wie sieht ein typischer Handelstag bei ihm aus? Was seine härteste Lektion am Markt war? Dies und vieles mehr erfahren wir nachfolgend.

Viel Spaß beim Lesen!Verraten Sie uns Ihren Namen.

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Ich heiße Philipp Haas

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?

investresearch

Was sind Sie von Beruf?

Ich bin Investor und Entrepreneur und habe an der Uni St. Gallen BWL und Internationale Beziehungen studiert, sowie dort einen Master in Banking und Finance gemacht. Vor meiner Selbstständigkeit war ich bei einem Family Office und in der Digitalsparte zweier großer Medienkonzerne tätig.

Derzeit betreibe eine Webseite zu dem Thema Geldanlage namens investresearch.net, sowie zwei kleinere Seiten zu Hotels und Produktempfehlungen.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Ich würde mich eher weniger als Trader, sondern mehr als Investor bezeichnen. Schon seit Schulzeiten habe ich ein Onlinedepot und dort verschiedene Strategien ausprobiert, ehe ich meine derzeitige gefunden habe. Beim Trading habe ich sowohl wegen des Zeiteinsatzes als auch aufgrund meiner potentiellen Wettbewerber Probleme, da man dort gegen ausgefeilte Algorithmen antritt, was es schwer macht, nach Transaktionskosten profitabel zu sein.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?Ich arbeite vor allem an meinen Aktienanalysen, die ich kostenlos publiziere zudem möchte ich den deutschen Markt möglichst gut abdecken. Wenn sich daraus etwas ergibt, gehe ich eine Position ein. Außerdem versuche ich, nicht zu oft nach den Kursen zu schauen, was mir aber nicht immer gelingt ;).Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?Ich führe derzeit sieben wikifolios, wovon sechs Real-Money sind.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?

Anfangs um verschiedene Strategien zu testen, später auch um selbst darin investieren zu können und dies auch Anderen, Freunden und der Familie zu ermöglichen. Natürlich spielt es auch eine Rolle einen nachweisbaren Track Record aufzubauen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?

Ich habe auf investresearch.net ein eigenes Bewertungssystem von Aktien entwickelt, das fundamental ausgerichtet ist und vor allem die Qualität eines Unternehmens beurteilt. Daraus leite ich ein faires KGV ab und wenn es dann signifikante Unterschiede zum derzeitigen KGV gibt, gehe ich eine Position ein.

Es kommt aber auch auf das Wikifolio drauf an, bei einigen Strategien gehe ich kleine Positionen auch nach Chart, Produkt, Marke oder Markt ein.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?

Ja insgesamt schon, denn in 2014 ist es mir doch gelungen, im Vergleich zum Dax eine deutliche Outperformance zu erzielen. Doch bei meinem, meines Erachtens bestem Wikifolio investresearch stockpicker, ärgert mich etwas der Anfangsverlust, als ich nur eine Aktie im Wikifolio hatte, was einen hohen Punktestand verhindert.

Ein gutes Jahr kann aber auch Glück sein. Deswegen kann ich hoffentlich durch verschiedene Strategien und eine breite Diversifizierung, sowie viele Jahre an Track Record zeigen, dass dies nicht bei mir nicht der Fall war. Meine private Performance stimmt mich dafür recht zuversichtlich.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?

Ich behaupte, dass die Performance meiner Wikifolios eher wenig von einzelnen großen Positionen abhängen, sondern mehr von der Gesamtstrategie, wo eine Outperformance erzielt werden soll. Eine Ausnahme wäre die Lang & Schwarz Aktie, die man aber auf Wikifolio nicht handeln kann, und die sich 2014 auch durch Wikifolio sehr gut entwickelt hat und die mein privates Portfolio doch sehr nach vorne gebracht hat und, wie ich glaube, weiter nach vorne bringen wird.Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2014?

Viel Volatilität und kein klarer Trend. Eine Verschnaufpause nach den vorherigen Jahren ist aber auch gesund. Die Bedingungen für Aktien sind in Deutschland durch den niedrigen Euro, niedrige Zinsen und niedrige Energiepreise weiterhin meiner Meinung nach gut. Dies zeigt sich auch darin, dass trotz der vielen Krisen 2014 kein großes Verlustjahr war.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Ob ein Markt Sinn macht, stellt sich meist erst danach heraus und um Spaß geht es mir weniger, sondern um Rendite ;). Allgemein finde ich Nebenwerte für Privatinvestoren spannender, da es hier eher zu Preisineffizienzen kommen kann, die man dann profitabel nutzen kann.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Ich bin ein Fan langfristiger Trends und die beiden wichtigsten Entwicklungen sind für mich die Digitalisierung, d.h. Internet Aktien und der Aufstieg der Emerging Markets, wofür ich auch jeweils investierbare Wikifolios Musterdepots führe.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Dass es wichtig ist, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen.

Ich kaufte beispielsweise ProSieben Aktien Anfang 2009 für, ich glaube 1,20 Euro, und verkaufte eine Woche später für 1,70. Derzeit steht die Aktie bei 34 Euro. Außerdem habe ich mich von den Finanzzahlen von getgoods täuschen lassen. Ich habe mich immer gewundert, wie man so stark und profitabel in so einem wettbewerbsintensiven Markt wachsen kann, habe aber erst nach der Insolvenz verkauft. Diese Lehrstunde ist dann auch in die Entwicklung meiner Aktienbewertungsmethode eingeflossen.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Geldanlage und Investieren als langfristiges Projekt sehen und sich aktiv einlesen und auch mit echten Geldbeträgen anfangen zu investieren. Man sollte sich immer eine eigene Meinung bilden und nicht zu sehr auf den Mainstream hören. Idealerweise entwickelt man eine Strategie, die man immer weiter verbessert.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Auf meiner Webseite investresearch.net habe ich knapp 500 Buchempfehlungen und Zusammenfassungen zu Investmentthemen, wo für jeden etwas dabei sein sollte. Allgemein finde ich die Bücher von Jack Schwager wie Hedge Fund Market Wizards klasse.