19.04.2016| Von: Anja Branz |

Im aktuellen TradersTalk haben wir mit Betriebswirt Simon Weishar - auf wikifolio.com bekannt als Szew - über seine ersten Versuche als Trader, den Preis des Lernens und den Reiz des Wettstreites gesprochen. Viel Spaß beim Lesen!

Verraten Sie uns Ihren Namen.
Simon Weishar

Unter welchen Usernamen sind Sie auf wikifolio.com zu finden?
Szew

Was sind Sie von Beruf?
Betriebswirt

Wie sind Sie zum Trading gekommen?
Das Investieren und die Anlagemöglichkeit in Aktien haben mich schon seit meiner Jugend fasziniert, wo ich erste Erfahrungen in diversen Börsenspielen sammeln konnte. Mit der Zeit habe ich mich mit dem Thema immer mehr beschäftigt und vor allem sehr viel gelesen bis ich mich bereit fühlte vor über 10 Jahren meine ersten Aktien zu kaufen.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Handelstag aus?
Durch meine Handelsansatz der weniger Trading sondern mehr Investing beinhaltet kommt es bei mir weniger darauf an ständig die Kurve der Aktie zu verfolgen, sondern vielmehr darauf, dass ich das Unternehmen und den Markt verstehe in dem es sich bewegt. Diese Unternehmensanalysen anhand der Geschäftsberichte und den vorhandenen Analysen mache ich am liebsten am Wochenende, wenn die Märkte geschlossen haben und es wenig Ablenkung gibt.

Wie viele wikifolios führen Sie derzeit? Sind Sie bereits „Real-Money“-Trader?
Ich führe derzeit vier Wikifolios und bin bei drei Real Money Trader.

Was sind für Sie die Gründe, Ihre Handelsstrategie als wikifolio zu veröffentlichen?
Es hat damit begonnen, dass ich selbst in mein Wikifolio investieren wollte, da es für den Trader auch diverse Vorteile mit sich bringt seine Transaktionen über ein Wikifolio auszuführen. Andererseits empfinde ich es als einen großen Reiz seine Handelsstrategie offen zu legen und sich mit anderen zu messen. Bei Wikifolio hat man endlich die Möglichkeit seine Performance unter realen Bedingungen vergleichbar darzustellen.

Was zeichnet grob umrissen Ihren Handelsstil (auf wikifolio.com) aus?
Mein Handelsstil unterscheidet sich in den einzelnen Wikifolios je nach verfolgter Strategie. Grundsätzlich basieren aber alle Strategien auf einer fundamentalen Bewertung des Unternehmens und nicht aufgrund charttechnischer Aspekte.  In meinem Hauptwiki Szew Grundinvestment, was auch am ehesten meinem realen Depot entspricht, vereine ich die diversen Strategien und versuche aus jedem dieser Bereiche die besten Chancen zu nutzen. Dazu gehören einerseits kleinere Unternehmen, die aufgrund ihrer Wachstumsstärke oder eines Gewinnsprungs bald eine höhere Bewertung verdienen, als auch Turnaroundkandidaten, die zu stark abgestraft wurden, aber auch Langfristfavoriten, deren Marktwert sich zwar nicht so schnell verdoppeln wird, die jedoch relativ sicher weiter steigen werden. Ich halte die Werte durchaus länger und sehe mich daher eher als Investor und nicht als Trader, daher gibt es bei mir teilweise auch mal mehre Tage keine Handelsaktivitäten. Für mich ist es wichtig, dass das Risiko stets in einem sehr guten Verhältnis zu den Chancen steht, dieses wäge ich anhand meines selbst entwickelten Analysemodells ab, mit dem ich bisher sehr zufrieden bin.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer wikifolios?
Mit der Entwicklung meines Hauptwikis Szew Grundinvestment und dem Wiki Szew Small Cap bin ich sehr zufrieden, da diese seit bestehen den DAX sehr deutlich schlagen konnten und ich erwarte vor allem von dem Grundinvestment Wiki in Zukunft auch die beste Performance. Mit der Entwicklung des Wikis Szew Turnaround bin ich bislang nicht zufrieden, da die Performance etwas hinter dem Dax zurückliegt, hier habe ich die Strategie mit der Zeit etwas anpassen müssen, ich glaube aber weiterhin an den Erfolg dieser Strategie und habe das wikifolio daher kürzlich zum Real Money wikifolio gemacht. Mit meinem neusten wikifolio den Langfristfavoriten bin ich bisher einigermaßen zufrieden, es hält etwa die Performance des DAX, durch diese Strategie erwarte ich mir keine große Outperformance des DAX, allerdings erwarte ich mir von dem wikifolio, den DAX stets leicht zu schlagen.

Was war Ihr Trading-Highlight der letzten 360 Tage?
Mein Tradinghighlight war definitiv Hypoport, denn dieser Wert konnte sich seit dem Erstkauf mehr als verfünffachen. Aktuell ist der Wert wieder etwas zurückgekommen, da Hypoport aber weiterhin zu meinen Favoriten gehört, ist der Wert aktuell auch wieder am höchsten gewichtet.

Welche Entwicklungen erwarten Sie sich vom Börsenjahr 2016?
Wie man im ersten Quartal gesehen hat war es bislang sehr volatil und ich denke so wird es im restlichen Jahr weiterhin zugehen.

Welche Märkte machen aktuell am meisten Spaß/Sinn?
Mir machen aktuell die deutschen Small Caps am meisten Spaß, da diese Unternehmen nicht so komplex sind, so dass man das Unternehmen als auch den Markt von außen oft gut bewerten kann. Da diese Unternehmen oft nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen ist es hier am ehesten möglich richtige Schnäppchen zu kaufen.

Welche Aktien bzw. Wertpapiere favorisieren Sie aktuell auf mittelfristige Sicht?
Ich favorisiere Aktien, deren fundamentale Bewertung noch nicht zu weit gelaufen ist und die auf Jahre noch weiter wachsen werden, wie z.B. aktuell Hypoport.

Welches war Ihre härteste Lektion, die Sie am Markt erfahren mussten?
Meine härteste Lektion war mein erster Verlusttrade, den ich vor einigen Jahren mit EON eingefahren habe. Hier musste ich erkennen, dass ich die mögliche Entwicklung des Unternehmens falsch eingeschätzt habe, weil der Markt komplexer ist als zunächst angenommen, daher habe ich diese relativ schnell wieder  verkauft. Hier habe ich gelernt, dass der Energiemarkt aus mehreren Gründen ein sehr schwieriger ist, daher halte ich mich seitdem auch stark zurück mit Investments in diesem Bereich.

Welche Ratschläge würden Sie einem Einsteiger mit auf den Weg geben?
Vor dem echten Investieren möglichst viel Lesen, sowohl in Büchern als auch in Foren von erfahrenen Investoren/Tradern lernen, denn ansonsten kann das Lernen teuer werden.

Welches Buch können Sie anderen Tradern empfehlen?
Mit dem Klassiker Intelligent Investieren von Ben Graham kann man nicht viel falsch machen, da das Buch aber schon sehr alt ist, empfehle ich die kommentierte Version, da diese die Sachverhalte auf Situationen bezieht die in der jüngeren Vergangenheit stattfanden.