31.10.2012| Von: Florian Hiller |

In unserer ersten Ausgabe der Blogreihe „Traders-Talk“ wollen wir euch Markus Strauch, den wikifolio Trader des wikifolios „MomentumTrading-spekulativ-“ vorstellen.

Markus Strauch ist selbständiger hauptberuflicher Börsehändler. In seinem wikifolio „MomentumTrading-spekulativ-“ sind derzeit rund 2,4 Millionen Euro investiert. Er ist damit, am investierten Kapital gemessen, der aktuell erfolgreichste wikifolio Trader. Die Gesamtrendite seines wikfiolios von +57,78% spricht für sich selbst.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Animiert durch die Aktiengewinne meines Vaters in der New Economy Boomphase 2000/2001 kaufte ich mir im Alter von 14 Jahren mit meinem ersparten Geld als Zeitungsausträger erstmals Aktien. Zunächst erwischte ich damals das absolute Hoch des Marktes und in den kommenden Jahren zahlte ich erstmals sehr viel Lehrgeld ein. Mein Ehrgeiz und Motivation, profitabel zu werden, trieben mich jedoch immer wieder in den Markt zurück. So machte ich im Alter von 16 Jahren mit Sondergenehmigung meiner Eltern bei der Bank mehr als 300 Aktiengeschäfte. Ich wollte unbedingt an der Börse arbeiten und absolvierte daher eine klassische Ausbildung zum Bankkaufmann bei der renommierten Privatbank Merck Finck & Co., in München. Dort wurde ich schon im Alter von 17 Jahren als eigenverantwortlicher Wertpapierhändler für den Bereich Anleihenhandel eingesetzt. Im Alter von 18 Jahren wagte ich einen weiteren Schritt, und wechselte als Aktienhändler zur Wertpapierhandelsbank Lang & Schwarz in Düsseldorf. In den folgenden Jahren durchlief ich weitere Stationen im Eigenhandel, ehe ich mich mit 24 Jahren mit meiner Eigenhandelsfirma Buffalo Trading GmbH selbstständig gemacht habe.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker, danach gehe mit unseren Hund vor die Türe und gehe 30 Min lang laufen, um einen freien Kopf für den Handelstag zu bekommen. Danach schalte ich meine Workstation an. Während des „Hochfahrens“ des PC lasse ich mir einen Kaffee durch die Maschine laufen und checke die ersten News vor Handelsbeginn. Ich schaue insbesonders auf nachbörsliche Ereignisse aus den USA, Unternehmensnachrichten aus Deutschland und Kursausschläge in Asien. Anschließend Frühstücke ich und mache mir innerlich schon einmal ein Bild, in welche Richtung heute einzelne Aktien bzw. der Markt gehen könnte. Zurück am PC, verfolge ich weiter die Nachrichten über den News-Ticker und schaue mir charttechnische Zielmarken von Aktien und Indizes an, in welche meiner Meinung nach Bewegung kommen könnte. Um 7:30 und 8:00 beginnt der vorbörsliche Handel über Lang & Schwarz bzw. Tradegate. Hier versuche ich schon den einen oder anderen Trade zu machen. Kurz vor Handelsstart bin ich perfekt vorbereitet auf den Handelstag. Zwischen 09:00 – 11:30 ist die intensivste Handelsphase im deutschen Markt, hier darf mich niemand stören. Mittags mache ich Sport als Ausgleich. Ab ca. 13:00 verfolge ich Unternehmensnachrichten aus den USA und bereite mich auf Handelsstart an der Wallstreet vor. 15:30 – 17:00 ist wieder eine sehr aktive Handelsphase. Danach wird es ruhiger. Nach dem Abendessen screene ich die Gewinner und Verlierer aus den USA und versuche dort noch einige Dollars aus den Markt zu holen. Nach 22:00 Uhr ist Nachbearbeitung des Handelstages und um 23:00 Uhr geht es ins Bett.

Warum haben Sie sich für wikifolio.com entschieden?

wikifolio ist die perfekte Möglichkeit für einen hauptberuflichen Vollzeithändler wie mich ein Zertifikat aufzuerlegen. Es entstehen keine Verwaltungskosten bzw. rechtliche Hürden. Mit wikifolio haben nun auch außenstehende Personen die Chance in meine professionelle Strategie zu investieren. Die Investoren sehen jedes Handelsgeschäft und können so Vertrauen in meine Strategie aufbauen. Desweiteren haben die Investoren durch den „Crowd-Financing“ Ansatz die Möglichkeit bereits mit sehr geringen Volumen in eine „Premium Anlagestrategie“ zu investieren. Dies ist defakto ein Novum, vergleicht man einschlägige Privatbanken und deren Mindestanlagevolumen als Eintrittshürde für aktiv gemanagte Vermögensverwaltungen.

Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Ich bin kein „Real-Money“ Trader. Meine persönlichen Aktiengeschäfte tätige ich über meine Broker in den USA und Singapur ab. Bei der Buffalo Trading GmbH , meiner Handelsfirma, handele ich ausschließlich sehr kurzfristige und taggleiche Geschäfte. Diese Handelsstrategie ist leider über die wikifolio Plattform technisch nicht darstellbar, ich bin aber zuversichtlich, dass der Start-up „wikifolio“ mit seinen Mitgliedern wächst und die Möglichkeit in naher Zukunft in das bestehende Portfolio übernommen wird.

Markus Strauch

360 Tage Fazit:

Sind Sie mit der bisher in Ihrem wikifolio erzielten Performance zufrieden?

Mit der Gesamtperformance von +56,72% seit Auferlegung am 29.05.2012 bin ich sehr zufrieden. Man muss noch bedenken, dass bei dieser Kennzahl, bereits die Performancegebühr abgezogen ist, d.h. die Bruttoperformance liegt eher im Bereich +70 %. Für meine Investoren habe ich einen sechsstelligen Betrag als Gewinn erwirtschaftet.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2012?

