14.07.2017| Von: Anja Branz |

Im aktuellen TradersTalk haben wir mit Steffen Söllner aka Berlondiego gesprochen. Der Business Development Manager ist über eine Biografie von Warren Buffet zum Trading gekommen und vor etwa zwei Jahren in weiterer Folge auch zum Social Trading. Heute betreut er auf unserer Plattform zwei erfolgreiche wikifolios, mit denen er Anlegern einfache und systematische Handelsideen näherbringen will. 


Foto Steffen Söllner

wikifolio-Trader: Berlondiego

Erfolgreichstes wikifolio*:
Quantitative Value D-A-C-H

  • Performance seit Beginn: +54%
  • Maximaler Verlust (bisher): -8,8%
  • Aktuell investiertes Kapital: 1.018.584

*) nach investiertem Kapital, Stand: 13.07.2017

 

 

 

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Steffen Söllner

Unter welchem Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Berlondiego

Was sind Sie von Beruf?
Ich bin als Business Development Manager für ein IT-Unternehmen tätig.

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
So richtig intensiv mit dem Trading habe ich mich beschäftigt, nachdem ich eine Biografie über Warren Buffett gelesen habe. Buffett hat viel von seinem damaligen Professor Benjamin Graham gelernt, dessen Klassiker ‚The Intelligent Investor‘ ich anschließend ebenfalls gelesen habe.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Ich verfolge die Entwicklung an den Börsen tagsüber online und abends nach der Arbeit schaue ich ab und zu Bloomberg TV, um mich über das internationale Marktgeschehen auf dem Laufenden zu halten. Außerdem verfolge ich verschiedene Blogs oder lese Beiträge auf seekingalpha.com. Viel handeln tue ich ja nicht, da ich mittel- bis langfristig investiere und gerade beim wikifolio Quantitative Value D-A-CH investiere ich nur in festgelegten Intervallen.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich führe derzeit zwei wikifolios. Beim wikifolio Quantitative Value D-A-C-H bin ich „Real-Money“-Trader.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Ich bin irgendwann vor zwei Jahren auf wikifolio.com aufmerksam geworden und konnte kein wikifolio auf Basis meiner Handelsidee finden. Letztendlich möchte ich den Usern mit dem wikifolio eine einfache und systematische Handelsidee nahebringen, von der ich nicht nur überzeugt bin sondern mit der ich persönlich auch sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Mein Handelsstil zeichnet sich durch eine systematische und disziplinierte Vorgehensweise auf Basis einer wertorientierten Anlagephilosophie mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont aus. Mit dem Handelsstil will ich Emotionen beim Investieren ausschalten, um letztendlich Verhaltensfehler zu vermeiden, die meiner Meinung nach bei vielen Anlagern zu einer signifikanten Underperformance führen können.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung. Da ich bereits ein Jahr vor der Erstellung meines wikifolios die Strategie mit einem Musterportfolio getestet und eine sehr gute Performance erzielt habe, hatte ich zwar mit einer überdurchschnittlich guten Performance gerechnet, aber ich bin doch erstaunt, dass die Performance sehr viel besser ist als die des DAX, MDAX und SDAX.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Ein Trading-Highlight gab es nicht wirklich, da ich in festgelegten Intervallen investiere und dabei systematisch vorgehe. Ein Highlight war die Wahl des wikifolios Quantitative Value D-A-C-H zum wikifolio der Woche und das überraschend große Interesse am wikifolio.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2017?
Ich gehe weiterhin von einer positiven Entwicklung an den Börsen in Europa und den USA aus. Vom überschwänglichen Optimismus am Markt kann aufgrund geopolitischer Risiken, Trump, Nordkorea,…keine Rede sein. Eher denke ich, dass der Markt verhalten ist. Das ist ein gutes Zeichen, denn überschwänglicher Optimismus wäre ein klares Warnsignal für mich. Auch finde ich die Märkte anhand des durchschnittlichen KGVs nicht extrem hoch bewertet. Zwar ist der durchschnittliche KGV historisch betrachtet überdurchschnittlich hoch, aber relativ zu der extrem niedrigen Rendite der 10 Jährigen Staatsanleihen, die für eine langfristige, risikofreie Anlage stehen, ist der KGV nicht besonders hoch. Ebenfalls ein gutes Zeichen ist die positive Entwicklung der Industrieproduktion in den USA und in der Eurozone. Viel Bargeld ist im Umlauf und an der „Seitenlinie“ geparkt, das nur darauf wartet, investiert zu werden. Aktien sind in Zeiten niedriger Zinsen meiner Meinung nach noch immer alternativlos.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Deutsche Nebenwerte mit kleiner Marktkapitalisierung. Häufig agieren die kleinen Unternehmen mit Spezialprodukten in Nischenmärkten, sind in ihren Branchen versteckte Stars und haben eine gesunde Bilanz.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Ganz klar deutsche Aktien von Unternehmen mit einer kleinen bis mittleren Marktkapitalisierung, die auf Basis des Enterprise Multiple (Enterprise Value / EBITDA) unterbewertet und finanziell gut aufgestellt sind.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Emotionen führen zu Verhaltensfehlern. Man tendiert dazu bei steigenden Kursen zu früh zu verkaufen oder bei fallenden Kursen Aktien zu lange zu halten, in der Hoffnung, dass diese wieder steigen. Außerdem ist gerade bei einer Value-Strategie die Gefahr groß, in ein fallendes Messer zu fassen. Das ist mir in der Vergangenheit passiert. Aus Fehlern muss man lernen und man darf nicht gleich enttäuscht aufgeben.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Emotionen haben bei der Geldanlage nichts zu suchen. Sie führen häufig zu Fehlentscheidung und letztendlich zu einer schlechten Portfolioperformance. Eine systematische und disziplinierte Vorgehensweise hilft Verhaltensfehler zu vermeiden. Wer wenig Zeit hat, sich intensiv mit Fundamentaldaten von Unternehmen und mit den Märkten zu beschäftigen, der sollte eine defensive Strategie verfolgen und z.B. in einen sparplanfähigen ETF monatlich einen festen Betrag einzahlen. Zusätzlich zur Beimischung kann man noch in ein oder mehrere gute wikifolios investieren. Damit erzielt man langfristig sicher eine deutlich bessere Rendite als die Mehrheit der Marktteilnehmer. Will man sich als aktiver Anleger versuchen, so empfehle ich eine wertorientierte Philosophie, indem man eine Kauf- und Verkaufsentscheidung auf Basis des Wertes eines Unternehmens im Verhältnis zum Marktpreis trifft. Man sollte den Fokus auf das potenzielle Verlustrisiko bzw. Verlustpotenzial legen, um Verluste gering zu halten, anstatt nur das Kurspotenzial im Auge zu haben.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Empfehlenswert für Einsteiger finde ich den Klassiker von Benjamin Graham: The Intelligent Investor. Auch wenn die Erstausgabe 1949 war, so ist das Buch noch immer aktuell. Auch kann ich das Buch Deep Value von Tobias Carlisle empfehlen, was allerdings nur auf Englisch verfügbar ist.

Hier gehts zu den wikifolios von Berlondiego: