07.04.2017| Von: Christina Oehler |

Diesmal haben wir im wikifolio-TradersTalk mit dem Wirtschaftsinformatiker Wolfgang Radax über die Schwierigkeit von Prognosen und die richtigen Aktien zum falschen Zeitpunkt gesprochen! Viel Spaß beim Lesen!

wikifolio-Trader Wolfgang Radax

Verraten Sie uns Ihren Namen?
Gerne. Ich heiße Wolfgang Radax.

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Ich habe den Usernamen ValueHunter gewählt.

Was sind Sie von Beruf?
Ich bin Wirtschaftsinformatiker und im Bereich Business Intelligence in der Versicherungsbranche tätig.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Vor etwa fünf Jahren hat mich die Unzufriedenheit gepackt, mein angespartes Kapital nur mit den allerorts erhältlichen niedrigen Zinssätzen zu veranlagen. Ich habe dann begonnen, mich über andere Veranlagungsformen zu informieren und bin relativ rasch bei Aktien gelandet.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Morgens aktualisiere ich meine Datenbank mit den neuesten Schlusskursen und diversen weiteren Daten. Kauf- und Verkaufsempfehlungen generiert meine Datenbank im Weiteren selbst. Diesen Empfehlungen folge ich dann im Tagesverlauf.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Aktuell führe ich zwei wikifolios; beide basieren auf der Veranlagungsstrategie von Susan Levermann. Das erste wikifolio (DAX-Werte Finest Selection) war in mehrerlei Hinsicht ein Testballon. Es war mein erster Gehversuch mit der Veranlagungsstrategie und gleichzeitig mein erster Versuch mit wikifolio. Die Europa Finest Selection kommt meiner Vorstellung einer idealen Umsetzung der Strategie sehr nahe und berücksichtigt ein größeres Veranlagungsuniversum. Ich bin aktuell in die Europa Finest Selection investiert, allerdings mit einem zu geringen Betrag für den Real-Money-Trader-Status.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ursprünglich war es für mich eher ein proof of concept für meine gewählte Veranlagungsstrategie. Zusätzlich ist da natürlich eine gewisse Wettbewerbskomponente; man misst sich auf eine transparente Weise mit anderen Investoren.  Natürlich spielte auch die Hoffnung eine Rolle, ein Publikum für ein Investment in mein wikifolio finden zu können und so ein wenig Nebeneinkommen zu generieren.  Aber das war für die grundsätzliche Entscheidung zweitrangig.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Die Handelsidee ist mittel- bis langfristig orientiert. Alle Aktien werden einem Bewertungsschema unterworfen, das den einzelnen Titeln eine Punktezahl zuweist. Anhand der Bewertung erfolgen dann die Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Die Entscheidungen kommen sozusagen aus dem System. Intuition, Markttiming oder Chart-Technik spielen hier keine Rolle. Einfluss auf die Bewertung haben beispielsweise Faktoren wie die Kursentwicklung, die Bewertung und ausgewählte Bilanzdaten. Das Ziel ist, Unternehmen mit einer soliden Bilanz, einer günstigen Bewertung und einer positiven Kursentwicklung auszuwählen.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Ja, definitiv. Wenn ich die letzten beiden Kalenderjahre mit einem Zuwachs von insgesamt über 60 Prozent heranziehe, kann ich gar keinen anderen Schluss ziehen. Natürlich wäre es unrealistisch zu erwarten, dass das wikifolio die Märkte weiterhin auf eine derart markante Weise übertrumpfen kann, aber die Momentaufnahme stimmt mich natürlich zufrieden.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Das war vermutlich der Kauf und Verkauf von Deutsche Rohstoff AG. In knapp über drei Monaten konnte ich hier ein Plus von 48 Prozent erzielen. Das klingt vielleicht nicht nach Hollywood, aber aufs Jahr gerechnet helfen solche Deals dem wikifolio kräftig nach vorne.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2017?
Da halte ich es mit Mark Twain. Prognosen sind schwierig; besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Es stehen natürlich viele Unbekannte im Raum. Die zentrale Frage ist vielleicht, wie sich die Außen- und vor allem die internationale Wirtschaftspolitik der USA auf die internationalen Märkte auswirken wird. Gut möglich, dass die Inflation verstärkt zurückkehrt und eine raschere Abkehr von der Niedrigzinspolitik nötig ist als ursprünglich gedacht. Das ist aber wohl eher in den USA denn in Europa zu erwarten. Das alles ist interessant und vor allem wichtig, aber da ich es nicht vorhersagen kann, lasse ich es mein Investmentverhalten möglichst nicht beeinflussen.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Privat bin ich zu etwa 50 Prozent mit einer US-zentrierte Dividendenstrategie veranlagt, zu etwa 50 Prozent nach Levermann in europäischen Werten. Ich bin, was die Möglichkeiten bei Aktien betrifft, aktuell bei den europäischen Märkten optimistischer, versuche aber dennoch, beide Stoßrichtungen ausbalanciert zu halten.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Wenn der Zeithorizont lange genug ist, dann tendiere ich im Allgemeinen zu namhaften US-Konzernen mit einer langen Tradition von Dividendenerhöhungen. Diese sind natürlich nicht zu jedem Preis einen Kauf wert, aber lohnenswerte Rücksetzer ergeben sich oft genug, um gute Einstiegszeitpunkte zu erhalten.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Manchmal hat man zwar die richtige Aktie gewählt, aber zum falschen Zeitpunkt.  Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass eine Aktie erst nach meinem Ausstieg so richtig abgehoben hat. Da darf man nicht zu lange über „was wäre wenn“ nachdenken.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Lesen, Lesen, Lesen. Vieles kann man so lernen. Trockenübungen mit einem Muster-Depot sind zwar eine nette Simulation, aber erst, wenn man mit eigenem Geld investiert ist, kommt die eigene Psyche als Gegner ins Spiel. Darauf muss man sich einstellen.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Als Investor nach Levermann muss ich hier natürlich ihr Werk „Der entspannte Weg zum Reichtum“ empfehlen. Egal, ob man diese Strategie nun als sinnvoll erachtet oder nicht, ist dieses Buch ein kompakter Crash-Kurs in viele grundsätzliche Begriffe. Ansonsten kann ich Klassiker wie The Intelligent Investor oder One Up on Wall Street sehr empfehlen. Jüngst habe ich das Ultimate Dividend Playbook von Josh Peters mit großem Gewinn gelesen; ebenfalls sehr empfehlenswert.

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