31.08.2016| Von: Anja Branz |

Diesmal haben wir im wikifolio-TradersTalk mit Karsten Krasselt gesprochen. Er ist auf unserer Plattform als Bilbo Beutlin bekannt und hat mit uns über "Umkehr-Situationen" am Aktienmarkt und wikifolios als Selbstläufer gesprochen. Viel Spaß beim Lesen!

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Karsten Krasselt

 Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Bilbo Beutlin

Was sind Sie von Beruf?
Chemiker

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Zuerst über eine Fondsanlage der Sparkasse. Einige Jahre später, als Online-Broker aktuell wurden, erweiterte sich mein Anlagespektrum auf andere Anlageklassen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Den gibt es nicht wirklich, da meine Wikifolios eher „Selbstläufer“ sind und keine tägliche Beobachtung erfordern. Nur bei den „Umkehr-Situationen“ kontrolliere ich ein bis zwei Mal pro Woche den Kursverlauf.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich habe derzeit die volle Anzahl ausgereizt – also 8 Wikifolios. Davon sind fünf im Status „investierbar“, und in diese bin ich natürlich auch selbst investiert.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Meine ersten Wikifolios waren zunächst mehr für mich selbst gedacht – als Nachbildung sonst nicht erhältlicher oder für Kleinanleger nicht realisierbarer Anlagestrategien. Aber dann dachte ich daran, auch anderen Anlegern diese Strategien zur Verfügung zu stellen – warum soll ich nur allein davon profitieren?

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Die Nachbildung verschiedener, eher konservativer Handelsstrategien mit primär mittel- bis langfristigem Anlagehorizont.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Teils, teils. Einige wikifolios haben sich zu überraschend guter Performance aufgeschwungen, einige andere kränkeln vor sich hin – da hätte ich doch etwas mehr erwartet.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Wenn es um Einzelwerte geht, dann die aktuelle Entwicklung einiger Aktien aus meinem Wikifolio „Umkehr-Situationen“ wie Barrick Gold, Südzucker und H&R Wasag.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?
In der globalen Einschätzung neige ich zu einer bärischen Einschätzung, die Wirtschaftsdaten scheinen eher auf einen Rückgang an den Börsen zu deuten – allerdings drücken die Zentralbanken da deutlich dagegen an. Insofern rechne ich in den großen Indizes eher mit einer Seitwärtsentwicklung für den Rest des Jahres.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Ich bin hauptsächlich in Deutschland bzw. Europa engagiert, US-Werte scheinen mir überbewertet zu sein.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Aufgrund der Politik der Notenbanken eher Sachwerte – also Aktien und Edelmetalle. Aus Branchensicht Rohstoffwerte und Versorger; falls es zu einer Zinswende kommt auch die Banken.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Mein zweites Investment. Mit meinem ersten Fonds auf deutsche Standardwerte habe ich den etwa 50%-igen Anstieg 1999 – 2000 mitgenommen und ihn dann verkauft. Allerdings bin ich dann nur wenig später, nach einem gewissen Kursrückgang, mit mehr Mitteln wieder eingestiegen und habe die Baisse ab 2000 fast voll mitgenommen.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Zuerst eine breite Investment-Basis mit Index-ETFs schaffen. Das Investieren in einzelne Werte erst mit Musterdepot üben und dann nur mit „Spielgeld“ an die Börse gehen. Sich selbst eine Meinung bilden und nicht den Analysten und Nachrichten hinterlaufen.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Da gäbe es einige. Zur psychologischen Seite: Hanno Beck „Geld denkt nicht“; für grundlegendes Börsenwissen: Martin Weber „Genial einfach investieren“, die Börsenbücher von Max Otte, André Kostolany und Benjamin Graham.