22.11.2012| Von: Florian Hiller |

Der wikifolio Traders-Talk geht in die vierte Runde! Dieses Mal haben wir mit Sebastian Reese gesprochen. Sebastian Reese ist als SebastianReese auf wikifolio aktiv und setzt seit Ende August seine Handelsstrategie im wikifolio SR wisdom capital spekulativ um.

Ich wünsche viel Spaß mit dem Interview.

Allgemein:

Wie heißen Sie?

Sebastian Reese

Wie geht es Ihnen?

Mir geht´s gut.

Wie spät ist es?

Es ist gerade 14:30 Uhr.

Wie ist das Wetter?

Sonnig und um die 10 Grad.

Wo sind Sie gerade?

In meinem Büro zu Hause in Iserlohn.

Was sind Sie von Beruf?

Ich bin gelernter Bankkaufmann und seit 2004 Vollzeittrader.

Der Trader:

Sebastian Reese

Wie sind Sie zum Trading gekommen?

Mein Schwager hat mich mit dem Trading infiziert. Nach dem Abi und dem Abschluss meiner Bankausbildung, absolvierte ich zunächst ein Praktikum bei HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Dort durchlief ich verschiedene Abteilungen und wurde dabei auch erstmals direkt mit der großen Börsenwelt konfrontiert. Nach dem Praktikum bekam ich bei Lang & Schwarz in Düsseldorf eine Chance als Nachwuchshändler. Nach einigen Monaten fasste ich schließlich den Entschluss, es auf eigene Faust zu versuchen und erfüllte mir den Traum vom selbstständigen Daytrader.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?

Mein Tag beginnt um 7h. Kurz darauf schaue ich auf mein Smartphone. Hierbei interessiere ich mich insbesondere für die Indikation der US Futures bzw des LuS Dax ab 7:30h. Somit bekomme ich einen schnellen Überblick, in welche Richtung der Markt zur Eröffnung gehen sollte.

Ab 7:45h sitze ich dann vorm Rechner. Neben dem filtern von Nachrichten beginnt ab 8h dann die erste spannende Phase des Tages. Die Eröffnung der Futures an der Eurex und des Parketthandels. In dieser Zeit setze ich bereits den einen oder anderen Trade ab, ehe ich dann um 9h gespannt auf die Xetraeröffnung schaue. In den Vormittagsstunden ist meine Handelsaktivität am intensivsten.

Ab 11h bis etwa 14h nehme ich mir dann eine Auszeit. Wobei dieses Vorhaben allerdings auch vom jeweiligen Marktgeschehen abhängig ist und meine Mittagspause daher auch mal ausfallen kann. Während meiner Pause versuche ich Zeit mit meiner Frau und meiner Tochter zu verbringen, mache Sport oder gehe gerne mit Freunden etwas Essen.

Ab 14h konzentriere ich mich auf die vorbörslichen News aus Nordamerika. Zur Eröffnung ab 15:30h kann meine Handelsaktivität dann nochmals ansteigen. Gegen 17:30h ist die aktive Handelszeit vorbei und ich verbringe wieder Zeit mit meiner Familie , wobei ich bis zum US Closing um 22h immer mal wieder einen Blick aufs Handy werfe oder auch zwischendurch für einige Minuten an den Rechner gehe. In den Abendstunden ist meine Handelsaktivität im Vergleich zum übrigen Tagesverlauf deutlich geringer. Ab 22h ist dann spätestens Feierabend.

Warum haben Sie sich für wikifolio.com entschieden?

Ich hatte schon immer mal den Gedanken, irgendwann einen eigenen Fonds zu verwalten. Mit wikifolio hat man nun die Chance, sich zu beweisen. Die Hürde ein eigenes investierbares wikifolio zu bekommen, ist im Vergleich zur Gründung einer eigenen Vermögensverwaltung sehr gering. Außerdem denke ich, dass wikifolio.com noch deutliches Wachstumspotential besitzt. Somit bietet die Plattform nicht nur für uns Trader Vorteile, sondern auch für interessierte Investoren.

Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?

Nein, noch nicht.

360 Tage Fazit:

Sind Sie mit der bisher in Ihrem wikifolio erzielten Performance zufrieden?