Das Börsenjahr 2012 ist ein sehr schweres Jahr um an den Märkten zu handeln. Politische Börsen waren schon immer eine Herausforderung, und es ist oftmals sehr schwer Aussagen von Politikern zu interpretieren. Hier wankt es zwischen bloßen Aussagen und den Fakten. Aus Performance Sicht ist es ein sehr erfolgreiches Aktienjahr. Die wichtigen weltweiten Indizes stehen Nahe ihren Mehrjahreshöchstständen.

Welcher war Ihr bester Trade innerhalb der letzten 360 Tage?

Meine besten Trades sind die Verlustbegrenzungstrades, denn diese Trades sind das wichtigste um langfristig im Markt erfolgreich zu sein. Die meisten kennen, das Sprichwort: „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“. Die wenigsten können diesen Leitsatz einhalten. Mein Handelsstil ist sehr aggressiv, ich gehe oft mit 100% Depotanteil in eine Position. Sollte die Position gegen mich und meine für das Investment einhergehenden Erwartungshaltung laufen, habe ich keine Probleme Verluste abzuschneiden. Um meine Gewinnertrades brauche ich mich nicht weiter zu kümmern, sie gehören zum angenehmen Teil des Handelns.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Das ändert sich jeden Tag. Jeder Tag ist eine Herausforderung, in jedem Markt, ob Aktien oder Futures. Um langfristig Erfolg zu haben, muss jeder Handelstag in Hochform begonnen und beendet werden. Ist dies nicht der Fall, macht es mehr Sinn einen Tag "spontanen" Urlaub zu nehmen. Unter dem Strich ist dies wesentlich günstiger als ein Tag mit schlechter Performance.

Welche Aktien favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Früher hatte ich meine „Lieblingsaktien“ oder „Aktienempfehlung“. Ich habe jedoch gelernt, dass man sich nicht in eine Aktie „verlieben“ sollte. Ich habe keinen Favoriten, den jeden Tag kann sich das gesamte Marktbild verändern. Die Märkte können einbrechen, und auch jede noch so tolle Fundamentalaktie würde in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn ich da an einer Position festhalten würde, und ich gebunden bin sie aus Überzeugung zu verkaufen, kann das sehr teuer werden. Zurzeit handel ich jedoch sehr gerne auf Grund des aktiven Handels Nokia, Questcor Pharmaceuticals, Facebook und Netflix.

Erfahrungen:

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Man kann an 99 Tagen in Folge Gewinne erzielen und nur an einem einzigen Tag alles verlieren. Risko- und Moneymanagement (das Umgehen von Verlusttrades) sollten nicht nur statistische Werte aufweisen, sondern auch psychologische Aspekte beinhalten. Hat man schlecht geschlafen, macht die Freundin Stress oder fühlt man sich nicht gut. All diese Faktoren sollten schon im Vorfeld ein Warnzeichen für den Handelstag darstellen. Auch wenn Stops vorhanden sind – den PC beziehungsweise die Trading Software muss noch immer jeder selbst ausschalten. Man kann Stopps verschieben, TagesVerlust-Limits ignorieren und so weiter. Als professioneller Händler muss man jeden Tag ein Höchstmaß an Professionalität an den Tag legen. Durch meine jahrelangen Erfahrungen im Eigenhandel mit Aktien und Finanzkontrakten profitiere ich heute von den Lehrstunden aus der Vergangenheit.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

Der Handel an den Finanzmärkten gehört zu den anspruchsvollsten und komplexesten Themen die es in der Berufswelt gibt. Die Hürde für den Einstieg in den Aktienhandel ist jedoch sehr niedrig. Nahezu jeder Person ist es möglich ein Depot bei einer Bank aufzumachen und mit dem Handel an den weltweiten Börsen zu beginnen. Doch langfristig schafft es nur ein sehr kleiner Prozentsatz profitabel zu werden und vor allem zu bleiben. Der Handel mit Aktien bedeutet nicht nur Kauf- und Verkaufsentscheidungen, sondern beinhaltet jede Menge psychologische Fallstricke. Jeder Fehlentscheidung, die an der Börse gemacht wird, kann nicht rückgängig gemacht werden. Seien Sie sich bewusst, dass Sie im Markt gegen andere Menschen, gegen Profis, antreten. Im Grunde genommen ist das Thema recht trivial. Wer erfolgreich sein will, muss sich mit erfolgreichen Leuten umgeben. Erfolg an der Börse heißt Performance an den Märkten. Über die Plattform TraderStars.de biete ich jedem Interessenten und natürlich auch sehr gerne jeder Interessierten die Möglichkeit, in den professionellen Tagesablauf eines erfahrenen Händlers mitzuerleben.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Neben dem Standardwerk der Technischen Analyse von John J. Murphy kann ich jedem das Buch „Tools & Tactics für Mastertrader“ von Oliver Velez und Greg Capra ans Herz legen. Vor allem der erste Teil, die Trading Psychologie, ist sehr gut geschrieben.

Welche Frage möchten Sie an wikifolio.com stellen?

Mit welchen Erneuerungen können wir im Jahr 2012 noch rechnen?

*Wir arbeiten an neuen Order-Typen wie Limit Orders und planen auch den Ausbau unseres Anlageuniversums von derzeit 2.500 auf rund 10.000 Werte. Die Markteinführung wird vermutlich Anfang 2013 sein. Zeitnah werden zusätzliche wikifolio Module auf unseren Partnerseiten OnVista und Handelsblatt sowie der Abschluss weiterer hochkarätiger Medienpartnerschaften stattfinden.*