Nein. Nach einem Hoch von rund 8%, hat es mich in den letzten Tagen auf 3% herunter gehauen. Wobei es eigentlich noch gute 4% sind, da aktuell noch eine Korrekturbuchung aussteht. Mein Ansatz ist spekulativ und die Auswahl meiner Aktien zum Teil etwas exotisch. Von daher sind gewisse Schwankungen an der Tagesordnung. Außerdem versuche ich oft gegen den Markt zu handeln. Bei solchen Trades gegen den Trend kann es passieren, dass man ins fallende Messer greift und zu früh Long geht.

Wie beurteilen Sie das Börsenjahr 2012?

Stark. Mit so einem Anstieg habe ich zu Jahresbeginn nicht gerechnet. Dennoch werden die Zeiten schwieriger. Hier meine ich insbesondere unsere Politik, welche den Börsenhandel durch Verbote (z.B. das Shortverbot) reguliert.

Welcher war Ihr bester Trade innerhalb der letzten 360 Tage?

Rye Patch Gold. Hier gab es Ende letzten Jahres gute News und ich war bereits im Vorfeld investiert. Die Aktie konnte sich binnen kürzester Zeit verdoppeln. Am Ende verkaufte ich mit einem Plus von 70%, was einer der besten prozentualen Anstiege einer Einzelposition in meinem Depot war. Die Gewichtung in meinem Portfolio war leider nicht ganz so hoch, so dass der Wertzuwachs in meinem Depot lediglich bei etwa 5% lag.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?

Über den Sinn muss sich jeder selbst ein Bild machen. Nicht jeder Markt passt zu jedem Anleger. Spaß habe ich, wenn die Volatilität und das Volumen stimmen. Das kann vom Daxwert bis hin zum wertlosen Penny der Fall sein.

Welche Aktien favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?

Die Börsen sind aktuell politisch getrieben. Die Notenbanken stützen die Märkte mit Liquidität. Staaten sind zum Teil extrem verschuldet. Da ist es sehr schwierig, eine mittelfristige Prognose zu geben. In meinem wikifolio versuche ich, u.a. meine mittelfristige Erwartung abzubilden, wobei man diese Erwartung aber regelmäßig hinterfragen muss.

Erfahrungen:

Welche war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?

Das Prinzip Hoffnung ist ein falscher Tradingansatz. Außerdem haben solche Trades am meisten Geld vernichtet, bei denen ich auf andere Menschen gehört habe. Heutzutage schätze ich die Meinung einiger weniger Traderkollegen. Das reicht dann auch völlig aus.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?

In erster Linie muss man ehrlich zu sich selbst sein, sich im Falle eines Verlustes den Fehler eingestehen und wieder nach vorne schauen. Landest du mal einen Volltreffer, dann bleib auf dem Boden und verfolge deine Strategie mit der gleichen Disziplin wie zuvor.

Trading kann ein einsamer Job sein. Im Erfolgsfall klopft dir niemand voller Lob auf die Schulter. Im Falle einer Niederlage baut dich aber auch niemand auf. Aus diesem Grund ist die Psyche, meines Erachtens nach, der wichtigste Baustein auf dem Weg zum Erfolg. Ist man als Trader nicht zu 100% mit dem Kopf bei der Sache, fängt man an Geld zu verlieren.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?

Ich habe kaum Bücher zum Thema Trading gelesen.

Zum Abschluss:

Wie spät ist es jetzt?

20:25hWo sind Sie gerade?

In meinem Büro zu Hause in Iserlohn.

Welche Frage möchten Sie an wikifolio.com stellen?Wikifolio.com war Dienstag die ersten 2 Stunden down. Was wollen sie noch verbessern, um solche Ausfälle in Zukunft zu verhindern? Wir hatten zu diesem Zeitpunkt keine Chance zu ordern. Ist so etwas in Zukunft telefonisch möglich?Es gab am Dienstag ein Problem mit der Netzwerkinfrastruktur. Wir werden folgende Maßnahmen einleiten: Anpassung in den betroffenen Hardware-Komponenten, Sicherstellen einer rascheren Behebung durch organisatorische Maßnahmen. Darüber hinaus werden wir ab Jänner die Möglichkeit eines Telefonhandels anbieten, der von allen technischen Systemen unabhängig funktioniert.